Freitag, 19. Oktober 2018
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Julia Mayr, Leiterin des Jungen Theaters Ingolstadt, über den Familientag beim Futurologischen Kongress

"Unsere Zuschauer sollen selbst aktiv werden"

Ingolstadt
erstellt am 12.06.2018 um 22:20 Uhr
aktualisiert am 16.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Als Spielzeug sind Roboter allgegenwärtig. Doch der Teddy, der so süß aus großen Kulleraugen glotzt, könnte sich auch als Spion entpuppen, der die Kinder abhören, ihre Daten abgreifen oder von Fremden via Smartphone gesteuert werden kann. Eine unschöne Vision vom Kinderzimmer der Zukunft? Nein, das gibt es schon längst in der Gegenwart.
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Julia Mayr, Leiterin des Jungen Theaters Ingolstadt.
Stadttheater Ingolstadt
Ingolstadt
Die damit verbundenen Gefahren werden beim Futurologischen Kongress in verschiedenen Vorträgen beleuchtet. Doch die Zukunft birgt auch unbegrenzte Möglichkeiten. Die Roboterrevolution verändert die Arbeitswelt, kann den Alltag in vielen Bereichen erleichtern. Das Junge Theater Ingolstadt unter der Leitung von Julia Mayr hat sich für den Familientag am Samstag ein umfangreiches Programm überlegt - mit zahlreichen Workshops, interaktiven Installationen und Geschichten.

Frau Mayr, als Kongress-Teilnehmer kommen einem Kinder nicht gleich in den Sinn. Andererseits betrifft die Zukunft unsere Kinder viel mehr als uns Erwachsene. Was hat sich das Junge Theater für ein Kinderprogramm beim "Futurologischen Kongress" ausgedacht?

Julia Mayr: Ja, die digitale Zukunft ist für Kinder und Jugendliche weniger Zukunft als schon gelebte Realität. Wir haben ein äußerst vielfältiges und wirklich spannendes Programm: eine begehbare Installation, zwei Vorträge, sehr interessante Workshops, eine Kinderlesung und eine Aufführung von "Frank Stein und Family". Das Zielpublikum sind Familien, also auch die Eltern. Die Installation im Kunstverein ist z.B. besonders für Erwachsene interessant.


 Sie sprechen von der "Gläsernen Wohnung". Wie sieht dort das Kinderzimmer der Zukunft denn aus - und was hat Sie da am meisten verblüfft?

Mayr: Für die Installation der Gläsernen Wohnung ist der Kunstverein verantwortlich. Es ist eine Mischung aus Museum und Theater. Ich freue mich sehr, dass wir hier mal übergreifend arbeiten können. Man kann eine abstrahierte Wohnung begehen, in der man auf verschiedene Alltagsobjekte trifft, die auf den ersten Blick völlig normal zu sein scheinen. Über einen Audioguide werden die Zuschauer in eine Geschichte hineingezogen und betreten eine zweite Ebene. Sie erfahren etwas über die Dinge, die sie nie für möglich gehalten hätten. Die Alltagsgegenstände werden Dinge in einer digitalisierten Welt.  "Enchanted objects", Zauberdinge, nennen wir sie. Mich hat da wirklich alles verblüfft. Es ist  sehr absurd, schräg, lustig und total erschreckend zugleich. Und nichts ist erfunden, alles schon Realität. Unglaublich.  Wussten Sie beispielsweise, dass es einen Regenschirm gibt, der einem durch Lichtzeichen mitteilt, ob man ihn braucht oder nicht? Und der in seiner Innenseite ein Navi besitzt und einem bei Bedarf den Weg weisen kann? Oder einen Papierkorb, der die weggeworfenen Lebensmittel automatisch gleich nachbestellt? Irre. Diese Installation wäre übrigens auch mein Geheimtipp beim Futurologischen Kongress.

 
Es gibt auch einen Vortrag von Stefan Hessel zum "Kinderzimmer der Zukunft".

Mayr: Am Ende der Installation betritt man schließlich das digitale Kinderzimmer, dort steht eine komplett überwachte Wiege , in der ein Baby liegt in Windeln mit Windel-voll-Alarm-Sensoren und Puls-mess-Söckchen. Man findet dort auch digitales Spielzeug, das sich mit dem Internet verbinden kann und somit zur zuckersüßen Wanze im Kinderzimmer wird. Darüber wird auch der Vortrag von Stefan Hessel gehen - wie groß die Sicherheitslücken bei sprechenden Puppen und getrackten Rucksäcken sind. Wie jeder sich einhacken und die digitalen Spielzeuge manipulieren kann. Gruselig. Nach seinem Rechtsgutachten wurde übrigens die internetfähige Spielzeugpuppe "My friend Cayla" vergangenes Jahr in Deutschland vom Markt genommen. Daran anknüpfend gibt es noch einen zweiten Vortrag, bei dem es um Big data und den gläsernen Menschen geht.


Das Programm reicht von "Robotergeschichten" und Tanztheater bis zu verschiedenen Workshops. Warum sind Ihnen gerade die Workshops so wichtig?

Mayr: Die Robotergeschichten werden die beiden Schauspieler Michael Amelung und Benjamin Kneser vorlesen, vom Tanztheater "Frank, Stein und Family" gibt es noch eine allerletzte Vorstellung und dann bieten wir noch fünf außergewöhnliche Workshops für jungen Menschen an - mit interessanten Workshopleitern aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Es war uns wichtig, dass unsere jungen Zuschauer selbst aktiv werden können.

 
Für "Future Fashion" haben Sie Sabine Faller vom ZKM gewinnen können. Hat Sie Ihnen verraten, wie die Mode im Jahr 2099 aussehen wird?

Mayr: In dem Workshop designen die Teilnehmer ihre eigene Zukunftsmode. Aus eigener Kleidung, Kostümresten, und einigen blinkenden Accessoires. Man wird alles selber entwerfen, nähen und basteln.

 
Wie sind Sie auf das Thema "Künstliche Stimmen" gekommen? Lehrt Matthias Meyer die Kinder zu sprechen wie Darth Vader?

Mayr: Matthias Meyer hat die Musik für "Die rote Zora" und "Der Junge mit dem Koffer" gemacht. Er hat uns zu diesem Workshop inspiriert. Ich glaube, hier wird viel experimentiert und rumprobiert. Und mit seiner "Zukunftsmusik" wird der Familientag auch ausklingen - mit einer kleinen musikalischen Performance mit seinem Wunder-Computer.
 

Es gibt auch einen Einblick in die Kryptographie für Jugendliche ab 14 Jahren.

Mayr: Bei dem Workshop über Kryptographie kann man die Grundlagen von Verschlüsselungsverfahren lernen. Also wie man geheime Codes erstellt und programmiert. Ein wirklich wichtiges Thema, wo doch so viele Daten und Informationen völlig offen zugänglich sind und damit auch Missbrauch betrieben werden kann. Den Workshop leitet Madonius vom Chaos Computer Club, ein echter Spezialist auf dem Gebiet. Er wird auch einen Vortrag über den gläsernen Menschen im Kunstverein halten.
 

Noch ein letzter Blick in die Zukunft: Was steht im Jahr 2099 auf dem Spielplan des Jungen Theaters Ingolstadt?

Mayr: Ich hoffe, dass das Theater sich immer weiter wandelt und verändert, dass es alle möglichen Formen ausprobiert und sich auch von den Veränderungen der digitalen Welt dahingehend inspirieren lässt. Aber ich hoffe auch, dass es sich immer bewahren wird, Geschichten zu erzählen, die zeitlos sind und in eine andere Welt entführen. Eine Welt jenseits der Realität. In eine Welt, in der wir nichts brauchen außer unsere Fantasie und Vorstellungskraft.

Family Day im Rahmen des Futurologischen Kongresses am Samstag, 16. Juni, ab 9 Uhr.

Familientag am Samstag

  • Kings of Robots – Programmieren ganz leicht (12 bis 13 Jahre), Leitung: Johann Schweiger, Workshop A: 9–9.45 Uhr Workshop B: 10–10.45 Uhr, Technische Hochschule Ingolstadt, Labor C107 (Treffpunkt: Haupteingang THI)
 
  • Robot Dance (ab 10 Jahren), Leitung: Rob Lawray, 11–12.30 Uhr, Probebühne 1 im Stadttheater (Treffpunkt: Werkstatt)
 
  • Kryptokarten verschlüsseln – Einblick in die Kryptographie (ab 14 Jahren), Leitung: Madonius, Chaos Computer Club, 11.30–13.30 Uhr, Raum 502, Neues Rathaus Ingolstadt (Treffpunkt: Haupteingang)
 
  • Künstliche Stimmen (8 bis 10 Jahre), Leitung: Matthias Meyer, 14–16 Uhr, Probebühne 1, Stadttheater Ingolstadt (Treffpunkt: Werkstatt)
 
  • Future Fashion (ab 7 Jahren), Leitung: Sabine Faller, ZKM, 14–16 Uhr, Junges Theater, Museumspädagogikraum
 
  • Digitales Kinderzimmer – eine begehbare Installation, 12–22 Uhr, Galerie des Kunstvereins, Stadttheater
 
  • Vortragsreihe ab 14 Uhr Werkstattfoyer: „Das Kinderzimmer der Zukunft – digital, vernetzt und gefährlich?“ Vortrag von Stefan Hessel, „Big Data – Der gläserne Mensch“, Vortrag von Madonius
 
  • Robotergeschichten (ab 6 Jahren) mit Benjamin Kneser und Michael Amelung, 16.30 Uhr im Foyer der Werkstatt Frank Stein und Family – (K)ein Science-Fiction-Tanztheater (ab 10 Jahren), 18 Uhr
 
  • Werkstatt (Kaufkarten an der Theaterkasse)
 
  • Aftershowparty: Digitale-Musik-Performance mit Matthias Meyer, ab 19 Uhr, Werkstattfoyer


Es gibt noch Restplätze für die Workshops, Anmeldung bei nicole.titus@ingolstadt.de.
Anja Witzke
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