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Der Eichstätter Autor Akos Doma hatte bisher besonders großen Erfolg mit seinem Roman "Der Weg der Wünsche"

"Manchmal bräuchte man einen Doppelgänger"

Eichstätt
erstellt am 14.03.2018 um 18:25 Uhr
aktualisiert am 14.03.2018 um 20:36 Uhr | x gelesen
Eichstätt (DK) Der Erfolg kam völlig überraschend: Akos Doma war gerade aus dem Urlaub in Griechenland nach Hause gekommen, als dort der Anrufbeantworter bereits akustisch überquoll. So erfuhr er an einem Tag im August 2016 spät nachts, dass sein soeben neu erschienener Roman "Der Weg der Wünsche" es schon am Vortag auf die Longlist der 20 besten Bücher des Jahres geschafft hatte.
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Eichstätt: "Manchmal bräuchte man einen Doppelgänger"
Akos Doma lebt seit 1986 in Eichstätt, aufgewachsen ist er in Budapest. - Foto: Buckl
Eichstätt

Vergeblich hatten Freunde, Verwandte und sein Verlag ihn am Telefon zu erreichen versucht. Ein Handy besitzt er nicht.

Ob er wirklich nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet, ihn nicht vielleicht sogar erhofft hatte? "Nein, überhaupt nicht", beteuert der 1963 in Budapest geborene Autor, der in Ungarn aufwuchs, im Alter von 14 mit seiner Familie nach Italien floh, dann nach England kam und in Amberg 1984 das Abitur machte. 1986 zog er nach Eichstätt, wo er seitdem mit seiner Frau und drei erwachsenen Söhnen lebt: "Das Kriterium Erfolg war mir gar nicht bewusst, für mich geht es immer nur um das Schreiben!" Dies sagt er, ohne offenbar an die vielen Preise und Stipendien zu denken, die ihm bereits zugesprochen worden sind.

Die Longlist öffnete ihm viele Türen: Heute wird Domas Alltag stark von Lesungen und Schreib-Workshops dominiert. An einen Auftritt erinnert er sich sehr gern: Bei einer "Blind Date"-Lesung vor 160 Bankern im Zentralgebäude der Deutschen Bank Frankfurt wusste das Publikum nicht, welchen Autor der Börsenverein des Deutschen Buchhandels präsentieren würde. Seine Lesung hatte eine unerwartete Wirkung: Die Bank bestellte das Buch als Weihnachtsgeschenk für ihre Pensionisten - 3200 Exemplare mussten nachgedruckt werden.

Solche "unverhofften Seiten plötzlicher Aufmerksamkeit" waren Doma neu: Es gab nun Einladungen nach Leipzig, Kiel und Lüneburg, nach Rostock, Dortmund, Stuttgart, Frankfurt, auch ins Ausland - nach Leuven, Prag, Brüssel und Paris, ins Burgenland und in die Ukraine. Nur in der Nähe haben seine Lesereisen Lücken: "In Neuburg war ich noch nie eingeladen!"

Bislang sah sich der Autor "als Konstrukteur" seiner Geschichten, die Recherche "macht viel Spaß". Bei einem neuen Roman, der derzeit entsteht, ist das anders. Doma verrät nur ungern Pläne, lässt sich aber immerhin entlocken, dass es in dem Buch um eine Mann/Frau-Beziehung geht, "doch die Handlung ist eher sekundär: Es wird nicht einfach eine Geschichte heruntererzählt, die Form spielt hier eine viel größere Rolle". Erstmals wolle er sich "von der Geschichte führen lassen" und könne gar nicht sicher sagen, "ob aus dem Roman wirklich was wird". Doch führt ihn dabei auch Wilhelm Trapp, der Doma im Rowohlt-Verlag betreut ("ein wunderbarer Lektor!") und immer wieder Manuskript-Happen zu lesen bekommt.

Und der Eichstätter Schriftsteller hat weitere Pläne in der Schublade, die ihn auszuführen reizen: Stoff zu einer Ost/West-Liebesgeschichte biete etwa eine studentische DDR-Fahrt der Uni Eichstätt im Sommer 1989. Ein Theaterstück ("Verhängnis 68") ist auch schon geschrieben, aber noch nicht publiziert, fertiggestellt im vorigen Herbst. Ob er sich selbst auch als Lyriker vorstellen kann? Die Antwort kommt rasch: "Ich liebe Lyrik über alles, sie ist die höchste, konzentrierteste Form von Literatur, kein Wort darf zu viel sein." Aber: "Wir leben in einer total prosaischen Zeit", für ihn komme die Gattung nicht infrage: "Da müsste ich mich aus der Welt ausklinken und irgendwo an einem Meeresstrand sitzen!" Das wäre kaum mit seiner üblichen Arbeitsweise zu kombinieren: Doma ist nächstens kreativ, bis hin zum Morgen. Dass dies schwer mit dem Familienleben vereinbar ist, gibt er zu: "Familie und Schreiben, das ist je ein ganzes Leben. Manchmal bräuchte man einen Doppelgänger!" Gespannt ist Doma auf die Zukunft: Wie wohl die ungarische Übersetzung seines Romans über die Flucht aus Ungarn in der alten Heimat ankommen werde? Diese soll, angefertigt von einer ungarischen Autorin, im Frühjahr im renommierten Verlag "Európa Kiadó" erscheinen. "Die Ungarn haben ihre eigenen Leute", meint Doma. Er gehöre sicher nicht zur ungarischen Literatur. Dafür müsse er aber jetzt nicht mehr an seinem Deutsch arbeiten, das früher vieler Korrekturen bedurfte, das sei jetzt kein Thema mehr: "Die Zeit des Schreibens verkürzt sich so." Träumt er auf Deutsch oder Ungarisch? Das wisse er nicht, "im Moment des Erwachens ist der Traum weg". Er könne jetzt jedenfalls schneller arbeiten als früher - denn eine Arbeit, ja, das sei Schreiben für ihn: Er sehe sein Tun als "Beruf wie jeden anderen auch, wie Arzt, Lehrer oder Steuerberater: Ich mystifiziere das nicht und bin da sehr unromantisch". Man darf also gespannt darauf sein, welches Produkt sein Schreibhandwerk als Nächstes abwerfen wird.

Von Walter Buckl
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