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"Angst in meinem Kopf": TV-Drama mit Claudia Michelsen

Verlorene Seelen

Hannover
erstellt am 09.10.2018 um 19:16 Uhr
aktualisiert am 09.10.2018 um 19:20 Uhr | x gelesen
Hannover (DK) "Mich hat vor allem interessiert, dass wir es auf den ersten Blick mit einer Frau zu tun haben, die eigentlich in einer besseren Position ist als die Gefangenen", sagt Claudia Michelsen über ihre Rolle als JVA-Beamtin in einem Männerknast.
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Machtdemonstration im Männergefängnis: JVA-Vollzugsbeamtin Sonja Brunner (Claudia Michelsen) ist der Kaltblütigkeit Michael Zeuners (Ralph Herforth) nicht gewachsen.
Machtdemonstration im Männergefängnis: JVA-Vollzugsbeamtin Sonja Brunner (Claudia Michelsen) ist der Kaltblütigkeit Michael Zeuners (Ralph Herforth) nicht gewachsen.
Pauly/NDR/dpa
Hannover
Und weiter: "Aber was macht der Kopf mit einem, was macht ein Trauma mit einem? Wie viel Raum gibt es, so etwas wirklich ernst zu nehmen? Ganz plötzlich dreht sich alles. Sie selbst ist gefangen in ihrer Situation. "

Erst kürzlich lief in Arte das Gefängnisdrama "Sieben Stunden". Auch da ging es um eine JVA-Beamtin, die von einem Häftling in Geiselhaft genommen wird und danach versucht, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. In dem ARD-Film "Angst in meinem Kopf" ist die Protagonistin nicht nur psychisch an der Grenze, sondern sie gerät handfest und sichtbar in ein Netz von Abhängigkeit und Korruption.

Sonja Brunner ist JVA-Beamtin. Ihr Mann müht sich als Schriftsteller eher erfolglos, die Stieftochter macht ihr das Leben schwer, finanziell hält man sich so über Wasser. Und jetzt muss sie auch noch den Arbeitsplatz wechseln. Denn nach einem Zwischenfall mit dem Gefangenen Zeuner, der sie bei einem Fluchtversuch als Geisel genommen hatte, wechselt sie in eine andere JVA. Dort kommt sie erst gut zurecht, doch Insasse Thiel nutzt ihre Hilfsbereitschaft und Naivität aus und lässt sie für Geld kleine Dienste verrichten. Eines Tages wird Zeuner überra-schend an Sonjas neue Arbeits-stätte verlegt. Bald schon begin-nen Thiel und Zeuner, sie zu er-pressen. Hilfe findet sie bei dem Frauenmörder Robert Sturm.

Eher reduziert, aber dennoch prägnant hat Thomas Stiller ("Grimme-Preis für "Unter dem Eis", "Sie hat es verdient") das Drama inszeniert, das fesselnd und beklemmend zugleich ist. Über seine Intention sagt der Autor und Regisseur: "Ich habe zwei Dauerthemen, die mich interessieren, das sind Gewalt und Gesellschaft im Mikrokosmos, die Familie, das Gefängnis. Daran kann ich zeigen und verstehen, wie Gesellschaft funktioniert, wie Menschen miteinander umgehen. Und ich fand es spannend zu gucken, wie Sonja Brunner nach diesem absolut gewalttätigen Erlebnis ver-sucht, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Das sind Sachen, die sind für den normalen Menschen unfassbar. Aber dann passieren sie doch. Es kann uns allen passieren. Da muss man sich nicht zu sicher fühlen. "

"Angst in meinem Kopf" ist vor allem ein starker Schauspielerfilm: Claudia Michelsen überzeugt als erst naive, dann verzweifelte Justizbeamtin auf dem Weg in den Abgrund. Ralph Herforth gibt den durch und durch bösen und brutalen Gewalttäter Zeuner. Und Charly Hübner spielt eindringlich und zurückgenommen die ambivalente Figur des Robert Sturm.

"Angst in meinem Kopf" läuft heute um 20.15 Uhr in der ARD.
Volker Bergmeister
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