Publikumspreis für „Bromance“
Bayerische Theatertage enden mit der Verleihung der „Marieluise“

Stipendiaten stellen sich vor

16.06.2024 | Stand 16.06.2024, 17:00 Uhr |

Mit der „Marieluise“ wurde das Team vom Theater Schloss Maßbach für „Bromance“ ausgezeichnet: Regisseurin Katja Ladynskaya, Jonas Stüdemann und Sam Gerst (von links) bei der Preisverleihung. Fotos: Nassal

Nach 19 Festivaltagen sind am Sonntag die 39. Bayerischen Theatertage in Ingolstadt zu Ende gegangen. „It’s raining Preise!“, hieß es am Vormittag. Dann wurde im Foyer des Stadttheaters erstmals die „Marieluise“ vergeben, ein Publikumspreis, den eine 22-köpfige Jury aus theaterbegeisterten Ingolstädter und Ingolstädterinnen dem „Besten der Besten“ unter den 26 eingeladenen Produktionen der bayerischen Theater zugesprochen hatte. In einer langen Nachtsitzung hatte man sich für „Bromance“ entschieden, eine Inszenierung von Katja Ladynskaya für das unterfränkische Theater Schloss Maßbach.

Das Stück erzählt eine schwule Liebesgeschichte für Publikum ab zwölf Jahren. Die Jury lobte den „perfekten Theaterzauber“ und die „große Spiellust“. „Ein kleines Theater, das großes Theater bietet, das jeder sehen sollte“, erklärte Jury-Sprecher Gerd Gruchalski. Insgesamt drei Anwärter hatte es auf den Preis gegeben, war aus Jury-Kreisen zu vernehmen. Am Ende hatte „Bromance“ das Rennen gemacht. Neben der „Marieluise“ (die Skulptur wurde von dem Künstler Marko Sepl geschaffen) gibt es auch 3000 Euro Preisgeld – über dessen Verteilung noch diskutiert wird.

Erstmal überwog gestern die Freude bei Regisseurin Katja Ladynskaya und den beiden Schauspielern Jonas Stüdemann und Sam Gerst, die sich um 8 Uhr früh auf den knapp dreistündigen Weg nach Ingolstadt gemacht hatten, nachdem sie kurz vor Mitternacht von der Auszeichnung erfahren hatten. „Ich war völlig aus dem Häuschen“, berichtete Stüdemann. „Ein tolles Gefühl“, fügte Gerst an. „Es war für uns alle ein großes Herzensprojekt. Zumal wir ja auch Schwierigkeiten mit dem Stück hatten, es Ablehnung und Hasskommentare gab. Umso schöner, dass die Produktion jetzt noch mal so gewürdigt wird.“ Regisseurin Ladynskaya bedankte sich bei der Jury, den Theatertagen („für die Möglichkeit hier zu spielen“) und bei ihrem Team, das mit so viel Herzblut dabei war. Aber: „Ich werde nach diesem Projekt aufhören mit Theater, weil ich mit den Strukturen nicht zurecht komme. Das Theater Schloss Maßbach ist eine Oase. Wäre die gesamte Theaterlandschaft so, würde ich sicher weitermachen.“

Intendant Knut Weber zeigte sich mit den Theatertagen höchst zufrieden: Unfassbar erfolgreich seien sie gewesen, viele Vorstellungen seien ausverkauft gewesen, das Zelt aus allen Nähten geplatzt und neue Formate wie die Kooperation mit der Universität der Künste Berlin und der Theaterakademie August Everding zum Thema „Volksstück“ oder die Downtown-Projekte seien gut angenommen worden. „Es hat uns alle sehr bereichert“, erklärte er. Räumte aber auch ein: „Wir hatte alle zuvor ein bisschen Bammel vor den Theatertagen, weil sie am Ende der Spielzeit und in einer Übergangsphase kamen“, aber alles habe gut funktioniert. Und dafür sprach er auch einen großen Dank an sein Haus und alle Mitarbeiter aus.

Als Rahmenprogramm hatte man sich ebenfalls eine Neuerung einfallen lassen. Erstmals vergab der Landesverband Bayern im Deutschen Bühnenverein die Stipendien an Studierende der Darstellenden Künste öffentlich. Seit über 55 Jahren unterstützen die Mitglieder des Landesverbands Bayern junge Künstlerinnen und Künstler, die an bayerischen Ausbildungsinstituten in öffentlicher Trägerschaft studieren, auf dem Weg zu ihrer Bühnenkarriere. „Bislang war das eher ein trockener Verwaltungsakt: Prüfung, Protokoll, dann gab es eine Überweisung“, sagte Mike Wittich, Geschäftsführer des Landesverbands Bayern im Deutschen Bühnenverein. Heuer gaben die Preisträger im Rahmen der Theatertage Kostproben ihres Könnens. Den fulminanten Auftakt machte Geonho Lee aus Südkorea mit der Arie „Cruda funesta smania“ aus der Oper „Lucia di Lammermoor“ von Gaetano Donizetti. Sina Leinweber, Studierende der Otto-Falckenberg-Schule, präsentierte einen Auszug aus „Hurenkinder Schusterjungen“ von Sasha Marianna Salzmann, ein eindringliches Stück über Rebellion und Resignation. David Weinert studiert im dritten Semester im Studiengang Musical an der Theaterakademie August Everding in München und überzeugte das Publikum mit dem Song „Mut zur Tat“ aus dem Musical „Rudolf – Affäre Mayerling“ von Frank Wildhorn. Ebenfalls von der Theaterakademie kommt Sonja Reisenbichler, die den Song „It couldn’t please me more“ aus dem Musical „Cabaret“ von John Kander präsentierte, der dem Publikum noch aus der jüngsten Ingolstädter Produktion im Ohr war. Und Olga Surikova von der Münchner Hochschule für Musik und Theater sang zum Abschluss die Arie der Despina aus „Cosi fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart.

Begleitet wurden die vielversprechenden Sängerinnen und Sänger von Manfred Manhart am Flügel. Der Dirigent, Komponist, Pianist und Arrangeur ist seit 1996 Dozent an der Theaterakademie (für Musical). Zuvor hatte er aber auch schon in Ingolstadt gearbeitet („Sekretärinnen“ oder „Shakespeare Love Songs“).

Für alle Stipendiaten gab es Urkunden und Rosen von Tim Kramer (der die Vorsitzende der Stipendienkommission vertrat). Einen weiteren Preis gab es auch für die 16-jährige Französin Blandine Bonnin, die an der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater in München studiert, allerdings wegen eines Workshops in Frankreich am Sonntag nicht nach Ingolstadt kommen konnte.

DK