Klaus-W.-Sporer-Preis für Marina Pohl
Von Neuburg nach Berlin

09.07.2024 | Stand 09.07.2024, 19:00 Uhr |

Marina Pohl vor ihrem Werk „Flatmate“ in der Berliner Ausstellung „Keine Angst“. Im Herbst wird sie mit dem Ingolstädter Klaus-W.-Sporer-Preis ausgezeichnet. Foto: Witzke

Treffpunkt: Erich-Weinert-Straße 135 in Berlin. Für wenige Tage hat sich die ehemalige Tierarztpraxis in einen Kunstraum verwandelt. „Keine Angst“ heißt die Schau von Annika Horn, Nele Napiwotzki und Marina Pohl, in der sich die drei Künstlerinnen mit dem Thema Angst auseinandersetzen: „Das Monster unter dem Bett ist archaische Furcht, soziales Trauma oder biografisch erwachsen. Die Angst tritt auf als Akteur, dem eine Eigendynamik innewohnt, der uns zuweilen lähmt, spaltet, überwältigt“, heißt es im Begleittext zur Ausstellung. Mit ihrer Kunst wollen sie sich der Angst entgegenstellen: „Wir wollen Nähe versuchen, anstatt die Flucht zu ergreifen. Trösten-können nach dem Angst-haben.“

Marina Pohl, geboren 1997 in Ingolstadt, aufgewachsen in Neuburg, wo ihre Eltern wohnen, hat am Gabrieli-Gymnasium Eichstätt ihre musische Ausbildung in bildender Kunst und klassischer Musik (Klavier) erhalten. Sie begann mit Kunstpädagogik am Mozarteum in Salzburg, wechselte 2018 an die Akademie der bildenden Künste Wien, wo sie Malerei bei Daniel Richter studierte. Seit 2020 ist sie Teil der Klasse Mark Lammerts an der Universität der Künste in Berlin. Und: Sie ist die erste Preisträgerin des neu geschaffenen Klaus-W.-Sporer-Preises. Dieser wird verliehen an Kunstschaffende unter 30 Jahren in Anerkennung für Leistungen auf mindestens zwei unterschiedlichen Gebieten. Klaus W. Sporer (1939–2020) hatte sich selbst als Maler, Musiker, Komponist und Lyriker einen Namen gemacht und diesen Preis zusammen mit seiner Frau Erika gestiftet. Im zweijährigen Rhythmus soll er künftig vergeben werden.

Marina Pohl wird ausgezeichnet für ihr bildnerisches und musikalisches Wirken. Für sie kam die Auszeichnung unerwartet: „Ich habe mich mega gefreut“, sagt sie. In einem kleinen Rundgang zeigt sie ihre Arbeiten: Das dunkel-bedrohliche „Nightwalks“ (Öl auf Leinwand) etwa, das von dem Gefühl erzählt, nachts allein nach Hause zu gehen. „Tatsächlich ist es ein bestimmter Weg: vom Atelier in Charlottenburg in der Udk kann man zu mir nach Hause auch ein Stück durch den Wald gehen.“ „Sleepwalking“ thematisiert das eigene Schlafwandeln. In dem Großformat „Flatmate“ hat sie einen Pflanzen-Mitbewohner auf Leinwand gebannt. Und das Werk „Kuss“ hängt hier, „weil Intimität auch viel mit Angst zu tun hat“, erklärt Marina Pohl.

Hier in Berlin hat sie auch eine Zeitlang neben dem Studium als Reitlehrerin gearbeitet – im Islandpferdezentrum Berlin auf dem großen Gelände der Trabrennbahn Karlshorst. In dieser Zeit entstanden auch viele Pferdbilder. Schon früher war sie viel geritten. Ein zeitraubendes Hobby. Irgendwann fiel die Entscheidung, sich stärker auf die Kunst zu konzentrieren. Denn auch das Kuratieren von Ausstellungen findet sie interessant.

Der Termin für die Preisverleihung steht noch nicht fest. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert. Gibt es schon einen Plan, wofür sie das Preisgeld nutzen wird? „Ich werde es auf jeden Fall in Kunst investieren – in Farben“, sagt Marina Pohl. „Wenn dann noch was übrig bleibt, dann würde ich gern reisen.“

DK