Sonntagskrimi

Bombenalarm auf dem Rhein: Der Kölner „Tatort“

Kölner „Tatort“-Kommissare müssen einen Geiselnehmer stoppen

27.03.2022 | Stand 27.03.2022, 14:02 Uhr

Daniel Huberty hat ein Ausflugsschiff gekapert – per Telefon gibt er den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) seine Forderungen durch. Foto: Kost, WDR, Bavaria Fiction

Von Roland Holzapfel

Köln – Mit hoher Schlagzahl bewegen sich die Kölner „Tatort“-Oldies derzeit in ihren zweiten, vielleicht auch schon dritten Frühling. Nur wenige Wochen nach einem sehenswerten Fall Anfang Februar dürfen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) schon wieder ran. Ihr neuer Einsatz „Hubertys Rache“ gehört definitiv zu den besseren der beiden Kommissare.

Der titelgebende Daniel Huberty (gespielt von Stephan Kampwirth) war früher mal Lehrer, hat inzwischen aber auf Bombenbastler und Geiselnehmer umgeschult. Im Maschinenraum einer Rhein-Fähre hat er Sprengstoff platziert und bei dieser Gelegenheit gleich noch einen Mechaniker erschlagen. Das Schiff wird er in die Luft jagen, wenn die Polizei seine Forderungen nicht erfüllt, droht er. Mit einer Pistole hält er die nur anfangs unternehmungslustigen Passagiere in Schach, die Bombenstimmung an Bord hätten sie sich anders vorgestellt.

Die Vorgeschichte: Pädagogisch war Huberty nicht mehr tragbar, nachdem er sich einst einer 14-jährigen Schülerin unsittlich genähert hatte. Dafür wurde er gefeuert und ins Gefängnis gesteckt. Was juristisch Missbrauch einer Minderjährigen und Schutzbefohlenen ist, war aus seiner Sicht natürlich die große Liebe – beiderseits. Für seine ruinierte Existenz macht er andere verantwortlich. Mit denen will er jetzt abrechnen; fünf Personen sollen bitteschön flugs aufs Ausflugsschiff gebracht werden, auf dass er mit ihnen ein kleines Tribunal veranstalten kann. 1. Staatsanwältin Svenja Poulsen („Tatort“-Vielfachgast Christina Große), Anklägerin in Hubertys Prozess. Die ist sogar schon da, denn sie hat ihre Tochter zum Geburtstagsausflug auf dem Rhein eingeladen. Außerdem hätte Huberty gern an Bord: 2. die Mutter seiner damaligen „Liebschaft“, 3. seine Ex-Frau, 4. ihren neuen Mann, 5. einen Immobilienmogul, der ihn nach Bekanntwerden seiner Verfehlungen aus der Wohnung geworfen hat.

Eine harte Nuss für unsere Kriminalisten. Unschuldige Menschen einem Geiselnehmer ausliefern, das kommt ja wohl überhaupt nicht in Frage. Also ist Improvisation gefragt: Handy-Verhandler Schenk hält den Bösewicht ein bisschen hin, Ballauf mogelt sich undercover auf die Fähre. Er spielt den Immobilienhai, den Huberty nicht persönlich kennt. Die beiden sind sich nie begegnet, und von dem öffentlichkeitsscheuen Millionär gibt’s im Internet kein einziges Foto. In der Realität ist sowas heute schier unmöglich, aber dieses kleine Logik-Loch sei dem Drehbuch verziehen. Denn so erleben wir bis zum Finale einen spannenden „Tatort“ mit einem Ballauf im altersgerechten Action-Modus. Er mischt die Szenerie an Bord auf und hält den narzisstischen Geiselnehmer mit einigen Psycho-Spielchen auf Trab. Schließlich steht Huberty kurz vorm Explodieren. Von der Bombe ganz zu schweigen.

DK

Sonntag, 27. März, 20.15 Uhr, ARD.