Donnerstag, 15. November 2018
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Der Ingolstädter Musiker Roland Glassl über seine Konzerte beim Konzertverein

"Die Bratsche ist kein Soloinstrument"

Ingosltadt/München
erstellt am 17.10.2018 um 20:23 Uhr
aktualisiert am 17.10.2018 um 20:26 Uhr | x gelesen
Ingolstadt/München (DK) Der Ingolstädter Bratscher Roland Glassl (Jahrgang 1972) wird in dieser Saison gleich zweimal beim Konzertverein gastieren. An diesem Samstag tritt er mit dem Danel-Quartett auf. Im Interview spricht er über sein Instrument und seinen Umzug von Frankfurt nach München.
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Herr Glassl, Sie sind kürzlich von Frankfurt nach München gezogen und haben dort eine neue Professur übernommen. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?
Roland Glassl: Eigentlich wussten alle in meinem engeren Umfeld, dass es für mich nur noch eine Bewerbung einmal geben würde, nämlich die für eine Professur in München. Dahinter steckt der Wunsch, wieder in der Heimat zu leben: die Berge, der weißblaue Himmel, die Seen reizen einfach. Es hat mich sehr gefreut, dass das geklappt hat. Im Juli sind wir bereits umgezogen. Das ist ja auch die Hochschule, an der ich studiert habe.

Treffen Sie manchmal noch auf ehemalige Lehrer?
Glassl: Ja, ich bin gerade Ana Chumachenco begegnet. Bei ihr habe ich ja zusammen mit Lisa Batiashvili und Julia Fischer studiert. Julia treffe ich jetzt auch wieder. Das ist ein echtes Familien-Feeling.
Was ist Ihnen wichtiger: das Unterrichten, die Kammermusik oder das solistische Auftreten?
Glassl: Das kann ich gar nicht so leicht beantworten, da es doch sehr unterschiedliche Tätigkeiten sind. Es gibt noch eine weitere Tätigkeit, die zuletzt wichtiger geworden ist: Ich spiele in Orchestern als Solobratscher, da gerade eine Reihe Stellen unbesetzt sind. Etwa bei den Bamberger Symphonikern. Das ist für mich ein Privileg, nun auch noch Orchesterpassagen genauer kennenzulernen. Denn die Bratsche ist ja weniger ein solistisches als ein kammermusikalisches Instrument oder ein Orchesterinstrument. Unterrichten ist für mich eine Leidenschaft. Ich trete aber auch gerne als Musiker auf, um überprüfbar und authentisch zu sein für meine Studenten. Ein Kollege hat mal gesagt: Wenn du nicht mehr spielst, kannst du leicht für deine Studenten zu Gott werden. Das möchte ich nicht.

Mitglied des Mandelring-Quartetts sind Sie schon lange nicht mehr. Aber Sie spielen mit anderen Ensembles zusammen. Wie wählen Sie aus?
Glassl: Ich spiele weiterhin als Quintett-Partner mit dem Mandelring-Quartett. Der Ausstieg war ja sehr freundschaftlich. Ich habe außerdem noch mein Trio. Ansonsten ergibt sich das meiste aus freundschaftlichen Kontakten und Empfehlungen.

Als Solist spielen Sie mit der Camerata Hamburg Konzerte von Hoffmeister und Hummel. Keine schlechten Komponisten. Aber vermisst man als Bratscher nicht gelegentlich die Meisterwerke eines Mozarts, Schuberts oder Beethovens? Sie können ja schließlich auch hervorragend Geige spielen.
Glassl: Nein, überhaupt nicht. Meine Klangsprache ist die der Bratsche. Ich sehe aber wie schon erwähnt die Viola eher nicht als solistisches Instrument. Es gibt tolle Werke, aber das Repertoire ist doch begrenzt. Lediglich im 20. Jahrhundert haben sich mehr Komponisten entschieden, auch etwas für die solistische Bratsche zu komponieren.

Ist es eigentlich etwas Besonderes für Sie, in Ihrer Heimat Ingolstadt aufzutreten?
Glassl: Ich bin Ingolstadt extrem verbunden. Ich fühle große Dankbarkeit gegenüber meinen Eltern und auch gegenüber meinem Musiklehrer Herrn Atzerodt. Auch meine engsten Freunde leben nach wie vor in Ingolstadt. Es freut mich daher, dass ich jetzt in München wohne und so den Kontakt nach Ingolstadt pflegen kann.

Das Interview führte Jesko Schulze-Reimpell.

DAS KONZERT

Roland Glassl wird am 20. Oktober, 20 Uhr, im Ingolstädter Theaterfestsaal zusammen mit dem Danel Quartett Brüssel gastieren. Auf dem Programm stehen zwei große Werke: das Streichquintett KV 515 von W.A. Mozart, ein Spätwerk, und von Antonin Dvorak das Streichquintett Es-Dur, das er bereits in Amerika komponiert hat und das daher voller volkstümlicher beschwingter Melodien steckt. Karten für das Konzert gibt es in den DK-Geschäftsstellen und unter Telefon: (0841)88 157 98. Schüler und Studenten erhalten Karten zu  4 Euro.

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