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Das Georgische Kammerorchester bringt zwei Werke von George Bizet auf die Bühne im Ingolstädter Klenzepark

Musikalisches Feuerwerk

Ingolstadt
erstellt am 23.07.2017 um 20:30 Uhr
aktualisiert am 24.11.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Klassikkonzerte sind anders, sie haben eine strenge Etikette. Wer etwa zwischen den Sätzen klatscht, erntet nicht selten böse Blicke der Musikkenner und muss befürchten, nun als Kulturbanause dazustehen. Aber wie läuft das eigentlich bei Open-Air-Konzerten? Gelten hier andere Regeln?
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Ingolstadt: Musikalisches Feuerwerk
Konzentriertes Spiel, das kaum spontanen Zwischenapplaus zuließ: Ruben Gazarian brachte mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt beim Audi-Sommerkonzert am Samstag die "Carmen-Suite" und die "L'Arlésienne-Suite" zu Gehör. - Foto: Audi
Ingolstadt

Das Georgische Kammerorchester Ingolstadt und sein Chefdirigent Ruben Gazarian haben beim zweiten Freiluftkonzert der Audi-Sommerkonzerte im Klenzepark dieses Mal zwei ziemlich lange Stücke ausgewählt mit zahlreichen Sätzen. Da bietet sich wenig Gelegenheit für das Publikum, Dankbarkeit zu äußern. Die Zuhörer benötigen allerdings von Zeit zu Zeit ein Ventil für ihren Enthusiasmus, sie wollen klatschen, pfeifen, johlen. Aber der Mann am Dirigentenpult denkt anders, er will den großen Zusammenhang des Stücks darstellen, er will sich die musikalische Erzählung nicht zertrümmern lassen durch die vielen Begeisterungsbekundungen.

So entsteht ein unterschwelliger Konflikt. Das Publikum klatscht - aber zögerlich. Viele Besucher des Klenzeparks spüren, dass der Applaus eigentlich unerwünscht ist. Ruben Gazarian steht unwillig da, dreht sich nicht zum Publikum um, gibt so schnell wie irgend möglich - manchmal schon in den Beifall hinein - den Einsatz. Und als nach den 13 Sätzen endlich die Suite ganz leise verebbt mit dem Klang ferner Kirchenglocken, da ist das Publikum so irritiert und entmutigt, dass der Beifall sich nur ganz zaghaft erhebt, die Bravorufe nur vereinzelt zu hören sind unter den 10 000 konzentriert lauschenden Konzertbesuchern.

Nun ja, beide Seiten haben irgendwie recht in diesem untergründig ausgetragenen Streit um den stilgerecht bekundeten Beifall.

Natürlich sind die johlenden Massen bei Open-Air-Konzerten die akustische Würze im musikalischen Menü. Da ist es doch völlig egal, wenn das auch zwischen den Sätzen geschieht. Aber andererseits - Ruben Gazarian und sein Orchester haben zwei musikalische Dramen auf die Wiese des Klenzeparks mitgebracht, beide komponiert von dem Franzosen George Bizet Ende des 19. Jahrhunderts: im ersten Teil die "Carmen-Suite" von Rodion Schtschedrin für Streichorchester und 47 Schlaginstrumente, basierend auf der berühmten Oper; und nach der Pause die "L'Arlésienne-Suite", eigentlich Theatermusik zu einem wenig erfolgreichen Stück. Da werden große Handlungsbögen entwickelt. Vielleicht ist das nicht der optimal passende Stoff für ein stimmungsvolles Konzert im Freien, das eher nach Kurzweil verlangt, vielleicht nach einer Kette von effektvollen Zugabestücken.

Von Jesko Schulze-Reimpell
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