Donnerstag, 20. September 2018
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Der Kameruner Roland Tchakounté spielt in Ingolstadt eine gelungene Mischung aus amerikanischen und westafrikanischen Stücken

Blues ohne Grenzen

Ingolstadt
erstellt am 01.06.2012 um 21:01 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:42 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (lei) Würde man von einer Münchener Bluesband erwarten, dass deren Musik Elemente bayerischer Volksmusik enthält? – Nicht wirklich. Aber hört man, dass Roland Tchakounté in Kamerun geboren wurde, geht man sonderbarerweise ohne zu zögern davon aus, westafrikanische Klänge vorgesetzt zu bekommen.
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Dabei gibt der Gitarrist, Sänger und Komponist Howlin‘ Wolf, Elmore James und Son House als prägende Einflüsse an, also amerikanische, und erst in zweiter Linie Ali Farka Touré.

Damit er zwischen eigenen Vorlieben und den Erwartungen seines internationalen Publikums – am Tag vor seinem Auftritt in der Neuen Welt spielte er vier Gigs in Hongkong – nicht zerrieben wird, fährt er dreigleisig. Da sind die Bluesnummern, die sich an Howlin’ Wolf und Muddy Waters orientieren und somit noch nichts Besonderes darstellen. Auf diese Klassiker beruft sich jeder, der den Blues spielt. Dann gibt es die vom Sound her eher staubigen Stücke, die einen an J. J. Cale und Tony Joe White denken lassen, und schließlich die, mit denen Tchakountés Musik grenzenlos wird, weil sie in diesen Fällen dann eben doch nach Afrika riechen.

Diese Stücke sind sicherlich die interessantesten, nicht wegen ihrer Exotik, sondern wegen ihrer Wirkung. Tchakounté trägt seine Texte in Bamileke, seinem Heimatdialekt, vor: Aus dem Satzgesang werden Chants, Schlagzeuger Mathias Bernheim spielt nun nicht westliche Beats, sondern bedient sein Drumset nach Art eines Perkussionisten und – was das Entscheidende ist – die Rhythmen, die Harmonik und sogar die Melodien sind so angelegt, dass eine geradezu hypnotische Wirkung unvermeidlich ist. Die kann sich freilich nur einstellen, wenn die Grooves unerbittlich und elastisch sind. Dass dem so ist, dafür sorgen neben dem Drummer auch Bassist Laurent Legall und Gitarrist Mick Ravassat, der einige Male solistisch zu Hochform aufläuft und zwar nicht als Bandchef, aber als Musiker eindeutig im Mittelpunkt steht.

So ist dieser aus Afrika via Paris in alle Welt exportierte Blues am Ende nach einem 25-minütigen Nachschlag mit einer John-Lee-Hooker-Adaption als dritter Zugabe doch noch grenzenlos im wahrsten Sinne des Wortes. Hat Tchakounté an diesem Abend doch in übertragenem Sinne mindestens ein Dutzend Mal den Ozean zwischen Afrika und Nordamerika in beide Richtungen überquert. Und es war gut, bei dieser Reise mit an Bord zu sein.

Von Karl Leitner
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