Bayerische Theatertage
„Erik*a“: Auf der Suche nach der eigenen Identität mit der Schauburg München

03.06.2024 | Stand 03.06.2024, 17:03 Uhr |

Gleichzeitig online und vor Ort: „Erik*a“ vereint Spielweisen und -orte. Foto: Treml

„Für mich ist die Einladung zu den Bayerischen Theatertagen eine Bestätigung dafür, dass sich Experimente wie bei dieser Produktion auch lohnen. Dass sie gesehen und wahrgenommen werden“, sagt Daniel Pfluger. Er hat gemeinsam mit Lukas März „Erik*a“ an der Schauburg in München inszeniert.

Die Texte zu dieser Multimedia-Revue stammen von Theresa Seraphin.

„Die Schauburg hat uns als Team angefragt, weil sie nach den Online-Formaten, die während der Corona-Pandemie entstanden sind, weiter daran forschen wollte.“ Es sollte explizit eine Produktion werden, die sowohl vor Live-Publikum vor Ort, als auch online funktionieren sollte. Daniel Pfluger und Lukas März und das ganze Produktionsteam suchten also nach einem Weg, wie dazu ein verbindendes Erlebnis entstehen könnte.

Was zeigt man live, was online?

„Das war für uns auch absolutes Neuland. Wir mussten am Anfang sehr viel herumexperimentieren, mit Online-Tools, mit Live-Streams.“ Die Herausforderung sei dabei gewesen, die Schnittstelle zu finden: „Ab wann wird es für wen interessant? Was zeige ich live, was online?“ Von Autorin Theresa Seraphin kam dann noch der Wunsch, sich mit den Geschwistern Erika und Klaus Mann zu beschäftigen und dabei mit der Frage nach geschlechtlicher Identität.

„Die beiden haben schon extrem früh angefangen, mit geschlechtlicher Identität zu spielen. Erika hat sich als Dandy verkleidet, Klaus Mann war als Drag Queen in den Berliner Kreisen unterwegs, so würde man es heute bezeichnen.“ Gerade weil das Thema derzeit auch ein politisches Reizthema sein könne, sei es so wichtig gewesen, das mit einzubeziehen. Den beiden Polen Online und Analog stellt „Erik*a“ also die Pole Binarität und Non-Binarität gegenüber.

Die eigene (Un-)Lesbarkeit

„Man hat das Gefühl, das sind zwei Welten, die nicht zueinanderfinden. Wo ist da das verbindende Element?“ Für junge Menschen auf der Suche nach (geschlechtlicher) Identität seien es auch verschiedene Plattformen, die sie nutzen könnten, erklärt Daniel Pfluger. Einerseits queere Lokale oder Clubs, in denen sich die Jugendlichen ausprobieren könnten, andererseits die Selbstdarstellungsmöglichkeiten, die sich auf die Online-Welt erstrecken: Youtube-Videos, Instagram-Posts. „Bei geschlechtlicher Identität geht es ja um Selbstdarstellung. Wie mache ich mich für andere lesbar oder eben auch unlesbar?“

Für die Verhandlung dieser Themen haben sich Pfluger und sein Produktionsteam für Darstellungsform entschieden, die in der queeren Subkultur schon Tradition hat: die Nummern-Revue. „Innerhalb dieser Revue-Form gibt es immer wieder Szenen zwischen einer Erika und einem Klaus, die ganz frei inspiriert sind von Erika und Klaus Mann. Und die sich eben auf die Suche nach ihrer eigenen Identität begeben, die darin an ihre Grenzen stoßen, Fragen haben, sich auch gegenseitig stützen und halten, dann auch auseinanderbrechen.“

Jede und jeder soll sich zum Thema informieren können

Weil LGBTQIA+-Themen Teil der Gesellschaft sind, müssten sie auf der Bühne verhandelt werden dürfen und können, sagt Pfluger. Gerade für junge Menschen sei dieses Thema so wichtig.

„Da geht es auch um klare Rollenbilderklischees, die immer noch in den Köpfen existieren. Und da kommt dann die Frage, wie können wir diejenigen, die sich irgendwo dazwischen fühlen und sich nicht zuordnen wollen, auch in den Diskurs integrieren.“

Dass der Abend auch komplett online funktioniert, hat ein wichtiges Ziel für Pfluger. „Es gibt eventuell einen Haufen junger Menschen, die sich zu diesem Thema informieren wollen, aber die beispielsweise wegen eines bestimmten kulturellen Hintergrunds oder aufgrund eines konservativen Elternhauses die Vorstellung nicht live besuchen können.“ Die könnten sich „Erik*a“ dann heimlich Zuhause ansehen.
Termin: Dienstag, 4. Juni, 20 Uhr: „Erik*a“ mit anschließendem Publikumsgespräch. Kleines Haus des Stadttheaters Ingolstadt.