Sonntag, 18. November 2018
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Roberta Gambarini trat im Ingolstädter Audi-Forum auf

Fee im Zauberwald

Ingolstadt
erstellt am 14.10.2016 um 18:46 Uhr
aktualisiert am 14.02.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Eine gute Sängerin zu loben, fällt leicht. Eine hervorragende Sängerin im rechten Maß zu loben, ist dagegen ungleich schwieriger. Schließlich könnte das leicht mal übertrieben wirken. Das Konzert von Roberta Gambarini mit ihrer Band am Donnerstagabend im Audi-Forum ist so ein Fall.
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Ingolstadt: Fee im Zauberwald
Brillante Vokalistin: Roberta Gambarini verzauberte das Publikum bei ihrem Gastspiel im Ingolstädter Audi-Forum. - Foto: Erl
Ingolstadt

Die zierliche Italienerin ist zweifellos ein Ausnahmetalent, Jazz-Legende Paul Kuhn schwärmte für sie und verglich sie mit der jungen Ella Fitzgerald. Warum er sie mit diesem Vergleich adelte, dürfen die Besucher im ausverkauften Museum mobile und später auch die Hörer von BR-Klassik erleben. Denn das Konzert wird im Rahmen des 6. "Birdland Radio Jazz Festivals" mitgeschnitten und am 18. November ab 23.05 Uhr ausgestrahlt.

Roberta Gambarini ist bei ihrem ersten Titel ganz alleine. Sullivan Fortner sitzt zwar am Piano, Quincy Philipps hinter seinen Drums, Justin Robinson hält das Saxofon in der Hand, und Ameen Saleem steht am Bass, aber sie bleiben untätig. Gambarini konfrontiert das Publikum ohne einleitende oder begleitende Instrumente nur mit ihrer Stimme. Kaum jemand sonst hat den Mut, so selbstbewusst und schutzlos auf ein erfahrenes Publikum zuzugehen. Es ist eine ganz eigene, einzigartige Aura, die sie dabei erschafft.

Die Stimme der Sängerin schwebt federleicht über die Oktaven und wirkt da, wo andere tief in ihre Substanz greifen müssen, immer noch verspielt und leichtfüßig wie eine Fee im Zauberwald. Sie packt dennoch Volumen und Emotionen in jede ihrer Noten und gebiert Tonfolgen und klingende Stimmungsbilder in traumhafter Eleganz. Keine Silbe fällt unbeachtet zu Boden, keine Note ist ohne Bedeutung. Es dauert ein paar Augenblicke, bis der Applaus der Zuhörer diesen Bann bricht. Die Begleitmusiker schaffen erst dann den Background für die nächsten klingenden Gefühlswelten. Justin Robinson tastet sich auf seinem Tenorsaxofon sensibel an Skalierungen heran, schließt parallel zum Scatgesang von Gambarini auf. Im Gänsehaut-Duett schicken sie Klangbilder mit fesselnden Harmonien ins Publikum, als hätten Impressionisten die Töne mit bunten Pinseln gemalt. Es sind ergreifende Highlights und kostbare Momente in einer langen Reihe von hervorragenden Konzerten im Museum mobile.

Fotostrecke: Roberta Gambarini & Band im Audiforum

 

Die Musiker finden die exakte Balance, um die Stimme und die Emotionen der Sängerin zu tragen, Akzente zu verdeutlichen und sentimentale Songs wie "What's New" von Frank Sinatra ein weiteres Mal zum Kunstwerk zu erheben. Nicht anders verfährt Gambarini mit dem heiteren Song "On The Sunny Side Of The Street " von Louis Armstrong in ihrer eigenen Adaption. Es ist der ideale Song, um ihren Stimmumfang auszuspielen. Vom souveränen Alt bis zum perlenden Sopran, mit müheloser verspielter Heiterkeit und vielen eingesprenkelten Sonnenstrahlen selbst in den ganz leisen Passagen. In ihrer Interpretation schwingt im Klang der Stimme weit mehr mit als nur die physikalisch messbare Frequenz der Tonschwingungen.

Das Publikum wirkt wie vor Faszination erstarrt, sitzt bewegungslos in den Stuhlreihen, saugt jede Note auf und gibt sich genussvoll dem Zuhören hin. Selbst nach drei Stunden ist die Faszination ungebrochen. Wer die bezaubernde Italienerin auf der Bühne erlebt, versteht, dass die Vorschusslorbeeren von Paul Kuhn und vielen anderen berechtigt sind.

Von Lorenz Erl
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