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Julia Mayr und David Williams lassen es in der Werkstatt des Stadttheaters Ingolstadt wimmeln

Es war einmal ein kleines Haus

Ingolstadt
erstellt am 18.05.2012 um 20:40 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:42 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Wo anfangen? Mit dem Postboten? Mit seinen Briefen, die Häuser oder Espressotassen statt gewöhnlicher Adressen tragen? Mit dem Luftballonhund, der so kühne Saltos schlagen kann? Mit dem witzigen Wasserrattenballett im Schwimmbad? Mit dem Zeitungsleserchaos auf der Parkbank? Mit Darth Vader in Lederhosen? Mit dem Apfelbutzen-Klauben, das in der ersten Sitzkissenreihe besonderen Anklang findet? Mit dem Winterwunderland, das in einem vielstimmigen Hatschi-Chor explodiert? Mit schüchternem Liebeswerben? Mit großen Tagträumen und kleiner Nachmusik? Oder damit, wie der Mond angeknipst wird?
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Ingolstadt: Es war einmal ein kleines Haus
Poetische Geschichten: Szene aus dem Kindertheaterstück „Wimmeln“ - Foto: Olah
Ingolstadt
Es wimmelt auf der Werkstattbühne. Und vor lauter Wimmeln verliert man fast den Anfang aus den Augen. Oder halt, nein: Es gibt so viele Anfänge. Denn jeder Augenblick, jede Begegnung, jeder Wetterumschwung, jede Melodie, jeder Brief, jeder Schritt vor oder zurück kann der Beginn einer neuen Geschichte sein. Unerhört. Magisch. Komisch. Traurig. Abenteuerlich. Und: ohne Worte. „Wimmelbuchtheater“ haben Julia Mayr und David Williams für Kinder ab vier Jahren auf die Bühne gebracht und verzauberten damit bei der Premiere am Donnerstag eine Stunde lang das kleine und große Publikum.

Inspiriert von den Wimmelbuch-Heroen Ali Mitgutsch und Rotraut Susanne Berner haben die Regisseurin und der Choreograf mit nur fünf Schauspielern ein eigenes kleines Wimmlingen entworfen und begleiten dessen Bewohner durch die Jahreszeiten. Und was gibt es da nicht alles zu entdecken hinter den geblümten, gestreiften, karierten Vorhängen der Häuser, die sich so eng aneinanderschmiegen (Ausstattung: Dietlind Konold): Morgenmuffel und Espressogenießer, Zickenkrieg und Luftgitarrenkunst. Und welch Schauspiel verspricht erst die Straße? Es treten auf: eine Nonne mit Pinguin, ein übereifriger Polizist, gestresste Geschäftsmänner, eine Punkerin, eine feine Dame, eine Seniorin mit Gehhilfe, ein Postbote, Straßenkehrer und dazu noch jede Menge Verliebte, Verrückte, Verkannte, Vergnügte, Verzagte, Draufgänger, Hasenherzen, Nachtschwärmer und Traumtänzer. Also all jene, die man in jeder Stadt findet, zu jeder Jahres- und Tageszeit, an Sonn- und Wochentagen.

Alltagssituationen haben Julia Mayr und David Williams aufgegriffen, daraus köstliche Szenen gebastelt und sie zu einer kurzweiligen, übermütigen, schrägen und poetischen Geschichte ohne Worte verwoben. Ihr Wimmelbuchtheater verbindet Spiel, Tanz, Musik und Clownerei, kombiniert Peter Handkes „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“ mit Monty Pythons „Ministry of silly walks“, bricht vergnüglich Lärmendes mit behutsamer Stille und setzt Saumseligkeit gegen rasendes Tempo. Kaum zu glauben, dass nur fünf Schauspieler da herumwimmeln. Denn Michael Amelung, Barbara Schmick, Lukas Umlauft, Yahsmine Macaira und Maria Tietze spielen, tanzen, wüten, frohlocken, flirten doppelt und dreifach. Und dabei stets mit großer Konzentration und Präzision. Was für ein Kraftakt doch hinter dieser Leichtigkeit steckt.

Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Blütenmeer, Badespaß, Drachenflug, Schneetreiben. Glücksmomente, Missgeschicke. Spannende Rätsel, putziger Quatsch. Julia Mayr und David Williams erzählen Geschichten zum Weiterspinnen. Mit Witz und Phantasie. Sie lenken unseren Blick auf die Details, auf winzige Besonderheiten im Alltag. Und wer das Theater verlässt, sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen: Wimmlingen ist überall.

Die nächsten Vorstellungen im freien Verkauf finden am 9. Juni und am 8. Juli jeweils um 15 Uhr in der Werkstatt statt. Karten gibt es unter Telefon (08 41) 30 54 72 00.

Von Anja Witzke
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