Montag, 18. Juni 2018
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Eine Ausstellung der ERES-Stiftung beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Kunst und Botanik

Garten der Wissenschaft

München
erstellt am 02.06.2015 um 19:19 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:44 Uhr | x gelesen
München (DK) Der Baum atmet hörbar. Wieder und wieder öffnen sich Schlünde und stoßen weißen Nebel aus, um sich dann wieder zu verschließen. Wir sehen hinein in die Rinde, in die Oberfläche von Blättern, und erleben die Wechselwirkung zwischen Pflanze und Atmosphäre in einem Video, das die beiden australischen Künstler Ken und Julia Yonetani produziert haben.
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München: Garten der Wissenschaft
Kunstvolle Natur: Jakob Baums „Kratzdistel“, 2013 - Foto: Aebi
München

Diese Arbeit ist ein Highlight in der Ausstellung „Scientific Gardening“ (zu Deutsch: „Wissenschaftliches Gärtnern“) in der ERES-Stiftung München.

Der zeitliche Bogen, der mit den Exponaten geschlagen wird, reicht von den botanischen Lehrmodellen um 1900, die wie skurrile Jugendstil-Plastiken wirken, bis hin zu einem aufblasbaren Samen-Modell, das der niederländische Künstler Ronald van der Meijs aus Plastiktüten und einem Schlauchsystem geschaffen hat. Diese raumfüllende Arbeit reagiert mit einem Bewegungsmelder auf Besucher und thematisiert damit auch die prägende Rolle des Menschen bis in die Mikroprozesse der Natur hinein.

Interessant ist, dass es nicht die exotischen, teuren und auffälligen Pflanzen sind, welche die Künstler interessieren, sondern Vergissmeinnicht und Frauenmantel, die Helen Mirra aus den USA in ein kunstvoll arrangiertes Herbarium presst, oder Wildblumen aus den Walliser Alpen, die Jacqueline Baum und Ursula Jakob fotografieren und dann in einem komplizierten Verfahren auf Kupferplatten drucken. Dieser Artenvielfalt, die durch Dünger bedroht ist, stellen sie das Video holländischer Tulpenfelder entgegen: Die Blume als Massenprodukt, der Garten als Fabrikhalle.

Insgesamt sechs künstlerische Positionen sind zu sehen, und ihnen gegenübergestellt werden Pflanzenaufnahmen mit verschiedenen wissenschaftlichen Mikroskopen am Beispiel der „Ackerschmalwand“ oder „Gänserauke“, einer unscheinbaren Pflanze am Wegesrand, die auch den „Trockenstress“ in den Ausstellungsräumen überstehen kann. Ergänzt wird dieser „Garten der Wissenschaft“ durch Vorträge, die sich mit Herbarien, Elektronenmikroskop und der Bildgeschichte der Botanik auseinandersetzen. Die Besucher sind eingeladen, einen neuen, tieferen Blick auf die Pflanzen zu gewinnen – auch wenn manche Einblicke durchaus unheimlich und furchterregend wirken können. Die Pflanzen überleben im Zweifelsfall länger und besser als die Menschen – dieses Wissen könnte und sollte unseren Umgang mit ihnen beeinflussen.

Bis zum 27. Juni in der ERES-Stiftung in München, Römerstraße 15, geöffnet dienstags, mittwochs und samstags von 11 bis 17 Uhr.

Von Annette Krauß
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