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Der Bonner Kabarettist Volker Weininger gewinnt den Hallertauer Kleinkunstpreis

Von Humboldt bis Humbug

Unterpindhart
erstellt am 15.04.2016 um 19:32 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:46 Uhr | x gelesen
Unterpindhart (DK) Der Sieger des 21. Hallertauer Kleinkunstpreises heißt Volker Weininger. Mit Auszügen aus seinem neuen Programm "Bildung. Macht. Schule" begeisterte der Kabarettist aus Bonn am Donnerstag in Unterpindhart Jury und Publikum gleichermaßen.
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Unterpindhart: Von Humboldt bis Humbug
Überragender Sieger des Abends: Volker Weininger überzeugte mit rheinischem Charme. - Foto: Zurek
Unterpindhart

In der gesamten Geschichte des Wettbewerbs "hat es eine solche Einigkeit in der Bewertung noch nicht gegeben", verrät Karl Rockermeier, Wirt des gleichnamigen Landgasthofs im kleinen Geisenfelder Ortsteil Unterpindhart und Mitorganisator der Veranstaltung. Eine wirkliche "Gefahr" für Volker Weininger hätte an diesem Abend nur einer werden können: Wolfgang Krebs. Doch der trat als umjubelter Moderator in Gestalt Edmund Stoibers außer Konkurrenz an.

Kaum auf der Bühne hat Weininger seine Zuhörer schon für sich gewonnen. Der rheinische Charme tut auch in Bayern seine Wirkung. Kleinkariertes Hemd und Cordhose gaukeln Hausbackenheit vor, sind aber schnell als Tarnung für einen guten Beobachter entlarvt. Weininger verpackt Realsatire "zwischen Humboldt und Humbug" in herrlich skurrile Szenarien mit punktgenauen Pointen. Wenn er Originalantworten von Schülern auf Prüfungsfragen zitiert (die etwa "Sophie und Mehmet Scholl" zum Widerstand gegen die Nazis zählen und in Leibniz den "Entdecker" gleichnamigen Kekses sehen), bleibt es nicht beim platten Schenkelklopfer. Er entwickelt die Gedanken weiter, führt sie konsequent ad absurdum, bis man Tränen lacht. Brandaktuell und böse nimmt er aber auch die "Dummheit der Erwachsenen" ins Visier - von Erdogan über Terroristen bis zu jenen "besorgten Bürgern", die fürchten, Flüchtlinge könnten ihnen "die Kultur stehlen". Wo man doch bekanntlich einem nackten Mann nichts aus der Tasche ziehen kann . . .

Gegen drei Mitstreiter setzte der bereits 2012 für sein zweites Programm "Euer Senf in meinem Leben" mit etlichen Preisen wie dem Reinheimer Satirelöwen ausgezeichnete Kabarettist sich durch. Dicht hinter ihm landeten die vier Burschen von Gankino Circus aus Dietenhofen dank eines fulminanten Parforceritts durch die Welt der Volksmusik. Eher ruhigere Töne schlug die Drittplatzierte Roswitha Spielberger aus Aßling als urbayrische "Stianghausratschn" bei ihrem humorigen Blick auf "Szenen einer Ehe" mit Gitarre, Gesang und Handpuppen an.

Lisa Catena, Komikerin aus Bern, nahm hingegen die politische Großwetterlage aus der Sicht einer Schweizerin ins Visier. Durchaus mit Tiefgang, aber offenbar nicht mit genügend Verve um sich weiter vorne zu platzieren.

Neben der Siegertrophäe - ein Gleisstück der historischen Bockerlbahn - darf sich Weiniger nun über ein von der Hallertauer Volksbank gestiftetes Preisgeld in Höhe von 1500 Euro freuen. Der Abend habe ihm "total Spaß gemacht", bekennt der 45-Jährige, der zunächst Englisch und Deutsch fürs Lehramt studierte. Erst 2009 startete als "Spätberufener" mit seinem Soloprogramm "Bestatten: Weininger!" die humoristische Karriere, in deren Verlauf er sich auch als Autor und gefragter Redner im Kölner Karneval einen Namen gemacht hat.

Dass die Zuhörer in Unterpindhart gleich zu Beginn seine Spontaneität mit Zwischenrufen ("Kannst du auch Bayrisch") auf die Probe gestellt hatten, sei für ihn "ein schöner Einstieg" gewesen, verrät der Preisträger. Allerdings habe er sich bei aller Freude am Improvisieren nicht zu lange darauf einlassen können, saß ihm doch "der Zeitdruck im Nacken". Sich in 20 Minuten zu präsentieren zu müssen, sei nämlich durchaus "spannend".

Vereinzelte Auftritte im Freistaat hatte Weininger bereits. Nun hofft er, infolge der aktuellen Auszeichnung würden ihm "in Bayern vielleicht ein paar Türen geöffnet". Jene des Pindharter Brettl sind es schon. Denn wie jeder Sieger des Kleinkunstpreises darf er in der nächsten Saison einen kompletten Abend füllen.

Von Magdalena Zurek
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