Dienstag, 23. Oktober 2018
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Tini Tüllmann stellt den Psychothriller "Freddy/Eddy" in Ingolstadt vor

Der rätselhafte Doppelgänger

Ingolstadt
erstellt am 01.02.2018 um 18:45 Uhr
aktualisiert am 05.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Im Abspann dankt sie sogar dem lieben Gott. Tini Tüllmann hatte gleich bei der Begrüßung das Publikum im Altstadtkino um Geduld gebeten. Der Abspann sei "wahnsinnig lang". Einfach deshalb, weil sie mit knappem Budget drehen musste. Aber weil sie trotzdem so viele Menschen bei der Produktion von "Freddy/Eddy" unterstützten, wollte sie zumindest am Schluss im Abspann alle einmal genannt haben. So kommt nach "Mama und Papa Tüllmann" eben auch "der liebe Gott". Am Mittwochabend stellten die Regisseurin und ihr Team "Freddy/Eddy" in Ingolstadt vor.
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Ingolstadt: Der rätselhafte Doppelgänger
Zu Gast im Altstadtkino: Regisseurin Tini Tüllmann (zweite von rechts) mit ihrem Team Greta Bohacek, Jutta Lilli Erasin, Sandra Schreiber, Felix Schäfer und Daniel Christensen (von rechts). - Foto: Woelke
Ingolstadt

Eineinhalb Jahre hatte Tini Tüllmann erfolglos nach einem Verleih oder Sender gesucht, um Fördermittel beantragen zu können. "Die meisten fanden das Buch und den Cast gut, haben aber gesagt: Psychothriller funktionieren in Deutschland nicht. Da gehen nur Komödien oder Kinderfilme", erzählt Tini Tüllmann. Schließlich stand sie vor der Entscheidung: "Wir lassen es bleiben - oder wir machen es ohne Geld. Ich habe meine Ersparnisse genommen und mir noch was von der Familie dazugeliehen." Schließlich umfasste ihr Budget 75 000 Euro. Die Schauspieler und Teammitglieder arbeiteten auf Rückstellung, also erst mal ohne Gage. Tini Tüllmann übernahm die Produktion und gründete selbst einen Verleih.

Trotzdem liest sich die Besetzung recht prominent: Jessica Schwarz, Burghart Klaußner, Robert Stadlober spielen u.a. mit. Viele kennt die Regisseurin aus ihrer Zeit als Tonassistentin beim Spielfilm. Ein kleines Drama war allerdings, dass ihr Hauptdarsteller absprang. "Mit dem steht und fällt schließlich der ganze Film." Aber auch hier hatte Tini Tüllmann Glück. Seit vielen Jahren macht sie Casting für Werbung. Dabei stieß auf Felix Schäfer, der sich für eine Opel-Werbung vorstellte. "Da hat er überhaupt nicht gepasst. Aber ich fand, für meinen Film hatte er dieses gewisse Etwas." Auch Sandra Schreiber, die gerade am Stadttheater Ingolstadt als "Lulu" glänzt, spielt eine kleine Rolle. "Ich habe ihr in einem Facebook-Chat von dem Film erzählt", berichtet Tini Tüllmann: "Im Spaß hat sie gefragt: ,Ah ja, und wen spiele ich da €˜ Ich darauf: ,Gut, dass du fragst, ich hätte da noch was. €˜ Jetzt ist sie als Freundin von Freddys Bruder zu sehen. Natürlich ist sie für ihre Verhältnisse komplett unterbesetzt." Und Daniel Christensen, als "Heizungspfuscher Flötzinger" längst eine Kultfigur in den Rita-Falk-Verfilmungen, wollte unbedingt mal "ein Bulle sein".

"Freddy/Eddy" dreht sich um einen Künstler, dessen Leben plötzlich aus den Fugen gerät, als sein imaginärer Kindheitsfreund wieder auftaucht - als bösartiges Ebenbild seiner selbst. Wie kommt man auf so einen Stoff? Tini Tüllmann lacht, deutet auf ihr Team und sagt: "Schau dir meine Freunde an!" Nein, im Ernst: "Ein Freund hatte mir erzählt, dass sein Bruder einen imaginären Freund gehabt hatte. Ich wusste damals nicht, dass das bei Kindern ein sehr häufiges Phänomen ist. Also überlegte ich, wie das wäre, wenn der mit Mitte 30 plötzlich wieder vor der Tür stünde."

Gedreht wurde am Tegernsee. Nicht nur, weil die idyllische Landschaft und die kleinstädtischen Strukturen einen harten Kontrast zu dem psychologischen Horror bilden, sondern auch, weil ihre Großeltern dort ein Haus haben. Tini Tüllmann ist die Enkelin des Malers und Sagensammlers Sepp Mohr. Eigentlich wollte sie sparen, als sie dort Freddy "einquartierte". "Ich dachte, das Haus ist umsonst, aber dass dann auch 30 Leute in einem teuren Kurort untergebracht werden müssen, das hatte ich nicht berücksichtigt", erzählt sie.

In Ingolstadt will das Publikum darüber hinaus auch noch wissen, mit welchem Trick Felix Schäfer die Doppelgänger-Szenen drehen konnte (mit vier Doubles), wie viele Gitarren zu Bruch gingen (zwei) und wann Teil 2 von "Freddy/Eddy" kommt. Der überraschende Schluss bietet schließlich genug Stoff für eine Fortsetzung des Albtraums.

Von Anja Witzke
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