Experten sagten schon im Vorfeld, dass der diesjährige Eurovision Song Contest (ESC) auch ohne auffällig skurrile Kandidaten ein starker Jahrgang ist. Die ersten beiden Halbfinals bestätigten dies - viele überzeugende Kandidaten und mit Videotechnik aufgemotzte Inszenierungen prägten die Vorrunden.

In den zuletzt so treffsicheren Wettbüros deutet sich ein enges Rennen an - nur die deutsche Starterin Jamie-Lee scheint nicht recht zu ziehen. Russland vor Australien, der Ukraine, Frankreich und Schweden - so stehen einige Wetten derzeit.

Die Quoten liegen eng zusammen, anders als im Vorjahr mit dem Schweden Mans Zelmerlöw und im Jahr davor mit Österreichs Conchita Wurst scheint es keinen klaren Favoriten zu geben. Ein enges Rennen bietet Chancen für Außenseiter - wenn sich die Punkte aus den 42 Teilnehmerländern breit streuen, kann es ein spannender Abend werden.

Besonders der Niederländer Douwe Bob und die Österreicherin Zoë sorgten mit ihren Auftritten in den Halbfinals für Frische, aus Osteuropa ist immer eine Überraschung möglich. Wo Jamie-Lee mit ihrem Lied "Ghost" enden wird, mag niemand so recht vorhersagen. ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber träumte nach dem Null-Punkte-Desaster des Vorjahrs öffentlich von einer Top-Ten-Platzierung. Doch in den Wettbüros gab es am Freitag einen kräftigen Nackenschlag: Jamie-Lee und "Ghost" rutschten kurz vor dem Finale auf den letzten Platz.

Ihr Startplatz im Finale der 26 Teilnehmer ist allerdings ein schwieriger. Sie startet von Platz 10 und damit direkt hinter dem sicher wegen des Heimvorteils besonders umjubelten Schweden Frans. Und direkt hinter Jamie-Lee folgt der Franzose Amir, der ebenfalls zu den Favoriten gezählt wird.

Unklar ist, wie sich das neue Reglement bei der Punktevergabe auswirken wird. Die Moderatoren der einzelnen Länder geben erstmals nur die Punkte der Jury bekannt. Statt zusammen mit der Publikumswertung zwölf Punkte vergeben jetzt Juroren und Publikum jeweils zwölf Punkte für sich. Dass Jury und Publikum unterschiedliche Vorstellungen haben, zeigte sich im Vorjahr: Schweden war Liebling der Jury, Italien der des Publikums.

Für Spannung sorgt auch, ob die Politik Einzug in das weltweit am meisten beachtete Musik-Event hält. Schon im vergangenen Jahr wurde die Starterin Russlands wegen der Annexion der Krim mehrfach vom Publikum ausgepfiffen.

In diesem Jahr ist die Brisanz noch höher, weil die ukrainische Sängerin Jamala in ihrem Lied "1944" die Deportation der Krimtataren unter dem sowjetischen Diktator Josef Stalin besingt. Die Krimtataren hatten wegen dieser Erfahrung auch gegen die Annexion des Jahrs 2014 protestiert - und bekommen seitdem Moskaus Härte zu spüren. Jamala und der Russe Sergey Lazarev zählen zu den Favoriten. Wer am Ende den Geschmack der 42 an der Abstimmung beteiligten Länder trifft, wird am Samstagabend gegen Mitternacht feststehen.

 

Hier die Startreihenfolge:

 
  • 1. Belgien: Laura Tesoro - "What's The Pressure"
  • 2. Tschechische Republik: Gabriela Guncíková - "I Stand"
  • 3. Niederlande: Douwe Bob - "Slow Down"
  • 4. Aserbaidschan: Samra Rahimli - "Miracle"
  • 5. Ungarn: Freddie - "Pioneer"
  • 6. Italien: Francesca Michielin - "No Degree Of Separation"
  • 7. Israel: Hovi Star - "Made Of Stars"
  • 8. Bulgarien: Poli Genova - "If Love Was A Crime"
  • 9. Schweden: Frans - If I Were Sorry"
  • 10. Deutschland: Jamie-Lee - "Ghost"
  • 11. Frankreich: Amir - "J'ai cherché"
  • 12. Polen: Michal Szpak - "Colour Of Your Life"
  • 13. Australien: Dami Im - "Sound Of Silence"
  • 14. Zypern: Minus One - "Alter Ego"
  • 15. Serbien: Sanja Vucic - "Goodbye (Shelter)"
  • 16. Litauen: Donny Montell - "I've Been Waiting For This Night"
  • 17. Kroatien: Nina Kraljic - "Lighthouse"
  • 18. Russland: Sergey Lazarev - "You Are The Only One"
  • 19. Spanien: Barei - "Say Yay!"
  • 20. Lettland: Justs - "Heartbeat"
  • 21. Ukraine: Jamala - "1944"
  • 22. Malta: Ira Losco - "Walk On Water"
  • 23. Georgien: Young Georgian Lolitaz - "Midnight Gold"
  • 24. Österreich: Zoë - "Loin d'ici"
  • 25. Großbritannien: Joe and Jake - "You're Not Alone" 26. Armenien: Iveta Mukuchyan - "Love Wave"

Hintergründe, Fakten und Regeln zum Eurovision Song Contest gibt es hier. Und: auf donaukurier.de gibt es am Samstag zum Finale einen Live-Blog.