Montag, 19. November 2018
Lade Login-Box.

Gefaltete Bilder

Ingolstadt
erstellt am 04.03.2011 um 22:06 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:40 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) "Leporello" heißt Matthias Schlüters Ausstellung in der Harderbastei, deren Dauer so kurz ist wie ihr Inhalt lang. Denn ausschließlich aus Leporellos, also ziehharmonikaartig zusammengefaltete Endlos-Bildstreifen, zeigt der in Regensburg lebende Maler in einer insgesamt einwöchigen Schau. Noch bis Sonntagabend ist die Präsentation zu sehen – und dürfte bis dahin alle Besucher überraschen, die Schlüter kennen.
Textgröße
Drucken
Ingolstadt: Gefaltete Bilder
"Berlin – Regensburg" – bei diesem drehbaren Leporello kann man sich aus beiden Städten seine eigene zusammenstellen. - Foto: ksd
Ingolstadt
Oder doch nicht? Denn nach wie vor Räume, Landschaft, Städte, Figur und Bewegung sind die Themen des 59-jährigen akademischen Künstlers, der unter anderem 1989 den Kunstpreis der Stadt Ingolstadt erhielt. Und auch seine Farbgebung – mal das Schlütersche Blau und Beige, mal die dunklere Grün- und Braunvariante, ist die alte. Verblüffend neu ist trotzdem die Wirkung seiner Werke. Der an sich simple Kunstgriff, lange Streifen von Papier oder Pappe zu falten, und sie dann erst zu bemalen, geht in seinem Ergebnis nämlich wunderbar mit Schlüters Bildern zusammen, mit den wild-dynamischen Bewegungsansichten, der schrägen Raumauslotung, mit den leichthändigen Comicansätzen. Nun ist das alles noch einmal vertieft – und auf vielfältigste Weise.
 

Es gibt zarte, ironische "Interieur"-Ansichten, die federleicht wie gefaltete Vorhänge vor den Wänden schweben. Es gibt, in einer Vitrine, feine Landschaft, die sich ins Grenzenlose zu entfalten scheint. Beidseitig bemalte kleine Leinwände auf lang gezogenen Stelen, die, auf jeder Faltung ein anderes Motiv, assoziative Bildgeschichten schreiben. In einen Rahmen gespannte Reihenbilder, deren Stücke sich vertikal um die eigene Achse drehen lassen; Berlin (vorne) und Regensburg (hinten) kann man so zu einem eigenen Bildpuzzle gestalten. Und es gibt riesige Leinwände (etwa die wilde, schöne "Tokio"-Stadtansichtenserie), die Schlüter einfach in Leporello-Ordnung stellte.

Ein Seh-Vergnügen ist das Schlendern durch die bildnerischen Ziehharmonikas, die in ihrer Form übrigens perfekt in die lange Harderbastei passen. Dass Schlüter bei der Präsentation, bei Hänge- und Stellvorrichtungen, ein wenig arg bastelig vorgegangen ist, lässt sich da leicht verschmerzen.

Sa und So, 13 bis 18 Uhr.

Von Karin Derstroff
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!