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Schon mit elf stand Konstantin Moreth in Ingolstadt auf der Bühne - jetzt gastiert er hier mit seiner Company

Hausaufgaben im Stadttheater

Ingolstadt
erstellt am 11.01.2019 um 19:16 Uhr
aktualisiert am 11.01.2019 um 19:20 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Er war elf, hatte lange blonde Haare und wirkte so mädchenhaft, dass seine erste Rolle am Stadttheater Ingolstadt tatsächlich ein Mädchen war.
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Konstantin Moreth spielte damals ein behindertes Mädchen in der schwarzen Komödie "Ein Tag im Sterben von Joe Egg" von Peter Nichols. Da war er schon längst mit dem Theatervirus infiziert. Nicht nur, weil beide Eltern Schauspieler waren. Mutter Ingrid Farin war freiberuflich tätig, Vater Detlev Moreth-Moreau kam 1976 unter der Intendanz von Ernst Seiltgen ans Stadttheater Ingolstadt. Für Sohn Konstantin wurde das Theater bald schon ein zweites Zuhause: "Ich kenne es wie meine Westentasche. Da bin ich nach der Schule immer hin, habe dort Hausaufgaben gemacht, bei Proben zugesehen und hinterher auch die Stücke angeschaut, manche mehrfach. Das ist schon prägend", erinnert sich der 48-Jährige im Gespräch.

Auch wenn er kurze Zeit mal mit dem Beruf des Musikers geliebäugelt hatte - da spielten seine Bands Karl & Friends und Scala eine Rolle -, Konstantin Moreth ist tatsächlich Schauspieler geworden. Vor ein paar Jahren hat er sogar eine eigene Company gegründet, ein professionelles freies Theaterensemble mit Basis im Stadttheater Landsberg. Mit der jüngsten Produktion, "Der Krawattenklub" von Fabrice Roger-Lacan, gastiert er am 25. Januar im Ingolstädter Altstadttheater.

Es wird ein spannendes Wiedersehen mit der alten Heimat: Mit fünf Jahren kam Konstantin Moreth nach Ingolstadt, besuchte hier das Scheiner-Gymnasium - und war so verrückt aufs Theaterspielen, dass ihm die Komparserie am Stadttheater bald nicht mehr genügte und er seinen Vater nötigte, ein Stück mit Schülern zu inszenieren: Wedekinds "Frühlings Erwachen". "Das hatte ich ein paar Jahre vorher gesehen und war sehr beeindruckt", erinnert er sich. "Im Prinzip war das die Keimzelle für zwei Theatergruppen. " Aus einer entwickelte sich die Theaterpalette, ein freies Theater unter der Leitung seiner Eltern, das sich aus Profis und Laienschauspielern zusammensetzte und sich vor allem mit Kindertheaterstücken einen Namen machte. Denn vor 30 Jahren gab es für junges Publikum außer dem Weihnachtsmärchen wenig Angebot.

"Am Anfang wurde im Bürgertreff gespielt, dann in der Aula der Berufsschule und in der Fronte79. Doch bald hatten wir in der Turnhalle der Antonschule einen festen Sitz. Dort gab es eine richtige Bühne - allerdings erst ab Freitagmittag. Wir spielten bis Sonntag - und mussten dann wieder abbauen. Für mich war das die perfekte Spielwiese - weil ich in jungen Jahren nicht nur viel spielen konnte, sondern auch schon inszenieren", sagt Konstantin Moreth. "Frühlings Erwachen" oder "Der kleine Prinz", später "Leonce und Lena" zur Donaubühnen-Eröffnung oder auch "Frankenstein". Die Theaterpalette muss 1996 schließen - "wegen finanzieller und struktureller Probleme", heißt es damals im DONAUKURIER.
Zwischen den beiden Bildern liegen 30 Jahre: Konstantin Moreth (unten, rechts mit Nina Kapust) inszenierte 1988 in der Ingolstädter Theaterpalette Wedekinds ?Frühlings Erwachen?. Mit der Produktion ?Der Krawattenklub? des französischen Autors Fabrice Roger-Lacan ist Konstantin Moreth (oben, links) an der Seite von Sebastian Feicht am 25. Januar im Altstadttheater zu erleben.
Zwischen den beiden Bildern liegen 30 Jahre: Konstantin Moreth (unten, rechts mit Nina Kapust) inszenierte 1988 in der Ingolstädter Theaterpalette Wedekinds "Frühlings Erwachen". Mit der Produktion "Der Krawattenklub" des französischen Autors Fabrice Roger-Lacan ist Konstantin Moreth (oben, links) an der Seite von Sebastian Feicht am 25. Januar im Altstadttheater zu erleben.
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Mit 19 nimmt Konstantin Moreth sein Schauspielstudium in München auf, bricht nach zweieinhalb Jahren ab, spricht in Zürich vor - und wird engagiert. Spielt in "Arkadien" von Tom Stoppard unter der Regie von Peter Wood. "Ein super Berufsstart", sagt er heute. Und: "Mich hat es nie fest an ein Haus gezogen. Ich wollte immer freiberuflich sein. " Er kehrt nach München zurück und beginnt zu drehen, übernimmt eine Rolle in der BR-Vorabendserie "Aus heiterem Himmel" ("Kevin - ein schräger Charakter") steigt dort 1997 nach der dritten Staffel aus. Später steht er u. a. für die "Rosenheim-Cops" vor der Kamera, für "Hubert und Staller" und für den "Tatort". An den Dreh mit Sigi Zimmerschied denkt er gern zurück: "Das hat Riesenspaß gemacht. Ich bin eh ein Fan von den Münchner Kommissaren. "

Daneben bleibt Zeit fürs Theater. Längst wohnt er mit seiner Frau, einer Fotografin, und den beiden Töchtern am Ammersee. Das Münchner Metropoltheater wird sein "Hauptwirkungsort". Nach einer fulminanten "Trainspotting"-Inszenierung keimt dort auch der Gedanke, eine eigene Truppe zu gründen. Doch dazu bedarf es nicht nur Geld, sondern auch einer Spielstätte. Und weil am Theater Landsberg - eine reine Bespielbühne - immer wieder Stücke von und mit ihm laufen, fragt er dort an. Die erste Inszenierung "Gefährliche Liebschaften" feiert im April 2015 Premiere. Es folgen "Cyrano" und "Der Meister und Margarita" nach dem gleichnamigen Roman von Michail Bulgakow. In dem Schnitzler-Abend "Am Rande der Welt" steht Konstantin Moreth mit seiner Tochter Hannah (20) auf der Bühne. "Damit versuche ich, in dem sehr großen, aber auch heiß umkämpften Tourneemarkt, einen Einstieg zu finden. "

Die neueste Produktion ist "Der Krawattenklub" von Fabrice Roger-Lacan. Als ihm die Regie dafür vor ein paar Jahren angeboten wurde, "wusste ich schon beim Lesen, dass das der absolute Burner ist - und auch, dass ich es nicht inszenieren, sondern spielen will. Die Rolle des Bernard ist so vielschichtig - da kann ich mich richtig austoben. Das Stück seziert durchaus realistisch eine Männerfreundschaft - in einer phänomenalen Mischung aus Tragik und Komik. "

Anja Witzke
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