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Auf der Suche nach besonderen Orten

erstellt am 24.04.2008 um 18:31 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:38 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Hälfte der Songs hatten die Musiker von Slut schon geschrieben, dann hatte das neue Album endlich seinen Titel "StillNo1". "Wir stellten fest, dass dieses Lied das wichtigste ist, weil es eine neue Tür aufstößt zu einem Raum, den wir vorher nicht kannten", sagt Chris Neuburger. Am Mittwoch, 30. April, gibt die Ingolstädter Band ein Heimspiel im Kleinen Haus des Theaters Ingolstadt, macht dort das Dutzend der "Kleinen Hausmusiken" voll. Danach geht es nach Berlin – und nach Krakau. Unsere Redakteurin Anja Witzke sprach mit Chris Neuburger, dem Sänger des Quintetts, über das aktuelle Album, Theater und neue Pläne.
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Erst mit dem Schauspielensemble in der "Dreigroschenoper" im Großen Haus, jetzt Slut pur im Kleinen Haus. Kommen Sie vom Theater nicht los

Chris Neuburger: Doch, wir konnten uns gut lösen. Es ist nur relativ schwierig, in Ingolstadt geeignete Auftrittsmöglichkeiten zu finden. Nichts gegen Ohrakel und Konsorten, doch sind wir stets auf der Suche nach besonderen Orten, auch in anderen Städten: In Berlin gab’s ein Konzert in einem alten Kino, in Hamburg in einem ehemaligen Schlachthof. Das Kleine Haus scheint mir sehr geeignet für Konzerte. Ein paar sind dort ja schon über die Bühne gegangen.

Gibt es denn am Mittwoch eine kleine musikalische Reminiszenz an Ihre Brecht-Weill-Phase? Hört man ein paar Songs aus der "Dreigroschenoper"? Oder ist der Auftritt ganz dem neuen Album vorbehalten

Neuburger: Es ist die "StillNo1"-Tour. Aber im Zuge dieser Tour haben wir immer ein, zwei Weill-Songs gespielt.

Sie haben in einem Interview erklärt, dass ohne die Erfahrungen mit der "Dreigroschenoper" in Ingolstadt "StillNo1" so nicht möglich gewesen wäre. Inwiefern

Neuburger: Erstens spielt der Faktor Zeit eine große Rolle: Wir hatten genug davon, um über neue Wege nachzudenken. Zweitens hat uns die Arbeit am Theater gelehrt, wie man Musik auch angehen kann, was man anders machen kann und vor allem darf. Unser letztes Album beschränkt sich auf ein Grundinstrumentarium, das aktuelle verfügt über eine weitaus reichhaltigere Ausstattung – alles Auswirkungen unseres Theater-Gastspiels: Jeder hat den Umgang mit seinem eigenen Instrument neu betrachtet, vielleicht sogar neu erlernt. Natürlich ist "StillNo1" keine Theaterplatte geworden, aber ich denke, wir haben uns besonnen in dieser Zeit. Wir spielten fremde Musik, die der eigenen neue Aspekte zugefügt, einen neuen Anstrich verliehen hat.

Aber das Album wirkt schon so, als wären die Songs mehr inszeniert. Ich denke da an die Intros, die Spannungsbögen . . .

Bestreiten die Kleine Hausmusik 12: René Arbeithuber, Rainer Schaller, Matthias Neuburger, Christian Neuburger und Gerd Rosenacker (von links) sind Slut. - Foto: oh
Neuburger: Das war nicht beabsichtigt. Wir hatten diesmal keinen Plan und kein Konzept – und trotzdem kam etwas heraus, das irgendwie nach Regie riecht, nach Dramaturgie. Obwohl es keinen Regisseur gab. Oder anders: Es gab fünf Regisseure. Das Ergebnis hat Bögen, eine Klammer. Schon seltsam, es steckt wirklich kein Kalkül dahinter.

Wie muss man sich die Arbeit überhaupt vorstellen? Hat jeder von Ihnen ein Notizbuch, in dem Sie ständig Themen, Textzeilen, Melodielinien, neue Ideen skizzieren? Oder gibt es da eine heiße Arbeitsphase von wenigen Wochen, in denen es heißt: Projekt neue Platte

Neuburger: Man verliert viel aus den Augen, wenn man kein schwarzes Büchlein hat. Und insofern mache speziell ich mir die eine oder andere Notiz. Wenn’s ans Ausarbeiten, Fertigmachen und Aufnehmen geht, ist dieses Buch aber nicht mehr wichtig.

Ist es tatsächlich klein und schwarz

Neuburger: Es ist tatsächlich klein und schwarz. Moleskine. Querformat. Ohne Linien.

Das Cover stammt diesmal von einem Berliner Künstler, Sigurd Wendland. Wie kam denn das? Man läuft durch Berlin, sieht in einer Galerie ein Bild – und sagt: Das ist unser Cover

Neuburger: So war es zumindest geplant. Funktionierte aber nicht, weil das, was wir in den Mitte-Galerien und in diversen Ausstellungen vorfanden, nicht unseren Vorstellungen entsprach. Dann haben wir in einem Kunstkatalog Sigurd Wendland entdeckt und ihn in seinem Schöneberger Atelier besucht. Er zeigte sich äußerst kooperativ: Wir durften uns aussuchen, was wir wollten. Diese Art der Zusammenarbeit soll eventuell über die aktuelle Platte hinausgehen.

Musik und Malerei – ist das ein Spannungsfeld, in dem Sie künftig mehr experimentieren wollen? Es soll auch Pläne für ein gemeinsames Projekt mit dem Ingolstädter Kunstverein geben. Was stellen Sie sich da vor

Neuburger: Es gibt verschiedene Pläne: Da Sigurd Wendland beim Kunstverein nicht recht ankommen mag, suchen wir andere Partner für ein gemeinsames Projekt. xhoch4 hat beispielsweise Zugriff auf diverse Räumlichkeiten. Mal schauen. Wir wollen nun nicht zwangsweise interdisziplinär arbeiten. Momentan ist es einfach so, dass es mit Sigurd Wendland einen Maler gibt, dessen Werk gut mit unserer Musik zusammengeht. Und vielleicht kann man das für neue Projekte nutzen. Der Künstler selbst hat beispielsweise bei uns angefragt, ob wir auf seiner Vernissage in Lissabon auftreten wollen. Das ging aus zeitlichen Gründen nicht. Er bekundete Interesse, mit Slut eine Art Tour zu machen – durch Galerien. Wenn uns diese Kooperation sinnvoll erscheint, machen wir es.

Und wie ist das mit dem Kunstverein

Neuburger: Mit dem Kunstverein sprechen wir gerade über etwas, das länger nicht mehr gemacht wurde. Eine ganz andere Art von Ausstellung, in der wir als Band nicht unbedingt vorkommen müssen. Zunächst geht es darum, Vorschläge zu machen. Wir stehen noch am Anfang. Es gibt da diesen leeren Raum in der Theatergalerie, den wir mit etwas bestücken möchten. Doch das ist alles andere als in trockenen Tüchern. Mehr dazu in Bälde.

Die Playlist für das Konzert im Kleinen Haus? Womit beginnen Sie? Und womit hören Sie auf

Neuburger: Wir beginnen stets mit dem Anfang. Mit dem Anfang der neuen Platte. Ansonsten variiert man ja gerne mal von Abend zu Abend. Je nachdem, wo man spielt. Man kann sich durchaus auf die jeweilige Stadt einstellen: In Dresden freut sich jeder, wenn’s laut zugeht, die Berliner hätten gern von allem Etwas, in München präferiert man ganz, ganz alte Lieder. Und in Ingolstadt gelten, wie jeder weiß, völlig andere Gesetze. Da bin ich noch etwas ratlos – wir werden das am Wochenende ausprobieren.

Slut spielt am 30. April um 21 Uhr im Kleinen Haus neben dem Turm Baur. Karten gibt es an der Theaterkasse, in den DK-Geschäftsstellen oder unter www.kartenhaus.de.

teleschau vom 26. April 2008 - 003
Donaukurier
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