Begehbares Hörspiel

„T.Raum.Phase#02“ als immersives, audiovisuelles Theater- und Konzerterlebnis im „Labor“ im Zeughaus

11.07.2022 | Stand 11.07.2022, 18:24 Uhr

„Etwas wie ein Blitz ohne Anfang und Ende beschrieb mit seinen Blutbahnen und Nervensträngen einen weißglühenden Stromkreis.“ Benjamin Dami spielt Heiner Müllers Text „Herakles 2 oder die Hydra“ im Rahmen der „T.Raum.Phase#02“. Foto: Woelke

Von Anja Witzke

Ingolstadt – Sehen, was man hört: Als audiovisuelles Konzert- und Bilderlebnis ging die „T.Raum.Phase“ 2019 erstmals in der Harderbastei über die Bühne. 800 bis 900 Zuschauer und Zuhörer waren in den Traumweltmix aus digitaler und analoger Kunst eingetaucht, bei dem die live gespielte Musik der Claudius-Konrad-Band in grafische Bilder übertragen und auf Panels an der Decke projiziert wurden. Das Publikum lag – wie in einer Art Schlafkonzert – darunter und staunte.

Nach dem erfolgreichen Experiment sollte „T.Raum.Phase“ 2021 wiederholt werden, aber Corona machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Jetzt gibt es eine Neuauflage: „T.Raum.Phase #02"“ findet im Rahmen von Markus Jordans retrofuturistischer Ausstellung „Das Labor“ im Zeughaus des Neuen Schlosses statt. Termine sind am 15., 16., 22. und 23. Juli jeweils von 20.30 bis 21.30 Uhr.

Auch wenn die Idee, eine Plattform für interdisziplinäre Kunstformen zu schaffen, gleichbleibt, so wird sich „T.Raum.Phase #02“ doch vom Vorgänger unterscheiden, erklärt der Singer und Songwriter Claudius Konrad, der seine Band dafür um Benedikt Streicher (Jazzförderpreisträger von 2017) und Basslegende Tom Sendtner erweitert hat. Als Videokünstler ist diesmal Esteban Nunez dabei. Und Schauspieler Benjamin Dami (Junges Theater Ingolstadt) wird einen Text von Heiner Müller interpretieren. In „Herakles 2 oder Die Hydra“ beschreibt Müller den Gang eines Kriegers durch den Wald auf dem Weg in die Schlacht. „Aber dieser Wald ist anders als jeder Wald, den er bis dahin kannte“, beschreibt Benjamin Dami seine Figur. „Je weiter er vordringt, umso eigenartiger wird es. Der Wald nimmt Maß. Das verwirrt ihn. Der Wald zieht sich mehr und mehr zusammen. Und der Mann stellt fest, dass er selbst der Wald ist. Dass er im Kampf mit sich selbst steht.“ Herakles, Sohn des göttlichen Zeus und der irdischen Alkmene, gilt als der berühmteste Heros der griechischen Sagenwelt. Für Benjamin Dami geht es im Text von Heiner Müller „um Unzufriedenheit“ und „Selbstoptimierung“. Ein Thema, das auch zum Frankenstein-Mythos passt, den Markus Jordan in seinem „Labor“ aufgreift.

Vor allem dieses „Labor“ hat es dem Schauspieler angetan: „Ich muss quasi gar nichts spielen, weil der Raum so stark ist. Wenn man ihn durch das Betreten zum Leben erweckt, ist das für mich wie Magie.“

Eine Stunde dauert die Veranstaltung, die in Zehn-Minuten-Phasen unterteilt ist. So erklärt sich auch der Titel: Raum und Phasen, sagt Claudius Konrad. „Es gibt abgesteckte Bereiche – aber Raum für die Entfaltung der Kunst.“ Das Publikum kann sich entscheiden, ob es mit dem Schauspieler durch den Raum wandert, sich in der Nähe der Band aufhält oder bei einzelnen Exponaten der Ausstellung verweilt. Egal, wie es sich entscheidet: Benjamin Dami ist mit einem Microport ausgestattet. Seine Stimme und die Musik führen das Publikum durch die Geschichte. So soll eine Art „begehbares Hörspiel“ geschaffen werden.

DK


„T.Raum.Phase #02“ am 15., 16., 22. und 23. Juli, jeweils um 20.30 Uhr im Zeughaus des Neuen Schlosses. Eintritt frei, begrenzte Kapazitäten. Infos unter www.traumphase.com.