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Die Ingolstädter Künstlerin Sieglinde Bottesch stellt Objekte und Zeichnungen in München aus

Kostbare Vergänglichkeit

München
erstellt am 13.02.2013 um 20:10 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:42 Uhr | x gelesen
München (DK) Die Künstlerin als Schöpferin – dieser Gedanke drängt sich auf, sieht man Sieglinde Bottesch vor ihren Werken. Behutsam streichen ihre Hände über die Oberflächen der Skulpturen, ertasten die Unebenheiten und Arbeitsspuren, liebkosen die geglätteten Rundungen und die rauen Rückseiten.
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München: Kostbare Vergänglichkeit
Die Künstlerin Sieglinde Bottesch mit einem Werk aus poliertem Gips und Hanf aus dem Jahr 2012. - Foto: Krauß
München
Zu sehen sind ihre Objekte und eine Auswahl an Arbeiten auf Papier jetzt im Münchner „Haus des Deutschen Ostens“ unter dem Titel „Kontinuum“.

Unter diesem Titel versteht die in Ingolstadt lebende Künstlerin eine stetige Fortentwicklung. Das bezieht sich nicht nur auf ihr gesamtes Werk, sondern durchaus auf jedes einzelne Exponat. Bottesch arbeitet mit einfachen Materialien: mit Gips, Baumwollbinden, Öl und Papier. Diese arme Materie wird durch die Arbeit ihrer Hände veredelt: Sie formen und feilen, sie polieren und glätten, bis die Oberfläche wie kostbares, schweres Elfenbein wirkt oder wie ein zerbrechlicher, filigraner Insektenleib.

Immer sind es die kleinen Dinge, die sie anziehen: die sich übereinanderlegenden Häute einer Zwiebel, die zusammengerollten Wände einer Lauchstange, eine aufbrechende Hülse aus dem Reich der Vegetation; die zerbrechlichen Leiber von Maden und Insekten, von Vogeleiern und Schmetterlingspuppen in Auseinandersetzung mit der Tierwelt. Was klein und unscheinbar ist, erfährt durch die Künstlerin eine Verwandlung: Die Dinge werden in einen Maßstab gebracht, der ihre verborgene Schönheit sichtbar macht.

Die 1938 in Hermannstadt (heute das rumänische Sibiu) geborene Sieglinde Bottesch studierte die Bildenden Künste in Bukarest und arbeitete als Kunsterzieherin in ihrer Heimatstadt. 1987 übersiedelte sie nach Ingolstadt. Auch dort war sie Kunsterzieherin und arbeitet bis heute als freischaffende Künstlerin. In den Ausstellungen des Berufsverbandes Bildender Künstler Ingolstadt, dessen Mitglied sie ist, sind ihre Arbeiten präsent, Werke aus ihrer Hand sind in öffentlichen Sammlungen ihrer beiden Heimatstädte zu finden; auch an Ausstellungen in Rosenheim, München, Würzburg und Ulm war sie beteiligt, und 2008 bespielte sie die Städtische Galerie in der Harderbastei Ingolstadt.

Letztlich hält Bottesch Flüchtiges und Vergängliches fest, gibt Prozessen der Verwandlung eine Form, konserviert den Augenblick pulsierenden Lebens. Auch mit Tusche, Feder und Pinsel zeichnet sie auf weichem Büttenpapier die Fruchtbarkeit und Verwandlungsfähigkeit der Natur. Dabei werden zuweilen Schriftzeichen sichtbar, Spuren des menschlichen Geistes, über den sich die Form einer Frucht legt, sodass die innere Ordnung von Fruchtfleisch und Kernen dem Blick preisgegeben wird. Die Ehrfurcht vor den kleinen Dingen der Schöpfung spricht aus allen Objekten und Zeichnungen der Künstlerin.

Bis 19. April im Haus des Deutschen Ostens, München, Am Lilienberg 5, geöffnet von Montag bis Donnerstag 10 bis 20 Uhr, freitags bis 15 Uhr, in den Schulferien montags bis freitags 10 bis 15 Uhr.

Von Annette Krauß
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