Absurdes und Wortwitz: der "Tatort" aus Weimar

 

Gleich zu Jahresbeginn ging es mit dem unkoventionellen Ermittlerpaar Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) für die "Tatort"-Zuschauer der ARD nach Weimar.

Der Fall "Der irre Iwan" ist absurd: Bei einem Überfall auf die Stadtkämmerei ballert der Täter scheinbar ziellos in die Decke. Dabei kommt im oberen Stockwerk Sylvia Kleinert, die Sekretärin des Stadtkämmerers, zu Tode. Schnell ist klar: Es war ein geplanter Mord.

Der Fall nimmt eine interessante Wendung - wie es von einem Dorn-Lessing-"Tatort" zu erwarten ist. Der Weimarer Tatort lebt vor allem auch vom Wortwitz und den spitzzüngigen Dialogen von Tschirner und Ulmen. Der beste "Tatort", wenn es um Absurditäten geht.
 

 

In der rechten Szene: Dortmund wie gewohnt düster

 

Die rechtsradikale Szene in Dortmund - keine leichte Kost servierte die ARD am 11. Januar mit dem Ermittlerteam um Kriminalhauptkommissar Peter Faber in "Hydra". Der Kopf der Dortmunder Neonazi-Szene wird in einem Stahlwerk ermordert aufgefunden. 

Wie immer herrscht bei den "Tatort"-Kollegen ein rauer Ton vor einer beeindruckenden "Pott-Kulisse". Das Thema Rechtsradikalismus ist durch die "Pegida"-Entwicklungen indes aktuell wie nie.

Im Laufe des Falls müssen die fünf Ermittler erkennen, dass es in den eigenen Reihen der Polizei eine undichte Stelle gibt. Die Stimmung ist einzigartig düster und von Misstrauen geprägt. Es wird nicht besser, als Polizist Daniel Kossik (Stefan Konarske) bei den Ermittlungen feststellen muss, dass sein Bruder bei den Nazis Freunde gefunden hat. Plötzlich rückt auch Ermittlerin Nora Dalay (Aylin Tezel) ins Fadenkreuz der Dortmunder Nazi-Szene.  

Die Stimmung wird zudem gedrückt durch Dalays Entscheidung das Kind, das sie von Kollege Kossik erwartet, abzutreiben. Die beiden haben sich von nun an auch privat nichts mehr zu sagen. Dieser "Tatort" war das düsterste, das die Krimi-Macher 2015 gezeigt haben. 

 

Nichts für Zartbesaitete: Die Berliner feiern Premiere

 

Premiere für Nina Rubin und Robert Karow in Berlin: Nachdem Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) ihren Dienst bei der 5. Mordkommission des Landeskriminalamts quittiert hatten, haben am 22. März die beiden Neulinge die Arbeit aufgenommen. Verkörpert werden sie von Meret Becker und Mark Waschke.

Rubin ist eine waschechte Berlinerin, die sich nachts gern im Nachtleben der Hauptstadt rumtreibt und ihre Familie beim Zerbrechen zuschauen muss. Karow, der als Neuer in Rubins Abteilung anfängt, eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Es soll etwas mit dem Tod seines früheren Partners im Drogenderzenat zu tun haben. Unter den Kollegen herrscht Misstrauen. Die Krimimacher outeten mit Karow erstmals einen Ermittler als schwul. 

Ihr erster Fall "Das Muli" ist ein Tatort der harten Sorte. Nichts für Zartbesaitete. In einem Badezimmer einer Ferienwohnung finden die Ermittler jede Menge Blut, aber keine Leiche. Recht schnell kommt der Verdacht auf, die Tat steht im Zusammenhang mit Drogenhandel. Ein Menschenleben ist da bekanntlich ja nicht so viel Wert. Vor allem nicht, wenn das "Muli" 100 Tüten Koks aus Mexiko im Bauch in sich trägt.

Das großes Finale findet dann aber nicht vor dem Brandenburger Tor oder auf dem Ku'damm statt - sondern in einer anderen bekannten "Sehenswürdigkeit" Berlins. In der leerstehenden Baustelle des Flughafens BER. '

Über die neuen Berliner "Tatort"-Ermittler wissen die Zuschauer noch nicht viel. Die Premiere hat allerdings neugierig gemacht, wie es mit Rubin und Karow weitergeht. 

 

Ein zweiter "Tatort" vom BR: Felix Voss ermittelt in Franken

 

Endlich ein "Tatort" für Franken - das haben sich viele am 12. April gedacht. Denn bisher sendete der Bayerische Rundfunk nur "Tatort"-Episoden aus München. Damit ist nun Schluss - in Zukunft bringen Fabian Hinrichs als Felix Voss und Dagmar Manzel als Paula Ringelhahn die Mörder in Franken hinter Gitter.

Franken-Tatort
Hauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs, von links) trifft direkt am Tatort auf seine neue Kollegen: den Leiter der Spurensicherung Michael Schatz (Matthias Egersdsrfer), Kollegin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid).
Olaf Tiedje (Bayerischer Rundfunk)

Ihr erster Fall führt die beiden Nicht-Franken (eine gute Entscheidung der Verantwortlichen - denn damit ersparte man sich eine Dialekt-Blamage) ins Umfeld der Universität Erlangen-Nürnberg. Ein Professor wurde tot in seinem Auto, das im Wald stand, gefunden. Eifersucht? Waffen-Lobby? Wer und was steckt hinter der Tat?

Die neuen fränkischen Ermittler haben sich in das Herz der "Tatort"-Zuschauer gespielt. Der Plot des ersten "Franken-Tatorts" hat noch Luft nach oben, doch die Ermittler - vor allem Manzel, die ihr Herz auf der Zunge trägt - haben einen guten Eindruck gemacht. Macht definitiv Lust auf mehr. Lesen Sie hier unsere ausführliche Kritik zum "Franken-Tatort" im April.

 

Tod im Off-Shore-Park: In Bremen geht es hoch hinaus

 

Hoch hinaus geht es bei der Bremer "Tatort"-Episode "Wer Wind erntet, sät Sturm", die am 14. Juni zu sehen war. Genauer gesagt geht es zu den Off-Shore-Windparks der Nordsee. Ein Umweltaktivist wird erschossen und sein Freund Henrik Paulsen verschwindet auf einem Windrad in der Nordsee. Die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln mitten in einem Interessenkonflikt zwischen Umweltschützern und Unternehmern.

Wie so oft sind die Drehbuchautoren nah am Ohr der Gesellschaft. Ja oder nein zur Windkraft? Gerade in den Wochen nach dem Klimagipfel ist dieser "Tatort" aktuell wie nie.

In Erinnerung sind vor allem die großen Bilder dieses "Tatorts" geblieben. Tausende - regelrecht verschredderte - Vögel, die zwischen die Rotoren der Windräder geraten sind, Robbenfamilien, faszinierende Aufnahmen der Nordsee, auf der sich seit etlichen Jahren Windräder drehen.

In dieser Epidsode ist es schwer zu unterscheiden in "gut" und "böse". Wer erneuerbare Energien möchte, nimmt auch die vielen getöteten Vögel in Kauf. Oder etwa nicht? Ein "Tatort", der uns zum Nachdenken anregt. 

 

Prosit der Gemütlichkeit: Die Münchner ermitteln auf der Wiesn


Zum allerersten Mal in ihrer 25-jährigen Dienstgeschichte müssen Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) im Münchner Tatort "Die letzte Wiesn" während des Oktoberfests ermitteln. Müssen - denn ein Vergnügen ist das Fest, das jedes Jahr Millionen Menschen aus aller Welt in die Landeshauptstadt zieht, für die beiden nicht. Und so beginnt diese Episode, die am 20. September zu sehen war, auch damit, dass Leitmayr nach Italien reist, um dem Irrsinn zu entkommen.

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Doch Kollege Batic pfeift ihn zurück: Ein "Wiesn-Hasser" treibt auf dem Oktoberfest sein Unwesen und tötet männliche Besucher, indem er ihnen K.-o.-Tropfen in die Maß Bier kippt.

Eigentlich müsste die Wiesn abgesagt werden, doch das ist in München unmöglich. Denn hinter den Schausteller-Buden und der Bierzelt-Deko steckt eben nicht nur gute Laune, sondern die Gier nach Profit; die Wiesn als große Gelddruckmaschine. Wunderbar bleibt Gisela Schneeberger als erbarmungslose Wiesnwirtin in Erinnerung. Sie verkörpert perfekt das System "Oktoberfest". Ein Prosit auf diesen "Tatort", der die schwarze Seite dieses Fests entlarvt. Lesen Sie hier die ausführliche Kritik zu "Die letzte Wiesn".
 

 

Der Gruseligste: "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes"

 

Das war das Gruseligste und Beängstigendste, das die ARD in diesem Jahr in der "Tatort"-Reihe ausgestrahlt hat: "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" am 29. November. Denn was soll es bitte Schlimmeres geben, als dass ein Täter, der schon gefasst war, verschwindet und wieder in einer Folge auftaucht?

Kai Korthals ist ein grausamer Psychopath mit einem freundlichen Äußerem. Er schlich sich in die Wohnungen von Frauen, um sie dort zu empfangen, zu beobachten und dann zu töten. Damals gelang es Kommissar Borowski (Axel Milberg) den Mann zu stellen, doch er entkam schwer verletzt aus dem Krankenwagen. 

Nun ist er also zurückgekehrt und tötet wieder mit einer ungeheuren Brutalität. Und er will sich an Borowski rächen, indem er seine Verlobte Frieda entführt und droht, sie zu töten. Was dann folgt, ist ein Albtraum für Frieda - und für den Zuschauer, der mitfiebert, wenn Borowski wieder einmal zu spät kommt.