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Urteil zur Freilassung von japanischem Todeskandidaten aufgehoben

erstellt am 12.06.2018 um 14:10 Uhr
aktualisiert am 19.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Fast ein halbes Jahrhundert hat ein Japaner bereits in der Todeszelle gesessen und wurde dann freigelassen - jetzt kommt der 82-Jährige womöglich doch wieder hinter Gitter. Ein japanisches Gericht hob das Urteil zu seiner Freilassung auf.
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Fast ein halbes Jahrhundert hat ein Japaner bereits in der Todeszelle gesessen und wurde dann freigelassen - jetzt kommt der 82-Jährige womöglich doch wieder hinter Gitter. Ein japanisches Gericht hob das Urteil zu seiner Freilassung auf. Die Schwester setzt sich für ihren verurteilten Bruder ein
Fast ein halbes Jahrhundert hat ein Japaner bereits in der Todeszelle gesessen und wurde dann freigelassen - jetzt kommt der 82-Jährige womöglich doch wieder hinter Gitter. Ein japanisches Gericht hob das Urteil zu seiner Freilassung auf.
© 2018 AFP

Fast ein halbes Jahrhundert hat ein Japaner bereits in der Todeszelle gesessen und wurde dann freigelassen - jetzt könnte der 82-Jährige womöglich doch wieder hinter Gitter kommen. Ein japanisches Gericht hob lokalen Presseberichten vom Dienstag zufolge das Urteil zu seiner Freilassung aus dem Jahr 2014 auf. "Es ist bedauerlich", sagte die Schwester des Langzeit-Insassen Iwao Hakamada. Dessen Anwälte wollen nun in Revision gehen.

Der Mann, der stets seine Unschuld beteuerte, soll 1966 seinen Chef und dessen Familie ermordet haben. Wichtigstes Beweismittel war damals blutbefleckte Kleidung, die ein Jahr nach der Tat präsentiert wurde. Spätere DNA-Analysen ergaben allerdings laut Hakamadas Unterstützern sowie seinen Anwälten keine Verbindung zwischen ihm und der Kleidung. Ein Bezirksgericht im Südosten des Landes ordnete vor vier Jahren an, dass Hakamada einen neuen Prozess bekommen müsse - er wurde freigelassen.

Das Gericht von Tokio meldete nun jedoch "ernsthafte Zweifel" an den DNA-Analysen an und bezeichnete die Methode der Tests als "wenig orthodox", wie lokale Medien berichteten. Unterdessen darf Hakamada zunächst auf freiem Fuß bleiben, da die Fluchtgefahr aufgrund seines hohen Alters und seines Gesundheitszustandes als gering eingeschätzt wird.

Der frühere Boxer Hakamada hatte die Morde ursprünglich bestritten, legte aber im Polizeiverhör dann doch ein Geständnis ab. Später sagte er, er sei zu dem Geständnis gezwungen worden. Dennoch wurde das Todesurteil 1980 vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Er gilt als der Häftling, der weltweit am längsten in einer Todeszelle saß.

Tokio (AFP)
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