Montag, 19. November 2018
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Im Takt durch die Nacht

Ingolstadt
erstellt am 09.11.2018 um 20:52 Uhr
aktualisiert am 10.11.2018 um 09:07 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Vielfalt ist das Zauberwort bei Jazz in den Kneipen. In vier Lokalen, Clubs und dem Altstadttheater gab es Soul und Funk, Free-Jazz und Scat, Südstaaten-Flair und sphärischen Sound. Die Besucher ließen sich von alten Hasen und Newcomern, von Musikern aus den USA, aus Ungarn, Deutschland – und aus Ingolstadt – unterhalten.
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One-Man-Band: Ben Prestage präsentierte in der Neuen Welt seinen Diddley Bow.
Leitner
Ingolstadt

Rustikaler Charme

Scheppernder Brachialblues, krachende Rumpelmusik, rustikaler Charme. Das ist die One-Man-Band Ben Prestage aus Florida/USA. Einst hat er mit all seinen Trommeln und Becken, mit Gitarre, Pedal Steel, Banjo, Dobro, Cigar Box und Diddley Bow auf der legendären Beale Street in Memphis gespielt. Da muss man sich Gehör verschaffen, da hat man Laufpublikum. Das hat man bei Jazz in den Kneipen zum Teil auch. Deswegen ist Prestage eine gute Option für diesen Abend in der Neuen Welt. Steve Earle’s „The Devil‘s Right Hand“ hat er im Programm und Lynyrd Skynyrd’s „The Ballad Of Curtis Loew“, aber auch Arthur Blake‘s Piedmont Blues in Gestalt von „That  Will Never Happen No More”. Und natürlich jede Menge eigener Stücke. Subtile Zwischentöne sind eher nicht sein Ding, nein, für ein Energiebündel wie ihn gehört es mit dazu, nach vorne zu preschen und die Kraft, die in seiner Musik liegt, nicht nur akustisch, sondern auch körperlich auszudrücken. Prestage macht einen guten Job, und man fühlt sich bestens unterhalten.   Karl Leitner
 
Zwei von drei: Martin Tingvall am Piano und Omar Rodriguez Calvo im Diagonal. Jürgen Spiegel spielte am Schlagzeug.
Johannes Hauser
Ingolstadt

Fabelhaftes Trio

Die sphärischen Pianoläufe,  das Schlagzeuggewitter und die virtuosen Kontrabasskaskaden schwingen und klingen lange noch im Ohr, tragen einen  durch die Nacht. Das Tingvall Trio ist eine gern gesehene und stets gefeierte Band in Ingolstadt und hat im Diagonal einen begeisternden  Live-Gig  abgeliefert.  Der schwedische Pianist Martin Tingvall, der kubanische Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo und der deutsche Schlagzeuger Jürgen Spiegel, mehrfach ausgezeichnet  für  ihren bestechenden und    kreativen Jazzsound mit  Rock-, Pop- und Klassikanleihen,  setzen – inklusive   lebensphilosophischer Gedanken und wundersamen Geschichten zu ihren Stücken – von Geistern über eine  Ewigkeitsmaschine bis zu schlechtem schwedischen Bier  – zu einem musikalischen Rundumschlag an. Von ihrem ersten Album bis zum sechsten Studioalbum „Cirklar“ geht die Zeitreise.   Balladesk und  energiegeladen, verrückt und strukturiert, eingängig und eigenständig, transparent und erdig,  luftig und  kraftvoll, mal Miniatur, mal Klangteppich.  Ein fabelhaftes Konzert.   Katrin Fehr

Fotostrecke: Jazz in den Kneipen
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Lounge-Atmosphäre: Die Ingolstädterin Gabriella Martini ist Bellasol und trat mit The Ballers im Swept Away auf.
Johannes Hauser
Ingolstadt

Jazzmusik mit Liebe

Sukzessiv haben The Ballers & Bellasol im Swept Away die Lounge gefüllt: Mit noch recht verhaltenen Tönen starten sie instrumental,  erst beim  drittem Lied stehen alle fünf Musiker auf der Bühne. Futuristische Klänge vom Keyboard verschmelzen mit eingängigen Tönen des Saxofons. „Wanna break free“, singt Gabriella Martini und tanzt verträumt   zu der funkigen Musik. Langsam kommt auch Bewegung in die Zuschauer, angesteckt vom jazzigen Groove. Dann plötzlich ein  Donnern und Beben – der Schlagzeuger unterbricht kurz mit einem   Drumsolo   den lockeren Jam und taucht wieder in den bunten Mix ein. The Ballers  & Bellasol schaffen für die Zuhörer ein familiäres Ambiente in der Lounge. Passend dazu  begleitet die Mutter des Drummers für ein Stück mit ihrer Querflöte die vier  Absolventen der Popakademie Mannheim und der Jazzhochschule Mainz.  Bellasol erscheint wieder: Teils rockig, aber immer mit viel Soul besingt sie in ihren Liedern Herzensangelegenheiten. „Es geht ja immer um die Liebe“, sagt die Ingolstädterin  und lächelt vielsagend.   Anna Hausmann


 
Mit seiner glasklaren Stimme drückte Sänger Mark Zentai dem Gastspiel von Mörk im MO seinen Stempel auf.
Johannes Hauser
Ingolstadt

Spacig und geerdet

Sie haben den Tod überlebt. Und wie. Denn im ersten Set ihres Auftritts im „Mo“ haben die vier Jungs der ungarischen Band Mörk den Niedergang geradezu zelebriert, ganz nach dem Titel ihrer noch druckfrischen Vinyl-EP „The Death of Mörk“. Doch man musste sich keine Sorgen um sie machen. Denn nach der Pause sind sie wie Phoenix aus der Asche auferstanden. „Resurrection“ war angesagt, genau wie von Sänger Mark Zentai angekündigt. Und so erlebten die Zuhörer in der bestenfalls halb gefüllten Mo-Almhütte zwei komplett unterschiedliche Halbzeiten. Im ersten Teil konnte man sich mitsamt der Hütte in höheren Sphären wähnen. In den oft melodiösen, aber immer etwas düsteren und experimentellen Stücken dominierten neben Zentais glasklarer Stimme ein wummernder Bass, viele Echos sowie spacige, gurgelnde und pfeifende Töne. Aber als die Band aus der Pause kam und verkündete „We Survived the Death“, wurde es nur noch funky und die Zuhörer wurden mit harten Beats wieder geerdet und in die Realität zurückgeholt.   Norbert Schmidl


 
Feinster Scat-Gesang: Melane Nkounkolo und Three Fall traten im Altstadttheater auf.
Weinretter
Ingolstadt

Band mit zwei Gesichtern

Gegensätze ziehen sich an – das spürte man  bei Three Fall & Melane, die im Altstadttheater eine konträre Mischung aus wohlstrukturierten Bluesballaden  mit experimenteller Instrumentalmusik kombiniert haben. Wie Windböen lässt Til Schneider einzelne Posaunentöne durch den Zuschauerraum wehen, dann explodiert plötzlich ein durchdringender Funkrhythmus, als   Lutz Streun an der Bassklarinette und Sebastian Winne am Schlagzeug ihre Instrumente zum Glühen bringen. „Three Fall“, wie sich die drei Musiker schon vor Zugang ihrer Frontsängerin nannten, toben sich in rein instrumenteller Besetzung am Free-Jazz aus, reißen das begeisterte Publikum mit ihren „Vibrations“ mit. Dann, wenn Melane mit ansteckend guter Laune auf die Bühne springt, erhält die Band ein neues Gesicht. Verbal und gesanglich erzählt die Sängerin mit ihrer tiefen, weichen Stimme melancholische Geschichten aus ihrem Leben – oder präsentiert feinsten Scat-Gesang und sogar Rap, so intensiv, dass sich der eigene Puls anzugleichen scheint.   Anna Hecker


Welcome Party der Jazztage


Leser unser App finden das Video hier. 



Programm
Die 35. Ingolstädter Jazztage gehen an diesem Samstag um 20 Uhr weiter mit der Jazzparty II im NH Hotel. Am Sonntag beginnt um 11 Uhr mit Batter my Soul und Simone Schimpf der Jazzgottesdienst in St. Matthäus (freier Eintritt). Um 19.30 Uhr tritt Gregory Porter  im Festsaal auf. Am Montag sollte man das Konzert mit  der niederländischen Sängerin Caro  Emerald um 20 Uhr im Festsaal nicht versäumen. Am Mittwoch tritt Ed Motta im Diagonal auf, und am Freitag steigt um 21 Uhr das Abschlusskonzert im Brigk.   Karten gibt es bei den DK-Geschäftsstellen und an der Abendkasse. Weitere Infos unter www.ingolstaedter-jazztage.de
 
DK
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