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LaBrassBanda-Mitglied Andreas Hofmeir über den Dialekt, sein Instrument und die Chancen beim Grand-Prix-Vorentscheid

"Eine Tuba ist nix zum Herzeigen"

Ingolstadt
erstellt am 13.02.2013 um 20:10 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 12:25 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die fünf Burschen aus Bayern haben schon in Afrika gespielt, einer ihrer nächsten Auftritte soll LaBrassBanda nun nach Schweden führen. Am 18. Mai findet in Malmö der Eurovision Song Contest statt. Die Bläser-Combo kämpft heute Abend in Hannover (ARD, 20.15 Uhr) mit dem Lied „Nackert“ beim deutschen Vorentscheid gegen elf Konkurrenten, um ein Ticket fürs Finale. Seit der Gründung vor sechs Jahren spielt der Ingolstädter Andreas Hofmeir in der Band die Tuba. Die restliche Zeit unterrichtet er am Mozarteum in Salzburg und gibt Solokonzerte. Unser Redakteur Stefan König sprach mit Hofmeir über den Auftritt heute Abend und den Spagat zwischen klassischer Musik und Pop.
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Eurovision Song Contest: Jury verwehrt LaBrassBanda die Reise nach Malmö
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Ingolstadt

Herr Hofmeir, wie stehen die Chancen beim Vorentscheid?

Hofmeir: Ja mei, das ist schwierig zu sagen. Es gibt sicher Leute, die sagen: Das ist eine bayerische Band, das geht gar nicht. Aber schauen Sie sich doch mal Bläck Föss an. Die hat außerhalb von Köln auch keiner verstanden. Trotzdem haben sie der Stadt viel Gutes getan und sind in ganz Deutschland beliebt.

 

Ist der Dialekt ein Nachteil?

Hofmeir: Nein, überhaupt nicht. Ich bin ein großer Dialekt-Fan. Es ist schade um jeden, der ausstirbt. Ich denke schon, dass wir das Bairische wieder salonfähiger gemacht haben. Mein Onkel hat mir erzählt, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass den Kindern an den Schulen der Dialekt verboten worden war.



Aber im Ausland versteht Ihre Texte doch niemand?

Hofmeir: Das ist nicht so schlimm. Denn auch in Berlin und Hamburg versteht uns keiner. Es gibt doch so viele Lieder, die den Menschen wegen ihrer Melodie oder ihrem Rhythmus gefallen. Die Verständlichkeit eines Textes ist für die meisten nur Nebensache. Sie freuen sich am Klang der Sprache. Bairisch ist viel klangvoller und malerischer als es Hochdeutsch je sein kann.

 

Kann man Dialekt lernen?

Hofmeir: Sicher. Ich habe ihn in der Grundschule gelernt.

 

Ist das heute noch denkbar, den Dialekt in der Schule zu lernen?

Hofmeir: Auf dem Land schon. Aber in der Stadt halte ich es für ausgeschlossen. Wir leben in einer globalisierten Welt, da muss nicht jeder Dialekt sprechen. Aber er sollte nicht aussterben, das ist wichtig. Das ist wie mit der Weißwurst. Natürlich gibt es andere Würste, die man essen kann. Verhungern muss hier niemand. Aber wenn die Weißwurst weg wäre, wäre das schon traurig. Genauso verhält es sich mit dem Dialekt. Der Dialekt ist eine Farbe. Wenn einer ausstirbt, ist die Welt nicht mehr so bunt.

 

Das Geschäft mit Heimat und Tradition boomt. Lederhosen, Dirndl, Magazine – und mit LaBrassBanda eine Band, die bairisch singt. Sind Sie da auf einen Zug aufgesprungen?

Hofmeir: Nein, überhaupt nicht. Der Stefan Dettl (Sänger und Trompeter bei LaBrassBanda Anm. d. Red.) kann nicht hochdeutsch singen und englisch war nie ein Thema. Die Tracht hatte einen ganz praktischen Grund. Am Anfang waren wir drei Wochen lang am Stück unterwegs. Zu fünft mit allen Instrumenten in einem Passat Kombi durch den Balkan, wir haben im Freien geschlafen. Da war kein Platz für Wechselklamotten. Eine Lederhose ist da praktisch, weil man sie nicht waschen muss.
 
 
Sie geben bei LaBrassBanda den Gaudiburschen an der Tuba, im anderen Leben unterrichten Sie als Professor am Mozarteum. Prallen da nicht zwei Welten aufeinander?

Hofmeir: Bei mir war die klassische Karriere ja schon ganz oben angelangt, bevor ich zur Band gekommen bin. Am Anfang dachte ich schon, dass einige meiner Salzburger Kollegen sich wundern, wie man auf einmal Popmusik machen kann. Aber das Gegenteil ist passiert. Meine Kollegen finden das bis auf wenige Ausnahmen großartig. Das sind ja Musiker und die merken die Kraft unserer Musik. Aber umgekehrt: Ohne die Klassik könnte ich das andere nicht machen.

 

Als Kabarettautor haben Sie auch schon Preise gesammelt. Wie steht es um diesen Teil Ihres Künstlerlebens?

Hofmeir: Ich bin gerade an einem sehr interessanten Projekt dran. Ich schreibe ein Stück mit und über die Münchner Philharmoniker. Das war deren Wunsch, weil ich auch ein Jahr dort gespielt habe. Auf kabarettistische Art werde ich sie vorstellen, und das Tubakonzert des Geisenfelders Jörg Duda mit ihnen aufführen. Das wird im März 2014 sein. Dann bin ich Kabarettist, Schauspieler und Musiker an einem Abend.

 

Wie kommt man dazu, Tuba zu spielen. Aus Tradition?

Hofmeir: Nein, überhaupt nicht. Ganz einfach. Jede Blaskapelle braucht einen Tubisten. Aus dieser Notwendigkeit heraus habe ich auch Tuba gelernt. Unsrer ist damals aus Geisenfeld weggezogen, einer musste Tuba lernen. Ich habe Tenorhorn gespielt und mir war es wurscht. Ich wollte in der Kapelle einfach mitspielen. Mir haben sie dann versprochen: Wenn du Tuba lernst, dann darfst du immer mitspielen.

 

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Instrument?

Hofmeir: Sehr unspektakulär. Ich habe sechs verschiedene. Wenn eine eine Delle hat, ärgere ich mich nicht. Eine Tuba ist ein Gebrauchsgegenstand. Sie ist nix zum Herzeigen. Ich poliere auch mein Auto nicht.

 

Wie ist das Leben als Popstar? Alkohol? Groupies?

Hofmeir: Ich trinke nie vor einem Auftritt. Das geht nicht. Ich finde das auch dem Publikum gegenüber nicht fair. Schließlich erwarte ich auch von einem Arzt, das er mich nüchtern behandelt. Auf jeden Fall wäre es sehr wünschenswert. Leider haben wir in unserem Nightliner keinen Platz für Groupies. Das bedauern natürlich alle sehr.

 

Was gehört in den Tourbus?

Hofmeir: Essen und Trinken, in allen Variationen. Ich kann nur jedem Veranstalter sagen, dass er sich um eine gute Verpflegung kümmern soll. Essen ist wichtiger als die Gage. Ehrlich.

 

Wenn es mit der Teilnahme beim Finale in Malmö klappt, dann droht vielleicht auch ein Auftritt in TV-Shows wie „Wetten, dass...“. Wäre das ein Problem?

Hofmeir: Da fällt einem kein Zacken aus der Krone. Ich weiß, dass manche Fans das kritisch sehen würden. Ich kann das verstehen. Ich habe selbst noch nie einen Fernseher gehabt und will auch keinen. Aber wir wollen natürlich schon, dass uns immer noch mehr Leute kennenlernen. Deshalb ist es für jede Band eine große Chance, in einer Fernsehsendung aufzutreten. Auch wenn ich kein Fan von Fernsehen und schon gar nicht von Lanz bin. Thomas Gottschalk wäre mir lieber gewesen.

 

Donaukurier
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