Donnerstag, 17. Januar 2019
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Bitterböse Heimatlieder: Hans Well und seine Wellbappn begeistern bei den Ingolstädter Kabaretttagen

Mut zur Meinung

Ingolstadt
erstellt am 13.01.2019 um 19:04 Uhr
aktualisiert am 13.01.2019 um 19:10 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) "Habt's es Ihr?
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Scharfsinniger Kommentar zur Gegenwart: Hans Well (2. von rechts) und seine Wellbappn Jonas, Tabea und Sarah.
Scharfsinniger Kommentar zur Gegenwart: Hans Well (2. von rechts) und seine Wellbappn Jonas, Tabea und Sarah.
Schaffer
Ingolstadt
" Mit dieser Frage begrüßt Hans Well am Freitagabend das erwartungsfrohe Publikum in der gut gefüllten Eventhalle. Zu den 35. Ingolstädter Kabaretttagen hat er seinen Nachwuchs, die "Wellbappn", mitgebracht. Jonas, Tabea und Sarah unterstützen ihren Vater musikalisch, gesanglich und textlich. Doch die härtesten und kritischsten Liedzeilen kommen immer noch aus der Feder von Hans Well, der schon bei den Biermösl Blosn 35 Jahre lang als Autor agiert hat. So gibt es direkt einen deftigen Einstieg mit hochaktuellen lokalen Themen wie skrupellosen Politikern, mafiösen Strukturen, aussterbender Innenstadt, kultureller Wandlung, Bausünden und zu guter Letzt betrügerischem Konzernverhalten - die Rede ist hier nicht von Palermo!

Hans Well nimmt nicht im Entferntesten ein Blatt vor den Mund und schreibt knallharte Gstanzl über Politik und Lobbyismus - Horst Seehofer, Markus Söder und Rupert Stadler sind derzeit die wohl meistgenannten Opfer seiner scharfen Zunge. Das ist ja gerade das Gute am Kabarett: Auf der Bühne wird Stellung bezogen - und Hans Well ist ganz bestimmt keiner, der sich nicht in die Themen, die er besingt, einarbeitet. Die Wellbappn glänzen vor allem mit einem Instrumentenkarussell, dem munteren Wechsel von Kontrabass, Scherr-Zither, Gitarre, Steirischer, Mandoline, Tuba und vielem mehr. Tabea Well brilliert in einem Geigen-Instrumental, und Jonas Well glänzt mit einem virtuosen Trompetenstück und kommt damit ganz nach seinem Onkel Christoph "Stofferl" Well. Besonders unter die Haut gehen die A-cappella-Nummern, doch Hans Well und die Wellbappn spielen sich auch bei eingängigen Liedern über den Klimawandel ("Die Zukunft von Hamburg liegt in der Nordsee"), über die Heimat ("Olching, du Paradies am Amperstrand") oder mit ihrem Blick auf Kindergärten in heutigen Zeiten ("Weg mit Teddy, Puppe, Bagger - her mit Smartphones für die Racker") in die Herzen der Zuhörer.

Allerdings steigert sich das Programm nach der Pause deutlich, vom Zwiefachen mit dem schönen Wortspiel: "Liaba an Hund in Hausham als wia a Haus in Hundham ham! " über das bissige Klagelied zur Lage in der Autoindustrie bis hin zur Nummer "Freundschaftsspiel" vom aktuellen Album "Schneller" über kampfbereite Mütter der F-Jugend vom Fußballverein Hausen. Nett ist auch "Brautwahl.de" mit verschiedenen Partnervorschlägen der beiden Männer an die beiden Frauen auf der Bühne - die Wahl fällt selbstverständlich auf einen Musikanten.

So bleibt abzuwarten, wie die Jugend des Well-Clans sich weiterentwickelt und ob die Wellbappn eines Tages - falls sie das überhaupt wollen - aus dem Schatten des Vaters und der Onkel und Tanten heraustreten werden. Wünschenswert ist tatsächlich ein scharfer Blick auf die Gesellschaft von der nächsten Generation, die vielleicht noch etwas bewegen kann, wenn die Gier nach Geld und Macht in Industrie und Politik so groß ist, dass nur noch Worte dagegen antreten können. Hans Well darf hoffentlich noch lange bei seinen Junioren mitspielen und den Mut zur freien Meinung hochhalten! Respekt!

Am 7. Februar treten Hans Well & seine Wellbappn um 20 Uhr im München Residenztheater mit dem Hörspielprogramm "Rotes Bayern" auf. Es lesen u. a. Johanna Bittenbinder, Gisela Schneeberger, Gert Heidenreich und Lukas Berk.
Sandra-Isabel Knobloch
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