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Künstlergeschichten

erstellt am 12.05.2004 um 19:11 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 12:26 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Dem Blättern in einem sorgfältig geführten Familienalbum gleicht die Graupner-Ausstellung in der Ingolstädter Harderbastei. Bis zum 13. Juni werden in der Städtischen Galerie Wandteppiche, Bilder, Zeichnungen, Schmuck und Gerät gezeigt, alles aus einer Familie, die in Ingolstadt ihren Ausgang nahm: die Brüder Ernst und Hans Graupner, Annemarie, die Ehefrau von Ernst, und Qui-rin, der Sohn von Hans.
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Ernst Graupner, 1917 in Ingolstadt geboren, bekam bereits 1988 zu seinem 70. Geburtstag von seiner Vaterstadt eine große Ausstellung. Er starb 1989 in München. Von ihm stammen im Wesentlichen die Bilder und Zeichnungen in der Ausstellung. Werke aus den 50er Jahren verraten die Beschäftigung mit Paul Klee, Lovis Corinth, vielleicht auch mit Karl Hofer. Menschen seiner Zeit sind dargestellt. In ihren fast maskenhaften Gesichtern "zeigt sich eine Gesellschaft, die das, was hinter ihr liegt, noch nicht ganz überwunden hat" (Rudolf Koller).

Ernst Graupner setzt sich vor allem mit dem Figürlichen auseinander. Landschaften sind bis auf Ausnahmen selten. In "Apathie, 1980, Acryl auf Hartfaser" fließt die steinige Landschaft in den Raum im Vordergrund, wo der Mensch ohne Gesicht verharrt. Von besonderer Schönheit sind die Bleistiftzeichnungen, die mit Licht schier überschüttet sind. Sie sind leicht und lebhaft und sprechen doch von "Panik" und "Beton" (Titel).

Ernst Graupner war seit der Zeit im Ingolstädter Humanistischen Gymnasium eng befreundet mit Knut Schnurer und Rudolf Koller und war doch bestimmender Teil des Münchner Künstler- und Kunstlebens. 1972 erhielt er den "Seerosenpreis", davor das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Annemarie Graupner, geb. Baumgartner, studierte an der École des Beaux-Arts in Genf und von 1940 bis 1943 mit Ernst Graupner bei Hermann Kaspar und Julius Heß an der Münchner Akademie Malerei. Seit 1950 hat sie sich den Wandteppichen in Applikationstechnik verschrieben. Die letzten Bildteppiche sind in Form von Diptychen gestaltet. Der Bruch, die Zäsur wird zum Gestaltungselement. Im Nebeneinander baut sich eine Frage-Antwort-Beziehung auf, die das Thema zur Grundlage hat. In "Spiegelung, 1986/90, Diptychon, Stoffe auf Rupfen, je 150 x 133 cm" offenbaren sich sowohl die thematisch-inhaltliche wie auch die kompositorische Korrespondenz als überzeugendes Mittel. Die Vielschichtigkeit der Applikationstechnik ermöglicht immer wieder neue Kompositionsmöglichkeiten. Letztlich sind es aber die leuchtenden, kräftigen Farben der Stoffe, die so anziehend wirken, das gekonnte Spiel mit ihnen.

Der jüngste Bruder von Ernst Graupner leistete nach Abschluss der Schule seinen Kriegsdienst im letzten Aufgebot ab. Er war künstlerischer Autodidakt und arbeitete als Metallbildhauer, als Kunsthandwerker – besser als Künstler im Kunsthandwerk. Unter seinen vielen Exponaten gilt einem Werk besondere Beachtung, der "Tischuhr, ca.1960, Messing, Ebenholz". Sie verkörpert die Formvorliebe der 60er Jahre, die gute Designform der damaligen Zeit. Auch Zeichnung, Schmuck und Kleinplastik gehören zu den Werkbereichen des Künstlers. Hans Graupner starb 1985. Was ARCHE NOVA, Gerhard Polt, Dieter Hildebrandt, die Biermösl-Blosn oder Helmut Zöpfl mit Hans Graupner zu tun hatten, wird unterhaltsam im Katalog erzählt.

Quirin Graupner, der Sohn von Hans Graupn er, trat in die Fußstapfen des Vaters. Er wuchs in der Münchner Werkstatt des Vaters auf und besuchte danach die Staatliche Fachs chule für Schmuck in Neugablonz. Seine Arbeiten zeigen sichere Professionalität, Kunst und Können. Ob Ohrklipp, Brosche, Ring, Halsschmuck oder Zigarettendose, Kaf feekanne, Teekanne und Sakralgegenstände, alles strahlt Klarheit in der Form, Gediegen heit und Sicherheit im "guten Geschmack" aus. Das "Kreuz, 1966, Messing, Glas, Stei ne, 25 x 20 cm" ist solch eine "schöne" Arbeit.

Stefan Graupner, der Sohn von Ernst Graupner, lehrt in Würzburg Kunstpädagogik. Ihm ist das gelungene Konzept, das Zeit-, Lokal-, Familien- und Kunstgeschichte zu sammenführt, zu verdanken, ebenso der interessante Katalog, in dem Rudolf Koller bemerkt, dass es eigentlich keine Kunstge schichte gebe, sondern nur eine Künstler geschichte.

? Uli Seidler

Städtische Galerie, Harderbastei, bis 13. Juni, Di bis So 11 bis 18 Uhr.

Donaukurier
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