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15.10.2012 19:11 Uhr | x gelesen
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Was ist für Sie Heimat, Herr Maurer?


Bild: Was ist für Sie Heimat, Herr Maurer?. Ingolstadt Ingolstadt (DK) Seine Lesungen haben Kultcharakter, seine satirischen Krimis sind spannende wie vergnügliche Geschichten rund um Kommissar Hubertus Jennerwein. Jörg Maurer, seit Jahrzehnten Kabarettist, hat mit „Oberwasser“ seinen vierten Alpenkrimi vorgelegt. Morgen, Mittwoch, liest der gebürtige Garmisch-Partenkirchener im Rahmen der „LeseLust“ um 19.30 Uhr im DK-Forum in Ingolstadt. Mit Maurer hat sich unsere Redakteurin Katrin Fehr über bayerische Gerichte, die Attraktivität von Hugh Grant und das Glück unterhalten.

Ingolstadt (DK) Seine Lesungen haben Kultcharakter, seine satirischen Krimis sind spannende wie vergnügliche Geschichten rund um Kommissar Hubertus Jennerwein. Jörg Maurer, seit Jahrzehnten Kabarettist, hat mit „Oberwasser“ seinen vierten Alpenkrimi vorgelegt. Morgen, Mittwoch, liest der gebürtige Garmisch-Partenkirchener im Rahmen der „LeseLust“ um 19.30 Uhr im DK-Forum in Ingolstadt. Mit Maurer hat sich unsere Redakteurin Katrin Fehr über bayerische Gerichte, die Attraktivität von Hugh Grant und das Glück unterhalten.


Ingolstadt: Was ist für Sie Heimat, Herr Maurer?
Seine Alpenkrimis machten den Kabarettisten Jörg Maurer zum Bestsellerautor: In seinem neuesten Werk, „Oberwasser“, lässt er seinen Helden Kommissar Jennerwein gemeinsam mit verdeckten BKA-Beamten gegen das organisierte Verbrechen ermitteln. Morgen, Mittwoch, ist Jörg Maurer zu Gast in der „LeseLust“ im Ingolstädter DK-Forum. Beginn der Lesung ist um 19.30 Uhr. - Foto: Schreiber
Ingolstadt

Auf Seite 128 schreiben Sie von „Knöcherlsülze, Eiergerstelsuppe und Eadepfeschweafalan“. Da fragen Nichtbayern ratlos: Und was war mit Leberkäs und Weißwürsten? Wie viel Lokalkolorit verträgt ein Alpenkrimi?

Jörg Maurer: Bei den Gerichten ging es mir genau darum, nicht das Klischee zu bedienen, sondern ein wenig ins Regionale zu gehen und auch das zu parodieren. Und das passt ganz gut zur Bestatterfamilie Grasegger, die das erzählt. Das sind ja die Verfressensten in meinen Geschichten. Lokalkolorit muss sein, aber ich schreibe keinen Schlüsselroman.

 

Dennoch ist der Erfolg von Regionalkrimis ungebrochen, was ist das Erfolgsrezept?

Maurer: Also, ich glaube, dass die Leser zuerst einmal einen guten Krimi lesen wollen. Egal, wo er spielt. Und ich bleibe ja nicht nur in der Region. In „Oberwasser“ geht es bis nach Marokko, nach Fes.

 

Dennoch geht es um Heimat, selbst die Graseggers hatten Heimweh nach Bayern. Was bedeutet Heimat?

Maurer: Dem bin ich auch noch auf der Spur. Es ist eine Gemengelage aus positiven und negativen Ereignissen und Gefühlen. Ich persönlich habe Jahrzehnte in München gelebt und bin nun in meinen Heimatort Garmisch-Partenkirchen zurückgekehrt. Da merke ich schon, dass man in der Ferne die Heimat idealisiert, dass sich vieles verändert. Aber Heimat ist wohl da, wo man geboren ist, aber auch da, wo man mit Menschen gut auskommt. Und dann merkt man, dass man viele Heimaten haben kann. Das ist ganz schön.



Was wollen Sie nicht missen?

Maurer: Es muss Umgebung geben. In der Wüste oder auf hoher See, das wäre nichts für mich. Es muss Leute geben, die man beobachten, die man beschreiben kann. Wie hier im Alpenraum. Da gibt es ganz besondere Gestalten und starke Charaktere im positiven Sinne.




Ihre Inspiration finden Sie also am lebenden Objekt?

Maurer: Ich habe schon immer viel gelesen, auch Krimis, da gibt es Vorbilder, auch wenn man als Autor natürlich etwas Neues schaffen will. Aber ich beobachte gerne. Und da ich wegen der Lesungen viel Zug fahre, habe ich auf den Reisen viel Inspiration. Im Zug gibt es so viele komische und aberwitzige Situationen. Da muss man sich nur hinsetzen und mitschreiben. Als Satiriker und Kabarettist hat man es da viel einfacher. Autoren ernster Werke finden im Zug sicher keine Inspiration.

 

Verstehen Sie sich eigentlich gut mit dem Tourismusmanager? Garmisch-Partenkirchen als Ort der geballten Kriminalität kommt ja nicht nur gut weg.

Maurer: Ja, das passt gut. Er kommt, wie viele andere Einheimische auch, zu den Lesungen. Manchmal zucken einige zusammen. Aber dann denken sie wahrscheinlich: Ach, damit ist sicher der andere gemeint. Nein, ich ziehe keine realen Figuren durch den Kakao. Es geht ja eher um Typen.

 

Kommissar Jennerwein leidet an der rätselhaften Krankheit der Bewegungsblindheit und unter seinem Namen. Ist der vom legendären Wilderer Georg „Girgl“ Jennerwein inspiriert?

Maurer: Namen sind besonders schwierig für einen Autor. Er soll ja auch nicht zu geläufig sein und etwas Besonderes. Bei Jennerwein habe ich gedacht, schlimmer wäre nur noch Beckenbauer. Und Jennerwein hört nun also ständig die gleichen Witze, und auf jedem Polizeifest wird das Jennerwein-Lied gesungen. Er hat es wirklich nicht leicht.

 

Aber Sie mögen ihn und Ihre Figuren schon, auch wenn Sie sie so leiden lassen?

Maurer: Ja, selbstverständlich. Und aus irgendeinem Grund habe ich inzwischen nicht nur die Guten, sondern auch die Bösen lieb gewonnen. Sogar die Graseggers. Die sollten schon recht früh verschwinden, ich wollte sie auch schon umkommen lassen. Aber jetzt habe ich sie wieder aus Italien zurückgeholt und bin gespannt, was mit ihnen noch alles passiert.

Noch mal zu Jennerwein, der kein gstandenes bayerisches Mannsbild ist. Bewusst unauffällig soll er sein. Er sei ein wenig wie der englische Schauspieler Hugh Grant. Das müssen Sie erklären: Ist Hugh Grant für Sie ein Typ wie viele andere?

Maurer: Da gibt es viel Protest, ich weiß. Hugh Grant erkennt man, weil er viele Filme gedreht hat, aber ansonsten würde er sich nicht als prägnanter Kopf einprägen. Anders wäre das bei Belmondo, der eine schiefe Nase hat. Das merkt man sich, das markante Gesicht. Zurück zu Jennerwein. Es gibt eben auch den feinen, den unauffälligen Bayern. Und man kann an ihm vieles im Dunkeln lassen, ein bisschen vernebeln. Da kann noch viel passieren.

 

Hinter der Dienststelle gibt es eine „Bühnentür zum Glück“. Wohin führt die?

Maurer: Bei der richtigen Polizei gibt es die natürlich nicht, aber bei uns gibt es viele Häuser an den Rändern, die eine Tür direkt in die Natur haben. Raus aus dem stickigen Besprechungs- raum. Dahinter ist dann das Klischee: Kühe weiden auf der Wiese, ein Bergsteig von 1000 Metern Höhe. Da kann man Luft schnappen. Der ideale Ort für ei- ne raucherlose Raucherpause.

 

Und Ihre Tür, was würde sich dahinter verbergen?

Maurer: Da wäre viel Zeit, um zu lesen. Zeit, um eine Liste mit 2000 Büchern „abzuarbeiten“. Als Student habe ich viel gelesen. Und dahinter wäre wohl auch die Landschaft von Garmisch-Partenkirchen. Das ist sehr schön hier. Da wäre man schon mitten im Glück. Im grünen Glück.

 

Karten gibt es in allen DK-Geschäftsstellen und unter www.donaukurier.de/leselust.

 


Donaukurier
 
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