41. Ingolstädter Jazztage
Grand Opening im Maritim Congress Centrum

Wolfgang Haffner ist neuer künstlerischer Leiter – Festival von 31. Oktober bis 16. November

11.06.2024 | Stand 14.06.2024, 16:50 Uhr |

Jan Garbarek (links) tritt am 5. November im Festsaal auf. Fotos: Bremme & Hohensee

Vergangenes Jahr feierten die Ingolstädter Jazztage ihr 40-jähriges Jubiläum. Kein Wunder, dass da mit der Zeit ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten war. Nun zeichnet nach der Ära Jan Rottaus ab diesem Jahr erstmals Wolfgang Haffner, der wohl renommierteste Jazz-Drummer Deutschlands, als künstlerischer Leiter für das Programm verantwortlich. Dabei waren er und das Kulturamt, das als Veranstalter fungiert, klug genug, Neuerungen anzustoßen und einzuführen, aber dabei nicht alles über den Haufen zuwerfen.

Kulturamtsleiter Tobias Klein und Matthias Neuburger, als Bereichsleiter für das Festival zuständig, stellten pünktlich zum Beginn des Vorverkaufs das Programm öffentlich vor, viel früher als bei den vorangegangenen Festivals, was neben dem neu konzipierten Layout ebenso als ein Indiz dafür gesehen werden kann, dass aktuell sowohl die Zeichen sowohl auf Umbruch, als auch auf Aufbruch und Neuanfang stehen. Das Programm wird ganz bewusst in komprimierter Form angeboten, was neben den heimischen Jazzfans auch verstärkt solche von auswärts anlocken soll. Kombitickets für ganz bestimmte Konzerte, für ein spezielles Jazz-Weekend in Ingolstadt oder speziell für die Konzerte im Maritim Congress Centrum sollen, so Neuburger, vermehrt „Jazz-Touristen“ nach Ingolstadt locken.

Ganz wichtig ist Klein und Neuburger die Nachwuchsförderung, die sich wie ein roter Faden durch das Programm zieht. „Jazz für Kids“ – „Jazz in den Schulen“ – „Young Jazz Players“ – „Söhne und Töchter Ingolstadts“. Das alles sind jährlich wiederkehrende Aktivitäten mit starkem regionalem Bezug, die noch mehr Gewicht bekommen sollen als in den letzten Jahren. Schließlich rekrutieren sich aus der lokalen Szene ja auch immer wieder Jazzförderpreisträger wie heuer Cathy Cyfka. Beim Grand Opening am 31. Oktober wird ihr der Preis verliehen, am 13. November gibt sie mit ihrer Band in der Neuen Welt ein Preisträgerkonzert. Die einzelnen Veranstaltungen stehen jeweils unter einer eigenen Überschrift. „Jazz in den Kneipen“ (mit 19 Acts in 13 Kneipen), die „Jazzparty“ (heuer statt zweier Abende erstmals auf einen reduziert im Maritim Congress Centrum mit neun Acts auf drei Bühnen), der „Jazzgottesdienst“ und „Jazz in der Kirche“ wurden als bewährte Formate beibehalten, „Jazz meets Kabarett“ (mit Chris Boettcher und seiner Big Band quasi als hausinterne Kooperation mit den Kabaretttagen), das „Jazz:Lab“ oder „Jazz meets Orchester“ (in Zusammenarbeit mit dem Georgischen Kammerorchester) hingegen sind neu.

Dass es heuer erstmals keine Highlight-Konzerte gibt, liegt daran, dass die Kosten in der Konzertbranche geradezu explodiert sind, die Stadt aber gleichzeitig sparen muss. Es mache wenig Sinn, fast den kompletten Etat auszugeben für ein oder zwei internationale Stars, so Neuburger. Da gehe man doch lieber in die Breite. Wenngleich natürlich das Konzert der Jan Garbarek Group mit Trilok Gurtu nichts anderes als ein echtes Highlight ist, auch wenn es unter der Bezeichnung „Grand Concert“ läuft.

Um das Profil der Jazztage als Festival mit eigenem Gesicht zu stärken, enthält das Programm ungleich mehr Jazz als in den vergangenen Jahren. Hier kommt nun Wolfgang Haffner ins Spiel, der die Künstler ausgewählt hat. Wie zu erwarten, tauchen in der Namensliste relativ viele Künstler auf, die beim ACT-Label unter Vertrag stehen, weil Haffner selber auch Teil der ACT-Family ist. Die „Drummer's Night“ trägt selbstredend ebenso seine Handschrift wie die Liste der Musiker für die Jazzparty und für das „Grand Closing“ zum Festival-Abschluss.

Es mag sein, dass im Vergleich zu den letzten Jahren im Programm nicht mehr so viele Namen auftauchen, die einer breiten Öffentlichkeit geläufig sind. Dafür aber gibt es viel zu entdecken, auch an Spielstätten, die man vielleicht erst mal gar nicht so im Blick hatte. Ein paar Beispiele nur: Konzerte von und mit Michael Wollny, Johanna Summer und Jakob Manz (8. November) sind echte Erlebnisse, ebenso wie die Auftritte von Dell Lillinger Westergaard und dem Lars Töpperwien Septett (14. November), bei denen sicherlich auch Leute in Verzückung geraten werden, die meinen, schon alles gehört zu haben. Und wer sich bei Jazz in den Kneipen ganz gezielt das Sandro Roy Unity Trio, die vom Blues her kommende Ina Forsman oder sich bei der Jazz Party Nils Wülker & Arne Jansen, Nils Molvaer oder die Torsten Goods Band herauspickt, liegt sicherlich auch goldrichtig.

Einzel- und Kombi-Tickets für das gesamte Festival, das zwischen dem 31. Oktober und dem 16. November stattfindet, sind erhältlich bei allen bekannten Vorverkaufsstellen oder online unter www.ticket-regional.de/ stadt-ingolstadt-kulturamt.

DK


DAS FESTIVALPROGRAMM:

31. Oktober: Grand Opening: Gala & Verleihung des Jazzförderpreises an Cathy Cyfka mit Olivia Wendt, Andreas Hofmeir, Schutter neun, Wolfgang Haffner, Maritim Congress Centrum, 20 Uhr
2. November: Regionale Szene, Söhne & Töchter Ingolstadts, Halle neun, 20 Uhr; The Young, the old & the club, DJ Amir, Neue Welt, 20 Uhr
3. November: Jazz meets Kabarett, Chris Boettcher & Big Band, Halle neun, 20 Uhr
5. November: Grand Concert, Jan Garbarek Group feat. Trilok Gurtu, Festsaal, 20 Uhr
6. November: Jazz Session, Leitung: Quirin Birzer, Neue Welt, 20 Uhr
7. November: Jazz in den Kneipen: Matti Klein Trio, Moglii, Jazz Elegance, Modesha, Ferge X Fisherman und Nujakasha, Bokoya, The Yellowpack, Sinfonia De Carnaval, CHOK, Urs Invites, Hochzeitskapelle, Ajam Quartett, Ina Forsman, Lisa Wahlandt & Her Fabulous Bossa Nova Band, Komfortrauschen, Aylin’s Soulgarden, Fred Red, Sandro Roy Unity Trio, Julia Hornung & Giangiacomo Rosso European Gypsy Connection, ab 18.30 Uhr
8. November: Jazz in der Kirche: Michael Wollny, Johanna Summer & Jakob Manz, St. Pius, 20 Uhr; Jazz an Schulen, Abschlusskonzert mit Sisters in Jazz, Kulturzentrum neun, 20 Uhr
9. November: Drummers‘ Night, Benny Grab Brass Band & Anika Nilles feat. Nevell, Kulturzentrum neun, 20 Uhr
10. November: Jazzgottesdienst mit Gerhard Schmidt, Tom Diewock & Gästen, St. Matthäus, 11 Uhr; Jazz for Kids, Kap 94, 14 Uhr und 16 Uhr; Jazz meets Orchester mit dem GKO, Andreas Hofmeir und Schutter neun, Festsaal des Theaters, 20 Uhr
12. November: Förderpreis Bayerischer Jazzverband, Olga Dudkova & Band, Diagonal, 20 Uhr
13. November: Ingolstädter Jazzförderpreis: Cathy Cyfka & Band, Neue Welt, 20 Uhr
14. November: Jazz:Lab mit Dell Lillinger Westergaard und dem Töpperwien-Septett, Galerie im Theater, 20 Uhr
15. November: Jazzparty: Jazzrausch Big Band, Shantel, Victoria Tolstoy & Jakob Karlzon, Torsten Goods Band, Stephanie Lottermoser Band, Nils Wülker & Arne Jansen, Bill Evans Vansband Allstars, Nils Petter Molvær, Dirty Loops & der Session-Band, Maritim Congress Centrum, ab 19 Uhr
16. November: Grand Closing mit der Nils Landgren Funk Unit, Wolfgang Haffner Trio feat. Thomas Quasthoff, Maritim Congress Centrum, 20 Uhr

lei