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Hoffnung auf höhere Gehälter

erstellt am 07.10.2009 um 20:34 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:39 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Seit 1995 ist Jürgen Köhler Geschäftsführer der Georgisches Kammerorchester Ingolstadt Konzertgesellschaft mbH. Aber bereits als die Musiker 1990 in Ingolstadt eintrafen, hat er im Auftrag der Stadt das Orchester betreut. Unser Redakteur Jesko Schulze-Reimpell sprach mit ihm über Vergangenheit und Zukunft des Orchesters.
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Markus Poschner, GMD in Bremen, wird erstmals nach vier Jahren wieder in Ingolstadt dirigieren.

Fast 20 Jahre Georgisches Kammerorchester in Ingolstadt: Was ist für Sie der augenfälligste Unterschied zwischen damals und heute?

Jürgen Köhler: Das sind zwei verschiedene Welten. Die Musiker kamen damals aus einem sozialistischen System ins marktwirtschaftliche und kulturell freie Deutschland. Sie hatten so gut wie keine Deutschkenntnisse. Und es war für uns auch kaum möglich, an die einzelnen Musiker heranzukommen. Das war von der damaligen Leiterin des Orchesters, Liana Issakadze, auch nicht so gewünscht. Sie hatte das Orchester nach Ingolstadt gebracht und wollte weiterhin eine Vormachtstellung. Diese Situation hat sich dann allmählich verändert, und die Orchestermitglieder haben gelernt, sich in dem westlichen System zurechtzufinden. Inzwischen haben fast alle die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen.

An der Besetzung des Orchesters hat sich in den Jahren nicht allzu viel geändert. Jetzt werden einige Musiker in Rente gehen. Wie sieht es mit der Zukunft des Klangkörpers aus?

Köhler: Es gab in den vergangenen Jahren durchaus einige Umbesetzungen, die vielleicht nicht immer so auffallen, weil teilweise die Stellen auch wieder mit Georgiern besetzt wurden. So ist etwa der Stimmführer der zweiten Geigen, Alexander Konjaev, der Sohn eines ehemaligen Orchestermitglieds. Auch Teona Gubba-Chkheidze ist erst später hinzugekommen. Frei werdende Stellen wurden allerdings auch mit Nicht-Georgiern besetzt. So ist vor einiger Zeit die Geigerin Raluca Papp-Badescu zu uns gestoßen. Und auch der neue Kontrabassist, der im Januar hier anfangen wird, kommt nicht aus Georgien. Im kommenden Jahr wird ein Bratscher ausscheiden. Diese Position wird dann genauso wie in der Vergangenheit ganz normal ausgeschrieben werden. Die Auswahl werden die Orchestermitglieder und der Chefdirigent treffen. Wichtig ist uns, dass sich die neuen Musiker in den spezifischen Klang unseres Orchesters einfügen. Ob sie dann Georgier sein werden oder nicht, ist letztlich nicht entscheidend. Wir hoffen natürlich, dass die Attraktivität der Orchesterstellen noch steigt durch höhere Gehälter, die wir dann zahlen können, wenn wir hoffentlich bald eine staatliche Förderung erhalten.

Wie ist denn der Verhandlungsstand mit dem Freistaat?

Köhler: Gestern rief mich ein Vertreter des zuständigen Ministeriums an. Der Zuschuss ist bisher noch in den entsprechenden Haushaltsentwürfen für 2010 eingeplant. Es besteht also durchaus die Hoffnung, dass das Orchester demnächst finanziell unterstützt wird.

Viele wichtige Solisten und Dirigenten der vergangenen Spielzeiten treten im Jubiläumsjahr auf – unter anderem auch der ehemalige Chefdirigent Markus Poschner. Warum wird die langjährige Leiterin des Orchesters, Liana Issakadze, nicht gastieren?

Köhler: Mit Liana Issakadze ist es sehr schwierig. Sie hat sich 1995 vom Orchester getrennt und seitdem kaum noch den Kontakt gehalten, eigentlich nur noch mit wenigen Orchestermitgliedern. Über diese Musiker haben wir versucht, mit Frau Issakadze ins Gespräch zu kommen, aber sie hat es abgelehnt, hier zu spielen. Offenbar hat sie endgültig die Brücke nach Ingolstadt abgebrochen.

Donaukurier
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