Er wurde 92 Jahre alt

Gründer des Motettenchors Ingolstadt Hans Steimer ist tot

28.07.2022 | Stand 28.07.2022, 18:06 Uhr

Organist und Dirigent: der Musiker Hans Steimer. Foto: DK-Archiv

Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der Chorleiter Hans Steimer am 25. Juli im Alter von 92 Jahren in Ingolstadt.



Am 23. Dezember 1962 trafen sich zum ersten Mal etwa 25 junge, musikbegeisterte Ingolstädter zu einer Chorprobe unter der Leitung des damals 32-jährigen Hans Steimer. Niemand wusste damals, was für eine große Bedeutung dieser Chor einmal für Ingolstadt haben würde. Denn tatsächlich gründete sich damals der inzwischen fast schon legendäre Ingolstädter Motettenchor, eines der besten Ensembles der Region. Der Gründer des Chores, Hans Steimer, wurde bald zu einer der prägenden Musikerpersönlichkeiten Ingolstadts.

Unlösbar mit dem Motettenchor verbunden

Steimers musikalisches Wirken ist unlösbar mit dem Motettenchor verbunden. Der Aufstieg vollzog sich allerdings allmählich: Bis 1967 wirkte er nur als A-cappella-Chor, erst danach kamen die großen Aufführungen gewichtiger Werke, wie Bachs Johannespassion und h-Moll-Messe. Und Carl Orffs „Carmina burana“. Für Steimer war es ein Höhepunkt seines Lebens, dass damals der Komponist selbst zu den Zuhörern zählte und sich auf der Bühne bei ihm bedankte. Andere Höhepunkte waren eine Aufführung vor 4000 Zuhörern in „Notre Dame“ in Paris, die Verleihung des Kunstpreises der Stadt Ingolstadt für ihn und sein Ensemble 1971, und die Ehrung mit der Goldenen Bürgermedaille 1990. Außerdem die Einspielung mehrerer Schallplatten. All das erfüllte Steimer mit Stolz.

Zur Welt kam er am 6. Juni 1930 in Niederbayern, in Ascholtshausen (heute ein Gemeindeteil von Mallersdorf-Pfaffenberg). Nach einem Musikstudium in Regensburg und München kam er als Moritz-Organist 1952 nach Ingolstadt. Später wurde er Musiklehrer am Eichstätter Gabrieli-Gymnasium. Die Position an der Kirche St. Moritz wurde damit nach und nach zur Nebenbeschäftigung.

Absolvierte nebenher ein Dirigierstudium in München

Steimer bildete sich fort. Nebenher absolvierte er ein Dirigierstudium in München „denn Chor und Orchester waren immer schon mein Steckenpferd“, äußerte er einmal gegenüber unserer Zeitung. Ein renommierter Orchesterleiter sagte ihm, „dass ich das Zeug zu einer beachtlichen Dirigentenlaufbahn gehabt hätte“. Aber Steimer entschied sich anders, er wollte im überschaubaren Rahmen seiner Wahlheimat Ingolstadt wirken.

Aus gesundheitlichen Gründen gab Steimer seine Positionen relativ früh schon ab. 1992 endete seine Zeit beim Motettenchor, und acht Jahre später legte er auch sein Amt als Leiter des Kammerchores von St. Moritz ab. Seitdem lebte Steimer meist zurückgezogen.

In Erinnerung geblieben ist seine integere Art, Musik zu machen. Heinz Zettel, damals Musikkritiker unserer Zeitung, beschrieb seine künstlerischen Tugenden vor Jahren sehr treffend: „Steimers Gespür für weitläufige Spannungsbögen, denen er intensiv nachspürte und deren Wirkung er um keinen Preis knapp pointierten Höhepunkten opfern wollte, seine maßvoll erhabenen Tempi, die er anstelle rasanter Bravourakte bevorzugte, seine auf den Gesamteindruck abzielende Disposition, die scharf geschnittene Kontraste zugunsten der Geschlossenheit meist nicht zuließ, seine Werktreue und seine künstlerisch-musikalische Integrität sorgten für Aufführungen, die in Ingolstadt fast stets Ereignischarakter zeigten.“