Freitag, 16. November 2018
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Mit Mark St. Germains "Tanzstunde" startet das Ingolstädter Altstadttheater in die neue Spielzeit

Komödie mit Herz und Tiefgang

Ingolstadt
erstellt am 14.09.2018 um 19:54 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 19:55 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) 2153 Dollar für eine einzige Tanzstunde?
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Können nur mühsam denselben Takt halten: Senga (Katrin Wunderlich) und Ever (Philip Schwarz). ?Die Tanzstunde? hat am Donnerstag, 20. September, um 20.30 Uhr im Altstadttheater Premiere.
Können nur mühsam denselben Takt halten: Senga (Katrin Wunderlich) und Ever (Philip Schwarz). "Die Tanzstunde" hat am Donnerstag, 20. September, um 20.30 Uhr im Altstadttheater Premiere.
Wobker
Ingolstadt
Da stimmt doch was nicht! Ever muss tanzen lernen - für eine Preisverleihung. Und fragt seine Nachbarin Senga, ob sie es ihm beibringen kann. Sie ist Tänzerin. Aber nach einem schweren Unfall sind ihre beruflichen Aussichten düster und ihre physische wie psychische Verfassung miserabel. Auch Ever schlägt sich mit Problemen herum. Er ist Autist, hat seinen Alltag als Universitätsprofessor zwar nach strikten Regeln organisiert, hat aber Schwierigkeiten, Beziehungen mit anderen Menschen einzugehen und verabscheut körperlichen Kontakt. Für eine Tanzstunde nicht gerade die beste Voraussetzung. Wie diese sich entwickelt und was mit den beiden ungleichen Tanzpartnern passiert, erzählt Mark St. Germain in seinem so berührenden wie poetischen Stück "Die Tanzstunde", mit dem das Ingolstädter Altstadttheater am kommenden Donnerstag seine Saison eröffnet.

Ein Stück mit Herz, voller Witz und mit viel Wahrheit, meint Regisseurin Leni Brem: "Eine Komödie mit Tiefgang, die perfekt in unser Haus passt. Ich glaube, auch wenn man nicht in so einer Extremsituation steckt, kann man sich in vielen Dingen wiederfinden. "

Die Rolle der Tänzerin Senga übernimmt Katrin Wunderlich, die mit "Orlando" und "Lola Montez" schon mehrfach im Altstadttheater zu sehen war. "Ich habe selten eine Rolle gespielt, die mir so auf den Leib geschrieben war", sagt sie. Nicht nur, weil sie ähnlich impulsiv und leidenschaftlich ist wie ihre Figur, sondern weil auch in ihrer Biografie eine langwierige schwere Knieverletzung eine große Rolle spielte und irgendwann das Aus für den Leistungssport Tennis bedeutete. "Immerhin gab es da ja noch meine zweite Leidenschaft, die Schauspielerei", sagt Katrin Wunderlich. Trotzdem konnte sie sich sofort gut hineinversetzen in Senga. Und: "Ich habe das Stück verschlungen. Es ist so zauberhaft geschrieben, wie sich diese beiden Menschen begegnen, die beide mit ihren Handicaps zu kämpfen haben und in ihren Mustern feststecken. Erst durch das ziemlich explosive Aufeinandertreffen merken sie, dass der Horizont viel größer ist, und beide überdenken ihr Verhalten. "

Philip Schwarz hat die Rolle des autistischen Universitätsprofessors Ever sehr gereizt - wie überhaupt alle schrägen Typen. Obwohl es natürlich eine Herausforderung für einen Schauspieler ist, sich in seinen Möglichkeiten zu beschränken. Autistische Menschen haben Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion. Laut Textbuch vermeidet Ever beispielsweise jeglichen Blickkontakt, was das Spiel auf der Bühne ziemlich schwierig gestaltet. "Gerade die Anfangsszenen waren sehr kompliziert, weil es genau dem widerspricht, was man sonst auf der Bühne macht: Beziehungen herstellen, Spannung erzeugen", erklärt Regisseurin Leni Brem. Sie hat viel über Autismus recherchiert und ihre Schauspieler mit Material versorgt, um ihnen diese Welt nahezubringen. Trotzdem ist das Spektrum der Störung breit und die Symptome sind äußerst unterschiedlich. Dabei ist Ever einem nah. "Er ist nicht berechnend. Er ist ganz klar in seinen Statements. Er sagt alles ungefiltert. Das macht ihn sympathisch", meint Philip Schwarz.

Weil er im Sommer zwei Wochen in Boston vor der Kamera stand, mussten die Proben zur "Tanzstunde" unterbrochen werden. An der Seite von Nadia Bobylewa, Bernhard Piesk und Sabine Postel drehte er die ZDF-"Herzkino"-Liebeskomödie "Wachgeküsst". Denn: Vor vier Jahren hatte Philip Schwarz eine Green Card in der Lotterie gewonnen. Die US-Regierung verlost jedes Jahr 55000 Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen über die "Diversity Visa Lottery". Damit konnte sich Philip Schwarz nun den lang gehegten Wunsch erfüllen, in Amerika zu arbeiten - eben in diesem Film aus der Katie-Fforde-Reihe unter der Regie von Frauke Thielecke nach dem Drehbuch von Ron Markus.

Im Altstadttheater ist Philip Schwarz zum ersten Mal zu sehen. Der Schauspieler, der am Wiener Konservatorium seine Ausbildung absolvierte, hat bei den Burgfestspielen Jagsthausen genauso mitgewirkt wie bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, stand auf Bühnen in Hamburg, Berlin und Wien. Darüber hinaus arbeitet er für Synchronfirmen und Produktionsfirmen für Hörbücher, Hörspiel und Computerspiel - und leiht beispielsweise in der Kinder-Kult-Serie "Feuerwehrmann Sam" dem etwas schusseligen Handwerker "Mike Flood" aus Pontypandy seine Stimme. In Sachen Tanzstunde bräuchte Philip Schwarz übrigens - anders als seine Rolle Ever - keine Nachhilfe. Denn er hat früher sogar Turniertanz betrieben - auf Meisterschaften.
 

SPIELPLAN

  • „Die Tanzstunde“ markiert am Donnerstag, 20. September, den Saisonstart im Ingolstädter Altstadttheater. 
  • „Helmut Qualtinger: Der Herr Karl“ steht am Freitag, 21. September, auf dem Programm. Schauspieler Fritz Scheuermann spielt gemeinsam mit Josef Mittermayer die legendäre Wiener Kanaille, die den Menschen sehr eindrücklich den Spiegel vorhält. 
  • „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ ist ein Theaterexperiment von Nassim Soleimanpour, das man am 27. September erleben kann. Keine Proben, kein Bühnenbild, keine Regie. Nur ein versiegeltes Skript auf der Bühne und bei jeder Vorstellung ein anderer Darsteller. Den Anfang macht Maria Helgath. Sie wird die Zuschauer mitnehmen auf eine Reise ins Ungewisse. 
  • „Gesundheit!“ hat Jens Rohrer seinen Abend am 29. September genannt, bei dem er sich zusammen mit Gästen  auf einen humorigen Streifzug durch die Welt der Siechtümer begeben will.  Im Wartezimmer: Christian Schmidt-Linnartz, Dominik Neumayr, Improtheater G´scheiterhaufen, Melanie Arzenheimer und Paula Gendrisch.
  • Alle Vorstellungen beginnen um 20.30 Uhr. Karten gibt es in allen DK-Geschäftsstellen und  ab 60 Minuten vor Beginn der jeweiligen Vorstellung an der Abendkasse im Altstadttheater.  DK

 
Anja Witzke
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