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Miss Doby in der Neuen Welt

Ingolstadt
erstellt am 11.07.2018 um 22:17 Uhr
aktualisiert am 11.07.2018 um 22:29 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Ginge es um Fußball, spräche mal wohl von zwei komplett unterschiedlichen Halbzeiten.
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Lisa Doby begeisterte am Dienstag in der Neuen Welt.
Lisa Doby begeisterte am Dienstag in der Neuen Welt.
Foto: Leitner
Ingolstadt
Die Lisa-Doby-Band demonstriert zwar auch vor der Pause, was sie alles auf dem Kasten hat, knackt das Publikum beim Bluesfest-Konzert in der Neuen Welt vorerst aber nicht wirklich.

Die jazznahen Songs der ersten Programmhälfte mit ihren fragilen, feingliedrigen Strukturen und ihren elastischen Grooves atmen Sensibilität und Leichtigkeit und sind vielleicht sogar gehaltvoller und kompositorisch interessanter als die im zweiten Abschnitt, aber Miss Doby findet mit ihnen nur schwer den Zugang zu ihrem Publikum. Der warme Sound des "Basin Street Blues", die dezent gesetzten Akzente bei "Forever", das schlanke Klangbild und die fließenden Linien bei "Blue Skies" - das alles hat Klasse und fordert den aufmerksamen Zuhörer. Wunderschön gespielt, aber - um im Bild zu bleiben - nur bis zur Strafraumgrenze.

Nach der Pause kommt eine völlig veränderte Band auf die Bühne. Die intimen Balladen werden abgelöst von nach vorne drängenden, souligen Nummern wie "Glad", "Where R U" und "Anything", der Funk-Anteil nimmt zu. Miss Doby geht nun offensiv auf ihr Publikum zu, agiert stimmlich durchaus in einer Liga mit Joan Armatrading oder Tracy Chapman und setzt mit dem psychedelisch angehauchten "Just Because" sowie mit einer waghalsigen, fast 15-minütigen Version des Lennon/McCartney-Klassikers "Eleanor Rigby" als fulminanter Schlussnummer weitere Ausrufezeichen.

Hinter den beiden unterschiedlichen Halbzeiten steckt natürlich ein Konzept. Die Stücke vor der Pause sind die neueren Datums und deuten gar nicht mal unbedingt einen kompletten Richtungswechsel, aber doch zumindest eine gewisse Neuorientierung in der künstlerischen Ausrichtung Lisa Dobys an. Die Sängerin und Komponistin aus Columbia/South Carolina ließ sich ja noch nie völlig festlegen auf einen Stil und eine Richtung. Nicht umsonst existiert von ihr auch ein Download-Album namens "So French" mit Songtexten ausschließlich in französischer Sprache. Daraus spielt sie zwar beim Ingolstadt-Konzert nichts, aber allein dessen Existenz spricht doch durchaus Bände.
Glücklicherweise steht sie einer Band vor, die all das was ihr vorschwebt, meisterlich umsetzt. Bernhard Ebster am Kontrabass, Aurel King an der Gitarre und Drummer Jerome Spieldenner unterstützen ihre Chefin, die selbst Gitarre und E-Piano spielt, auf uneigennützige Weise. Und Miss Doby weiß natürlich ganz genau, welch exzellente Top-Truppe sie da in ihrem Rücken hat und lässt der Band auch immer wieder den nötigen Raum, damit die ihre eigenen Stärken ausspielen kann. Und beim Schlussapplaus am Ende des Auftritts ist das Publikum im Gegensatz zur ersten Konzerthälfte dann auch gar nicht mehr zurückhaltend, sondern vielmehr regelrecht begeistert.
Karl Leitner
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