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"Am Boden" ist ein hochaktueller Monolog über den Einsatz von Kampfdrohnen Morgen ist Premiere

Der Krieg im Kopf

Ingolstadt
erstellt am 23.11.2017 um 20:05 Uhr
aktualisiert am 24.03.2018 um 03:35 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Sie ist Kampfpilotin der US Air Force. Jung, unerschrocken, erfolgreich. Dann wird sie schwanger - und ihre Karriere findet ein jähes Ende. Das Militär ist fürsorglich - und schickt sie in die Wüste von Nevada, fernab vom Kriegsgebiet. Ihr neuer Arbeitsplatz ist ein klimatisierter Anhänger irgendwo in der Nähe von Las Vegas, am Boden. Hier soll sie künftig Zwölf-Stunden-Schichten vor einem Computer verbringen, eine Drohne steuern und per Knopfdruck töten. Mit hoher Präzision. Kein Staub, kein Dreck, kein Blut. Vormittags ist sie im Krieg, abends zu Hause bei Mann und Kind. Die psychische Belastung ist hoch, und allmählich verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Alltag.
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Ingolstadt: Der Krieg im Kopf
Mira Fajfer schlüpft in die Rolle der Kampfpilotin. "Am Boden" wird im Flugzeughangar Manching gespielt. - Foto: Flughafen Manching/Olah/Voigt
Ingolstadt

"Am Boden" heißt George Brants furioser Monolog, der nicht nur am New Yorker Broadway zum Hit wurde. Auch hierzulande ist das Stück an vielen Theatern zu sehen. Das Stadttheater Ingolstadt hat sich als Spielort dafür den Flughafen Manching ausgesucht. Dort inszeniert Wolfgang Menardi das Stück mit Mira Fajfer.

Als Schauspieler kennt man Wolfgang Menardi. Er war an den Münchner Kammerspielen und am Bayerischen Staatsschauspiel engagiert, am Théâtre national de la Colline Paris, am Théâtre national de Strasbourg, am Thalia Theater Hamburg, am Schauspiel Köln und bei der Ruhrtriennale. Doch parallel zu seiner Tätigkeit als Schauspieler arbeitete er auch als Bühnenbildner. In Ingolstadt schuf er beeindruckende Räume für die Inszenierungen von "Grillenparz" (wo er zudem für einen erkrankten Schauspieler einsprang), "Jenny Jannowitz" und "Dekalog". Jetzt also seine erste Regie, seine erste "ernsthafte" Regie, verbessert er sich im Gespräch. "Ich glaube, das liegt ein bisschen in meiner Persönlichkeitsstruktur, dass ich alle acht bis zehn Jahre etwas Neues machen muss."

Zum Anfangen fand er George Brants Stück "perfekt". "Es ist unfassbar gut geschrieben, verfügt über eine spannende Geschichte, man findet viele Querverweise, alles hat einen Rhythmus, es macht wahnsinnig viele Assoziationsräume auf. Dieses Stück hat mich sofort gekriegt", schwärmt er. Andererseits handelt es sich um einen Monolog. Und das - weiß vor allem der Schauspieler Wolfgang Menardi - birgt auch Schwierigkeiten. "Man hat relativ wenig Möglichkeiten, Bilder zu bauen. Man ist ganz fokussiert auf diese Person. Man darf diese Person also nicht zukleistern, sonst macht man das Stück kaputt. Denn der Zuschauer möchte dieser Figur folgen. Als Bühnenbildner werde ich mich also sehr zurückhalten", sagt er und lacht.

Die Produktion läuft im Rahmen der "Downtown"-Reihe, wird also an einem Ort jenseits der Spielstätten des Theaters Ingolstadt gespielt: im Hangar des Flughafens Manching. "Das macht einem am Anfang schon Angst: Diese kleine Person in dem riesigen Raum. Aber wir haben gemerkt, dass dieser Raum dem Ganzen auch eine große Kraft geben kann."

Premiere ist am Samstag, 25. November, um 20 Uhr am Flughafen Manching. Kartentelefon (0841) 30 54 72 00.

Von Anja Witzke
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