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Walter Kiesbauers Familienkonzert "Der kleine Pinguin" erlebt im Festsaal in Ingolstadt eine triumphale Uraufführung

Vom Mut, anders zu sein

Ingolstadt
erstellt am 16.04.2018 um 21:14 Uhr
aktualisiert am 16.04.2018 um 21:15 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Nicht jeder kommt mit den Eigenschaften auf die Welt, die ihn in das gängige Raster der gesellschaftlichen Normen passen lassen. So ergeht es auch dem Protagonisten dieser als "musikalisches Roadmovie" angelegten Geschichte - weil er weder richtig schwimmen noch tauchen kann.
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Das große Finale des kleinen Pinguin: Das Ensemble präsentiert sich auf der Bühne des Festaals passend angezogen: schwarz-weiß gekleidet mit orangenen Schals oder Tüchern.
Das große Finale des kleinen Pinguin: Das Ensemble präsentiert sich auf der Bühne des Festaals passend angezogen: schwarz-weiß gekleidet mit orangenen Schals oder Tüchern.
Foto: Woelke
Ingolstadt
Von seinen Artgenossen verspottet zu sich orchestral bedrohlich verdichtenden Klängen, watschelt und windet sich der kleine Pinguin verzweifelt hin und her, hält sich erschrocken die Ohren zu. Und beschließt in seiner Not nach Timbuktu auszuwandern, um sich auf die Suche nach Gleichgesinnten zu machen. Schwimmflügel oder Schnorchel braucht er dafür logischerweise nicht.

Ort des Geschehens: der Festsaal in Ingolstadt, wo dann auch plötzlich die Musik hoffnungsvoller wird: "Die Welt ist farbenfroh und bunt!", singt fröhlich die Chorklasse 6 des Reuchlin-Gymnasiums. Eigens für sie hat Komponist Walter Kiesbauer dieses Projekt auf Wunsch von Musikpädagogin Eva-Maria Atzerodt erfunden, vertont und auch getextet. So darf der Kinderchor nun den schwarz-weißen Seevogel in Gestalt des Schauspielerartisten Lukas Aue durch die Wüste begleiten, wo er vor sengender Hitze wankend umfällt. Darf eine zischende Schlange lautmalerisch verstärken, die er - wie alle übrigen Tiergestalten samt der Erzählerfigur - verkörpert. Ein wahrer Rollenspagat, den der exzellente Bewegungskünstler mit Bravour, Leidenschaft, dramaturgischer Hingabe und großer Körperdynamik meistert. Bemerkenswert leicht gelingen ihm die Charakter- und Kostümwechsel, teils auf offener Bühne, bei denen ihm eine Kleiderpuppe als Garderobiere dient, auf der auch der Pinguin-Frack drapiert wird.

Solche originellen Regieeinfälle der Ansbacher Theaterexpertin Daniela Aue wie auch die faszinierenden choreografischen Details sind es nicht zuletzt, die die konzertante Familienaufführung zu einem bezaubernden Erlebnis machen - stets bleibt aber der thematische Kerngedanke, die Suche nach Identität, Freiheit und Glück, unaufdringlich präsent und verständlich.

Nach "Hier kommt Franz!" und "Suche Freund!" präsentiert der musikalische Leiter Walter Kiesbauer sein drittes szenisches Familienkonzert, das in Form einer Fabel die fast alltäglich gewordene, aus der Schule, den Social Media oder dem Berufsleben bekannte Problematik des Mobbings aufgreift. Musikalisch verknüpft er hier am Pult seines Symphonischen Projektorchesters erneut orchestrale Opulenz mit zarter, melancholischer Filigranheit und Verletzlichkeit, bedient sich einer breitgefächerten stilistischen Gefühlspalette, ohne jedoch den einprägsamen Grundduktus zu verlieren. In seiner kompositorischen Konzeption drückt Kiesbauer, wie er selbst sagt, psychische "Aggregatzustände" aus, sprich; das innere Seelenleben der jeweils handelnden Figur.

Höhepunkte sind neben den Stücken, die den Musikern beachtlich ausdrucksstark gelingen, die liebevollen und abwechslungsreichen Chorszenen, in denen die 37 Sechstklässler gekonnt oszillierend mal die gesamte Pinguin-Sippe repräsentieren, mal die Gedankenwelt des kleinen Pinguins reflektieren, mal kommentierende Funktion übernehmen, mal Sprachrohr des Orakels sind.

Die Bühne ist dezent zurückhaltend ausgestattet: Zauberhafte Lichtprojektionen (eine Gemeinschaftsarbeit der Klasse 6a des Reuchlin unter ihrer Kunsterzieherin Theresa Hajduk) wechseln während der musikalisch-metaphorischen Reise, an deren Ende der kleine Pinguin heimkehrt und die versammelte Pinguin-Kolonie bei der Pinguin-Magic-Show endlich jubelnd seine Einzigartigkeit anerkennt. Ihre nachdrücklichen Schlussworte über ihn können ebenso für Spiritus Rector Walter Kiesbauer selbst gelten, für jeden Mitwirkenden und den ganzen hinreißenden Konzertnachmittag: "Er ist kein Zauderer - ein Zauberer! Genau!"

Weitere Vorstellung am 10. Mai um 16 Uhr in der Halle neun. Karten bei allen DK-Geschäftsstellen.
Heike Haberl
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