Freitag, 16. November 2018
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Ferenc Snétberger und das Golden Striker Trio in Neuburg

Die Magie der leisen Töne

Neuburg
erstellt am 17.11.2017 um 19:24 Uhr
aktualisiert am 17.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Es gibt sie tatsächlich, die Magie der leisen Töne. Wer's nicht glaubte, der konnte sich bei diesem Doppelkonzert anlässlich des Birdland Radio Jazz Festivals im Theater Neuburg selbst davon überzeugen. Um sie zu erzeugen, bedarf es freilich des richtigen Zugriffs, des richtigen Umgangs mit dem ausgewählten Material, des richtigen Ambientes und nicht zuletzt eines Publikums, das sich einlässt auf fein gesponnene melodische Netzwerke, auf Eleganz und Ästhetik, die einhergeht mit absoluter Präzision und höchster Spielkultur.
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Neuburg: Die Magie der leisen Töne
Legende am Kontrabass: Ron Carter trat mit dem Golden Striker Trio in Neuburg auf. - Foto: Leitner
Neuburg

Da ist zunächst FerencSnétberger, einer der wenigen Gitarristen, dessen Instrument mit Nylonsaiten bespannt ist. Er verbindet europäischen Jazz mit Elementen der Klassik, spanischer und lateinamerikanischer Musik sowie Gypsy Swing. Wäre er Literat, würde man seine Werke vermutlich am ehesten der Rubrik "Lyrik" zuordnen. Snétberger geht behutsam vor, lotet aus, verziert seine Melodien geschmackvoll, originell und reichhaltig, erhöht zwischendurch aber auch gelegentlich Tempo und Schlagzahl. Obwohl sein Auftritt zeitlich begrenzt ist, wird doch seine enorme Vielfalt sichtbar. Zudem gestaltet er den Setablauf recht dynamisch, so dass die Angelegenheit durchwegs ungemein spannend bleibt. Nicht nur für Freunde akustischer Gitarrenjazz ist Snétberger sicherlich ein echter Leckerbissen.

Das ist auch das Golden Striker Trio. Nicht nur wegen der beiden hervorragenden Solisten Russell Malone an der Gitarre und Donald Vega am Flügel, die beim Neuburg-Konzert zu ganz großer Form auflaufen, sondern natürlich und vor allem wegen Ron Carter, der Legende am Kontrabass. Deutlich über 2000 Tonträger hat er mittlerweile Achtzigjährige im Laufe seiner Karriere eingespielt, mit allen, die im Jazz Rang und Namen haben. Er ist die graue Eminenz, der Elder Statesman des Kontrabass schlechthin. Carter legt Wert auf Reinheit im Ton, auf absolute Perfektion, auf Wohlklang. Er ist Feingeist, Ästhet und wahrer Könner gleichermaßen. Ob er mit "Opus 5" seinem Weggefährten Cedar Walton, mit "Candle Light" seinem Kumpel Jim Hall oder mit einer wunderschönen Bearbeitung von "A Funny Valentine" seinem ehemaligen Boss Miles Davis huldigt - alles bei ihm und seiner Band hat Stil, verrät Haltung und Charakter, seine unaufgeregte Virtuosität veredelt jede Komposition. Ein Höchstmaß an Konzentration trifft bei ihm und seiner Band auf scheinbare Leichtigkeit, Understatement und Nonchalance.

Und wenn er dann zum Ende hin seine Eigenkomposition "A Nice Song" ganz lapidar mit "Ich denke, das nächste Stück ist auch ganz hübsch" ankündigt, dann ist das die Untertreibung schlechthin. Ganz hübsch? - Diese Nummer ist ebenso atemberaubend wie all die anderen des Golden Striker Trios.

Von Karl Leitner
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