Offener Raum der Kunst und des Dialogs

Angelika Hercher und Doris Rachny eröffnen das Atelier Konkret in Ingolstadt

19.09.2022 | Stand 19.09.2022, 18:22 Uhr

Ort für Kunst in der Ingolstädter Altstadt: Angelika Hercher bei der Führung durch das neue Atelier an der Theresienstraße 9. Foto: Kusche

Von Dagmar Kusche

Ingolstadt – Es ist eine einmalige Chance und ein Glücksgriff zugleich, den sich die zwei Ingolstädter Künstlerinnen Angelika Hercher und Doris Rachny in der Theresienstraße 9 nicht haben entgehen lassen: eine fast 90 Quadratmeter große Räumlichkeit, idyllisch an einem Innenhof mitten im Zentrum Ingolstadts gelegen, hell, luftig und perfekt geschnitten für einen Werkraum und ein Atelier der zwei engagierten Kunstschaffenden. In Anwesenheit von Mathias Listl, Kurator des Museums für Konkrete Kunst, rund 80 Gästen und musikalisch virtuos umrahmt von Cosima Grosch am Piano feierten die beiden Künstlerinnen die Eröffnung ihr neues Atelier Konkret. Dort wollen Hercher und Rachny nicht nur Kunst entstehen lassen und Kulturprojekte entwickeln, sondern auch eine Plattform für einen offenen Dialog mit einem breiten kulturinteressierten Publikum und zur gegenseitigen Inspiration schaffen.

Zwei eigenständige Künstlerpersönlichkeiten

Besser könnte das Logo eines nicht geschlossenen Quadrats, das Hercher und Rachny für ihr neues Atelier kreiert haben, die Besonderheit des neuen Werk- und Kunstraums nicht beschreiben: „Zwei eigenständige Künstlerpersönlichkeiten mit ganz unterschiedlichen, vermeintlich widersprüchlichen Zugängen zur Kunst, ergänzen sich im Atelier perfekt. Dabei betrachten sie diesen jedoch nicht als abgeschlossenen Raum, sondern als einen Ort, an dem ein Dialog nach außen möglich wird“, beschrieb Mathias Listl das aus zwei L-förmigen, rektangulären Elementen bestehende Logo des neuen Ateliers.

Viel Applaus von Listl und den Gästen ernteten die beiden Künstlerinnen dann auch für ihr Vorhaben, das Atelier zeitweise zu öffnen, um Menschen für Kunst zu begeistern und emotional zu berühren: „Unsere Motivation ist es, das Bewusstsein für Kultur in der allgemeinen Gesellschaft weiter zu öffnen und zu fördern“, betonte Hercher dann auch bei ihrer Begrüßung. Zusammen mit ihrer Künstlerkollegin Doris Rachny, die sie Anfang des Jahres innerhalb kürzester Zeit von dem Gemeinschaftsprojekt Atelier Konkret an der Theresienstraße 9 überzeugen konnte, plant sie neben Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen auch Veranstaltungen im Atelier. Damit soll das breitgefächerte Spektrum von Kunst und Kultur vermittelt und nach außen getragen werden.

Es ist gerade diese „vermeintliche Widersprüchlichkeit“ der Kunstwerke der beiden bekannten Ingolstädter Künstlerinnen, die schon beim Betreten des neuen Ateliers eine einzigartige Atmosphäre und einen besonderen Reiz konkreter Kunst schafft. Optisch trennt ein imposantes Werk von Doris Rachny die Atelier- und Werkbereiche der beiden Künstlerinnen: An der Wand gegenüber vom Eingang prangt ein großformatiges weißes Quadrat mit schwarzem Kreis; die Arbeit ist vertikal geteilt und durch den kleinen Spalt scheint sanftes Licht. Rechter Hand vom Eingang erstreckt sich derzeit der Ausstellungsbereich von Künstlerin Angelika Hercher, die ihren Zugang zur konkreten Kunst über ihre Tätigkeit als Mathematiklehrerin gefunden hat und in ihren von großer Leuchtkraft geprägten Acrylbildern sowohl mit geometrischen Figuren als auch mit Stimmung und Emotionalität spielt. In strahlendem Blau leuchten dem Besucher großformatige Kunstwerke entgegen, die von ihrer Liebe zum Meer erzählen. Mit expressivem Pinselduktus arbeitet Hercher aber auch an Themen wie Raum und Zeit, Sehnsucht oder Beziehung und lässt sich dabei ganz nach Stimmung und Gefühl treiben, verdichtet oder bessert nach, bis ihr die eigene Arbeit gefällt.

Schwarz und WeißQuadrat und Kreis

Auf der linken Seite des neuen Ateliers, in dem Doris Rachny, Leiterin der wissenschaftlichen Kunstbibliothek des Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt, ihre Arbeiten ausstellt, dominieren die Farben Schwarz und Weiß und großformatige Arbeiten, in denen Quadrat und Kreis die entscheidenden Rollen zufällt: „Ich reduziere mich gerne auf Schwarz und Weiß, um meine Arbeiten von der Ablenkung der Farben zu befreien“, betont die Künstlerin, die es liebt, auf Holzplatten oder gar Schwerlast-Holztransportpaletten eine dicke Masse an Öl-, Teer-, oder Lackfarben zu geben und diese dann vielfältig zu bearbeiten. Das Ergebnis sind imposante Werke, die – teilweise noch eindrucksvoll mit Metallintarsien versehen – wie Bronzearbeiten wirken. Doch fehlt in der Ausstellung von Doris Rachny auch das großformatige Abbild des Dalai Lama aus der Themenausstellung von 2013 nicht, der – nahezu altmeisterlich porträtiert und mit unterschiedlichen Farben beleuchtet – wohlwollend in den Raum lächelt und dem Atelier eine eigene Atmosphäre verleiht.

Am Samstagabend boten Angelika Hercher und Doris Rachny bei ihrer Führung durch ihr neues Atelier umfassende Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen, Denken und Fühlen. Mit großer Begeisterung berichteten sie den Gästen, was sie umtreibt, wie sie damit umgehen und wie sie ihre Energie und Kreativität in ihrem neuen Atelier und Werkraum nutzen wollen: „Wir wollen einen Ort, der ausstrahlt und an dem unser Denken, unsere Freuden und Sorgen in Kunst umgesetzt und im Dialog mit der Öffentlichkeit weitergegeben werden“, betonten beide Künstlerinnen voller ansteckendem Enthusiasmus.

DK


Das Atelier Konkret befindet sich an der Theresienstraße 9 in Ingolstadt; weitere Informationen sind erhältlich unter info@atelierkonkret.com.