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Die Forderung nach Menschlichkeit und Toleranz

erstellt am 15.06.2003 um 17:30 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 11:35 Uhr | x gelesen
Jagsthausen (DK) Toleranz ist das Thema der 54. Spielzeit der Burgfestspiele Jagsthausen. Mit Gotthold Ephraim Lessings dramatischen Gedicht "Nathan der Weise", diesem Hohelied der Toleranz, wurden die diesjährigen Festspiele im Hof der Götzenburg eröffnet. Für Lessing wurde dabei die Bühne zur Kanzel und er predigte die "alle Schranken und finsteren Vorurteile überwindende religiöse und menschliche Toleranz", die gerade auch in unserer Zeit in besonderem Maß vonnöten ist.
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Drei Symbole dreier Weltreligionen auf Schrifttafeln, links in arabisch eine Seite aus dem Koran, rechts in hebräisch ein Talmud-Auszug und in der Mitte in lateinisch der Vulgata-Anfang, das sind beherrschende, auf der Inhalt des Stücks deutende Elemente des gelungenen Bühnenbilds von Barbara Block, die auf der so genannten Götz-Seite Nathans Haus mit Tüchern in Zeltform und auf der Bamberg-Seite des Sultans Palast mit einem blau-goldenen Bogen andeutet. In diesem Rahmen inszeniert Intendant Jan Aust ein, durch die passend-historisierenden Kostüme von Sabine Meinhardt unterstrichenes, klassisches Schauspiel, das nicht nur durch den Text, sondern auch durch die im besten Sinn modernde Spielweise der meisten Darsteller aktuelle Bezüge hat.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Nathan, den Günter Mack verkörpert. Er ist kein exzeptioneller weiser, überlegener Nathan, sondern eher ein Durchschnittsmensch, einerseits freundlich, andererseits auch etwas unschlüssig, mit gesundem Menschenverstand begabt, nachdenklich: "So gut als klug, so klug als weise." Als jugendlicher Held und Liebhaber mit sympathischer Ausstrahlung, allenfalls in den Bewegungen · und da auch bewusst ·, keinesfalls im Denken und Fühlen ein "plumper Schwab" oder "deutscher Bär" überzeugt Thomas Schreyer als Tempelherr auf der ganzen Linie. Mädchenhaft, im Grund unbeschwert und ein wenig naiv skizziert Natascha Clasing die Recha. Die Überraschung des Abends ist Jagsthausens Musical-Star Cornelia Drese als Daja, kein Ammen-Typ, vielmehr eine attraktive Hausdame, der man ihre Stellung bei Nathan und ihren Einfluss auf Recha glaubt. Aufbrausend und zuweilen unbeherrscht, ist Harro Korn als Sultan mehr asiatischer Krieger als orientalischer Herr. Stets beherrscht, fast bis zur Langeweile, gibt Ulrike Luderer die in erster Linie schön sprechende, in der Darstellung eher blasse Sittah. Dieter Schnabel Bis 24. August dauern die Burgfestspiele, die neben dem "Nathan" auch Goethes "Götz", Kiplings "Dschungelbuch" und das Musical "La Cage aux Folles" im Programm haben. Karten gibt es unter Telefon (0 79 43) 91 23 45.

Donaukurier
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