In 39 Sprachen übersetzt

Otfried Preußlers Kultfigur wird 60: Das war alles der Räuber Hotzenplotz!

01.08.2022 | Stand 01.08.2022, 5:00 Uhr

„Diesem polternden Großmaul konnte man ein paar Sachen unterschieben“, erzählt Susanne Preußler-Bitsch, die Tochter des Hotzenplotz-Erfinders Otfried Preußler. Der anarchische Räuber war für ihre Familie wie ein „komischer entfernter Verwandter, der immer wieder bei uns auftauchte“. Und das hatte für sie und ihre zwei Schwestern eindeutig so seine Vorteile beim Aufwachsen. −Foto: Armin Weigel/dpa

Im Wohnzimmer sind dreckige Fußspuren zu sehen. Wer hat die bloß hinterlassen? Im Haus von Otfried Preußler konnte die Antwort lauten: Das war der Räuber Hotzenplotz!




Der Schriftsteller Preußler hat den Räuber vor 60 Jahren für einen Kinderroman erfunden. Die Tochter des Autors erinnert sich, dass sie damals in ihrem oberbayerischen Zuhause bei Rosenheim manchmal so getan haben, als gebe es den Räuber wirklich. „Der Hotzenplotz war wie so ein komischer entfernter Verwandter, der immer wieder bei uns auftauchte“, sagt Susanne Preußler-Bitsch, die von Regen im Bayerischen Wald aus das Werk ihres Vaters pflegt.
Sie und ihre beiden Schwestern mochten den komischen Bösewicht. „Diesem polternden Großmaul konnte man ein paar Sachen unterschieben.“ So hätten sie einmal einen Zettel in den Kühlschrank gelegt, auf dem stand: „Das letzte Stück Kuchen hat der Hotzenplotz stibitzt.“
Ein spitzer Hut mit Feder, ein buschiger Vollbart und neugierige Augen: So kennen und lieben die Kinder den Räuber Hotzenplotz. Seit 60 Jahren sorgt er für wohlige Spannung, etwa wenn er der Großmutter die Kaffeemühle klaut und Kasperl und Seppel ihm nachstellen. Am 1. August 1962 erschien Otfried Preußlers Kinderroman „Der Räuber Hotzenplotz“ erstmals.

In 39 Sprachen übersetzt



Ein Erfolg für den 1923 geborenen Schriftsteller. Sein Buch und die beiden Folgebände mit den Illustrationen von Franz Josef Tripp wurden in 39 Sprachen übersetzt. Weltweit rund zehn Millionen Exemplare wurden davon inzwischen verkauft, allein sechs Millionen in Deutschland.

Es ist eine sagenhafte Welt, die Preußler bis zu seinem Tod im Jahr 2013 in mehr als 30 Büchern geschaffen hat, angeregt durch die Sagen und Märchen, die ihm einst seine Großmutter erzählte. Der anarchische Räuber Hotzenplotz mit seiner Pfefferpistole nimmt dabei einen besonderen Platz ein.

Cordula Dieckmann