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In Augsburg wird am Samstag ein Jakob-Fugger-Musical uraufgeführt

Gold oder Liebe

Augsburg
erstellt am 28.06.2018 um 22:16 Uhr
aktualisiert am 31.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Augsburg (DK) Die Freilichtbühne ist Herzensangelegenheit der Augsburger.
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Die Köpfe hinter dem Jacob-Fugger-Musical: Komponist Stephan Kaynar (links) und Regisseur Holger Hauer.
Die Köpfe hinter dem Jacob-Fugger-Musical: Komponist Stephan Kaynar (links) und Regisseur Holger Hauer.
Fotos: privat, Pedersen/dpa
Augsburg
Spielt das städtische Theater am Roten Tor, werden Straßenbahnen beflaggt, Umfahrungsstraßen zu Parkzonen umgewidmet und das Publikum strömt herbei, mit dicken Taschen bepackt, die neben Decken und Regenhaube auch manch geistvolles Getränk enthalten. Die in eine historische Bastion integrierte Bühne, vor nahezu 90 Jahren von Otto Falkenberg angeregt, bietet über 2000 Plätze, jeder siebte Augsburger muss kommen, damit alle Vorstellungen ausverkauft sind. Somit hat die Stadt am Lech eines der größten und sicher auch stimmungsvollsten Sommertheater Deutschlands.

Dieses Jahr ist die Aufregung und Vorfreude besonders groß, als Uraufführung steht eine Huldigung Jakob Fuggers des Reichen (1459-1525) an. Dessen Familie ist amused, obwohl dem Ahnen aus dramaturgischen Gründen eine amouröse Verstrickung angedichtet wurde. Der derzeitige Kopf des Hauses, Alexander Graf Fugger-Babenhausen (36), will die Premiere besuchen und findet: "Die Beziehung zwischen Augsburg und Fugger ist höchst lebendig. Dass Augsburg weithin als Fuggerstadt bekannt ist, deutet zudem darauf hin, dass gemeinsame Geschichte Heimat und Identität stiftet. " Das Fugger-Musical "Herz aus Gold" hat am Samstag Premiere, Im Interview äußern sich Regisseur Holger Hauer und Komponist Stephan Kanyar, der in Ingolstadt acht Jahre lang musikalischer Leiter am Stadttheater war.

Herr Hauer, die Fragen der Fragen: Gibt's ein Feuerwerk?
Holger Hauer: Nein. Ich habe eine gute Geschichte, und das ist entscheidend. Es gibt ein tolles Bühnenbild, eine Drehbühne, reiches Augenfutter.

Herr Kaynar, eine Uraufführung ist ja sehr schön - aber wäre es nicht besser, wenn eines Ihrer früheren Werke wieder aufgeführt würde?
Stephan Kanyar: Das ist tatsächlich sehr mühevoll, weil alle Häuser entweder das Aufsehen einer Uraufführung oder auf Nummer Sicher gehen wollen mit einer bekannten amerikanischen Nummer. Ich bekomme einen Auftrag zur Uraufführung für jeden Titel, den ich an den Start bekommen will, aber nachgespielt zu werden ist unglaublich schwer.

Fugger war ja ein sehr reicher Mann, aber wird das Ganze - Staatstheater hin oder her - für Augsburg nicht sehr teuer?
Hauer: Ich vermute nicht, es fallen zwar Honorare für Komposition und Text, aber dafür keine Tantiemen an. Die Klavierauszüge beispielsweise sind kopiert, nicht gedruckt.
 
Fotos: privat, Pedersen/dpa
Augsburg



Sie sind selbst Darsteller und übernehmen eine Rolle, warum?
Hauer: Ich kann als "Welser" weiter die Kontrolle über die Regie behalten und Spielen ist schließlich mein Beruf, ich verdiene damit einfach Geld. Als Regisseur gehe ich normalerweise nicht in meine Premieren - aber das wird sich diesmal nicht vermeiden lassen.

Die Biografie des Kaisermachers Jakob Fugger, der neue Wege ging und dann doch nur reich und alt, nicht aber glücklich wurde - ist das ein heute relevantes Thema?
Hauer: Wir werden nicht auf Teufel komm raus modernisieren, wir erzählen eine Geschichte, die Fuggers Leben sein könnte - wer eine Moral mitnehmen möchte, sei dazu herzlich eingeladen. Wir haben uns viel angelesen, in der Probenphase vieles gekürzt, das historisch interessant war, beispielsweise den Bauernkrieg rausgeschmissen. Da war ursprünglich ein Hauch von Wikipedia, alles unterbekommen zu wollen.
Kanyar: Bei der Recherche war uns schnell klar, dass Fuggers Ehe vorkommen muss, weil sie große Fragezeichen hat - eine weiße Fläche der Biografie, die wir ausfiktionalisieren. Jemandem beim Geld verdienen zuzuschauen, wäre ja auch als Musicalhandlung langweilig.

Welche Musik erwartet uns?
Kanyar: Ich benutze eine heutige Klangsprache, Pop und Rock, habe mich aber auch um einen "renaissancigen" Zungenschlag bemüht. Ich liebe meinen Beruf, aber das Ganze war auch dieses Mal wieder irrsinnig aufwendig. Für das Musical habe ich 2500 Seiten Material verfasst - das muss man erst mal schreiben.

Das Interview führte

Sabine Busch-Frank.


Die Vorstellungen finden über den ganzen Juli verteilt statt und beginnen jeweils um 20.30 Uhr.
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