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Die neue BR-Serie "Servus Baby" klingt ein bisschen wie "Sex and the City" - spielt allerdings nicht in New York, sondern in München

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

München
erstellt am 10.09.2018 um 17:36 Uhr
aktualisiert am 10.09.2018 um 17:36 Uhr | x gelesen
München (DK) Lou, Mel, Eve und Tati sind Frauen um die 30, beste Freundinnen, Singles (oder es gerade geworden), leben zwischen Gefühlschaos und Sinnsuche, Irrungen und Wirrungen, hören die biologische Uhr ticken, sind auf der Suche nach dem Mann des Lebens.
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Alle vier verkörpern Ste-reotype und erleben die Vorteile (Nachtleben) und Nachteile (Wohnungssuche) einer Großstadt.

Klingt ein wenig nach "Sex and the City". Da hießen die Mädels Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte, die Stadt war New York, und Männer waren Objekte der Begierde. Doch es gab noch kein Tinder oder Facebook und keine ständige Erreichbarkeit. In der neuen Miniserie des Bayerischen Rundfunks "Servus Baby" ist das anders. Sie ist nicht so sehr wie angekündigt die Münchner Variante der US-Erfolgsserie, sondern ein kleines, feines Beispiel dafür, dass man witzig und frech, lokal und dennoch über den Horizont hinaus erzählen kann.

In der BR-Mediathek sind die vier Folgen bereits verfügbar, heute laufen sie hintereinander zur besten Sendezeit im 3. Programm. Das Besondere an der Serie ist, dass in jeder der vier 30-minütigen Episoden eine der vier Frauen in den Mittelpunkt rückt. Geschrieben und inszeniert hat die Serie Natalie Spinell, Co-Autor ist Felix Hellmann. Für die Regisseurin war der Pilotfilm die Abschlussarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen München (HFF), die Miniserie ist ihr Debüt.

"Es gibt so viele junge Frauen, die denken, der Zug sei bereits abgefahren. Umso mehr wollen sie ihn aufhalten und ,Nägel mit Köpfen machen', nicht zuletzt wegen der biologischen Uhr. Diese Probleme bieten tragikomisches Potential und verdienen gesellschaftlich eine Auflockerung", sagt Spinelli. "Mir war vor allem wichtig: Je schlimmer die Situationen, desto weniger soll der Zuschauer wissen, ob er mitleiden oder mitlachen soll. Ich bin Fan eines direkten, teils schwarzen Humors, der den Zuschauer immer wieder unvorbe-reitet trifft und kurz den Atem stocken lässt. "
Vier Frauen um die 30 im Münchner Großstadtleben: Josephine Ehlert als Lou (unten), Genija Rykova als Mel, Teresa Rizos als Eve und Xenia Tilling als Tati.
Vier Frauen um die 30 im Münchner Großstadtleben: Josephine Ehlert als Lou (unten), Genija Rykova als Mel, Teresa Rizos als Eve und Xenia Tilling als Tati.
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Und so schickt die Autorin und Regisseurin ihr Mädelsquartett auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. In der ersten Folge steht Lou im Zentrum der Handlung. Sie wird 30, doch nach der Feier verlässt ihr Freund Domi sie, wegen ihrer Arbeitskollegin Annabelle, die zudem noch ein Kind von ihm erwartet. Freund weg, Wohnung weg. Was nun? Ihre Freundinnen stehen ihr bei.

Mel ist Gynäkologin, wirkt unnahbar (ein verschrobener Arztkollege baggert an ihr) und selbstbewusst, ist bei Tinder un-terwegs, will "endlich mal wieder einen Orgasmus". Eve mag es, "wenn das mit der Liebe so anfängt", deshalb zieht sie nicht mit Basti zusammen, sondern macht Schluss. Kindergärtnerin Tati hat einen prima Draht zu Jungs, doch sie ist für die nicht begehrenswertes Objekt, sondern immer nur ewiger Best-Buddy.

Josephine Ehlert, Genija Rykova, Teresa Rizos und Xenia Tiling spielen die vier Suchenden in Sachen Liebe, Fortpflanzungspartner und Karriere durchweg sympathisch, charmant und treffend. Frisch und frech, schnörkellos und schwungvoll ist "Servus Baby". Gute Dialoge, gelungene Situationskomik und auch schöne ruhige Momente hat die Serie. Aber auch ein Manko: Durch die Kürze der Episoden kommen die Figuren zu kurz. Ein wenig mehr würde man gerne noch erfahren über Lou, Mel, Eve und Tati. Aber vielleicht gibt's ja eine Fortsetzung.

Servus Baby, vier Folgen, heute, Dienstag, im Bayerischen Fernsehen, ab 20.15 Uhr.
Volker Bergmeister
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