Ingolstädter Kabaretttage
Geht’s noch?

Häisd’n’däisd vomm Mee in der Neuen Welt

10.06.2024 | Stand 10.06.2024, 5:00 Uhr |

Der Charme des Unterfränkischen zeigt auch in Oberbayern Wirkung: Haisdn’n’däisd in der Neuen Welt. Foto: Leitner

Haisdn’n’däisd vomm Mee? Was ist das denn? Ein neuer Virus? Ein bislang unentdeckt gebliebener Volksstamm in der Südsee? Weit gefehlt. Das ist der Name eines musikkabarettistischen Sextetts aus dem unterfränkischen Schweinfurt und bedeutet „Hüben und drüben vom Main“. Aha. Ja, wenn das so ist, dann verwundert es auch nicht, dass die Herren Musikanten vorne auf der Bühne der Neuen Welt ausgiebig von Bocksbeuteln und Schlachtschüsseln träumen und sogar einen Hymnus auf den Franken an sich im Programm haben.

Jede Region hat nun mal ihre Eigenheiten, kulinarisch wie mentalitätsbedingt. Eine davon ist sicherlich dieses Sextett selbst, das anlässlich seines 25-jährigen Bestehens in ihrem Jubiläumsprogramm „Geht’s noch?“ einerseits eine humoristisch angehauchte Gaudikapelle mit viel Gebläse im Sinne der Altneihauser Feuerwehrkapelln ist, andererseits aber auch eine Gruppe, die ziemlich verzwickte Arrangements hinbekommt und dermaßen gut a cappella singt, dass bis hin zu den Comedian Harmonists nicht mehr allzu viel fehlt. Dieses Sextett, das ohne echte „Typen“ auskommt, dessen Sprecher Stefan Ebert jedoch einerseits jede Menge höheren Blödsinn erzählt, aber auch immer wieder tiefschürfende Erkenntnisse zutage fördert wie „Alle, die unter dem gleichen Himmel wohnen, haben noch lange nicht alle den gleichen Horizont“ oder die eigentlich offensichtliche Antwort auf die Frage „Wer sagt die Wahrheit?“ – „Kinder, Besoffene und Leggins.“ Diese Gruppe, deren Texte von der Lust am Leben und am Genießen künden, die aber andererseits Haltung verraten und auch Stellung nehmen zur Parteienlandschaft in „Links oder Rechts“, zur bayerischen Schulpolitik und den Pisa-Umfragen oder zu Lauterbachs neuer Strategie im Gesundheitswesen.

Mag sein, dass die Moderation vor der Pause manchem etwas zu starr vorkommt, etwas zu einstudiert, der erhobene Zeigefinger zwar nicht sicht-, aber doch fühlbar ist. In der zweiten Hälfte ist dieser Eindruck wie weggeblasen, die Band hat ihr Auditorium komplett im Sack und auch der Charme des Unterfränkischen zeigt Wirkung. Man streift mit einer deutlichen Spitze die Uniformiertheit des Veitshöchheimer Faschings, obwohl man doch selber mit Barwasser-Hütli, kariertem Hemd und Cordhose in freizeitlichem Einheitslook daherkommt. Man wildert ungeniert und absolut hinreißend mit „Er waas es net“ in den Gefilden von LaBrassBanda, schmettert Totos „Hold The Line“ umgedichtet als „Hol den Wein!“ in den Saal und beschwört in der zweiten Zugabe „Miteinander und net allee“ das, was der Gruppe auch nach 25 Jahren am wichtigsten ist, die Nähe zum Publikum nämlich.

„Häisdn’n’däisd“ sind kaum im Fernsehen präsent, müssen nicht vor dem Auftritt „in die Maske“, sondern laden die Leute ein, mit ihnen zusammen nachher am Tresen ihr 25-Jähriges zu feiern. „Geht’s noch?“ Freilich geht’s noch!

DK