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Mit 54 Millionen Zuschauern zählt das Abba-Musical zu den erfolgreichsten der Welt. Nun ist es bis 7. Oktober im Deutschen Theater in München zu sehen.

Mamma Mia, was für ein Abend!

erstellt am 17.08.2018 um 19:12 Uhr
aktualisiert am 07.11.2018 um 17:18 Uhr | x gelesen
München (DK) Man nehme: Plateauschuhe und glitzernde Polyesteranzüge mit Schlag, so eng wie eine Wurstpelle. Dazu eine Prise Urlaubsfeeling, einen Teelöffel heile Welt und eine Messerspitze Kitsch. Die Zutaten gut vermischen und mit einer riesengroßen Portion Abba-Ohrwürmern garnieren. Et voilá: Fertig ist der Musical-Hit.
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Das Rezept kommt nicht nur in Deutschland gut an - mittlerweile haben weltweit mehr als 54 Millionen Zuschauer "Mamma Mia" gesehen, von Europa über Amerika und Afrika bis nach Asien. Der Kinofilm "Mamma Mia" mit Meryl Streep, Pierce Brosnan, Colin Firth und vielen weiteren Stars feierte 2008 Premiere und wurde der erfolgreichste Musicalfilm aller Zeiten. Erst vor wenigen Wochen kam mit "Mamma Mia - Here We Go Again" die Fortsetzung in die Kinos.

"Mamma Mia" reißt einen aus dem Theatersessel und macht gute Laune - und dazu muss der Zuschauer nicht einmal ein großer Abba-Fan sein. Das beweist die Premiere im ausverkauften Deutschen Theater in München einmal mehr. Immer wieder ertappt man sich, wie man zu Hits wie "Money, Money, Money" oder "Super Trouper" auf den Oberschenkel klopft und mit dem Kopf mitwippt. Das passiert ganz automatisch, groß zur Wehr setzen kann man sich dagegen nicht, es ist wie ein Abba-Reflex.

Es sind nicht nur die glitzernden Schlaghosen, die poppigen Abba-Nummern und romantischen Bühnenbilder, die den zweistündigen Abend zu einem einmaligen Erlebnis machen. Das Musical lebt von seinen Protagonisten. Vor allem von den weiblichen. In "Mamma Mia" bekommt es der Zuschauer mit geballter Frauenpower zu tun, allen voran mit Donna. Sie ist ein Wildfang aus den noch wilderen Seventies auf der Suche nach sich selbst.

Die Rolle wirkt Sabine Mayer wie auf den Leib geschneidert. Sie macht die Figur der Donna zu ihrer eigenen, versucht gesanglich, nie eine Kopie der Abba-Künstlerinnen zu sein - auch wenn, der Zuschauer beim Refrain von "Super Trouper" manchmal das Gefühl hat, Anni-Frid stakst da gerade eben auf ihren Plateauabsätzen über die Bühne. Doch es sind nicht nur die schnellen Nummern, die beim Publikum ankommen, sondern auch langsame Songs wie "Der Sieger hat die Wahl" ("The Winner Takes It All") oder "Durch meine Finger rinnt die Zeit" ("Slipping Through My Fingers"). Bei dieser gefühlvollen Abba-Nummer bereitet Mutter Donna Tochter Sophie (Katharina Gorgi) emotional auf die Hochzeit vor und streicht ihr liebevoll durch die blonden Haare - ein Gänsehautmoment, bei dem wohl gerade die Mütter im Saal zum Grübeln kommen und sich wie im Lied wünschen, dass "der Film des Lebens stehen bleibe" und die Kinder nicht allzu schnell flügge werden.

Am Anfang des Musicals scheint es befremdlich, die Abba-Lieder auf Deutsch zu hören. Es braucht allerdings nur zwei oder drei Hits der Schweden, um die Skepsis abzuschütteln. Irgendwann ist es selbstverständlich, die Ohrwürmer, die sich seit Jahrzehnten ins Gehirn gebohrt haben, in der eigenen Muttersprache zu hören.

Neben Donna und Sophie gibt es aber noch jede Menge andere starke Frauen, die über die Bühne hüpfen. Wenn Tanja (Betty Vermeulen) und Rosie (Barbara Raunegger) zusammen mit Donna in Glitzeranzügen "Dancing Queen" oder "Waterloo" schmettern, haben die Herren auf der Bühne nicht mehr viel zu melden. Na ja. Nicht ganz. Der Erfolg von "Mamma Mia" hängt natürlich auch mit den männlichen Charakteren zusammen. Das Musical ist ja nicht nur eine Mutter-Tochter-Geschichte, sondern erzählt auch die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Gerade Sam (Karim Knawatmi) spielt überzeugend Sophies Vater und rührt bei "Ich bin ich, du bist du" ("Knowing Me, Knowing You") den einen oder anderen Gast zu Tränen.

Die Liste, wieso das Mamma-Mia-Musical am Ende des Abends jeden - und zwar wirklich jeden - aus den Stühlen haut, ist lang. "Mamma Mia!" wirkt - auch wenn man es gar nicht will - wie ein Glückshormon. Es ist ein audiovisuelles Antidepressivum ohne Ablaufdatum. Es ist ein Phänomen. Und es ist ein Stück heile Welt, das den Zuschauer, wenn auch nur für zwei Stunden, all das Böse da draußen vergessen lässt.

"Mamma Mia!" gastiert bis zum 7. Oktober im Deutschen Theater München. Di bis Fr um 19.30 Uhr, Sa um 14.30 und 19.30 Uhr, So 14.30 und 19 Uhr. Karten gibt es in allen DK-Geschäftsstellen.
 
Xenia Schmeizl
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