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Der Geschmack vom Leben

erstellt am 24.09.2007 um 21:13 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:38 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Am kommenden Freitag um 18 Uhr feiert das erste Jugendstück der Saison Premiere im Kleinen Haus – übrigens als Uraufführung. "Du siehst Gespenster" heißt das Stück des mehrfach preisgekrönten Jugendtheater-Autors Jörg Menke-Peitzmeyer (Foto), das seinen Ausgangspunkt in einer Krebsstation nimmt. Dort erhält die todkranke Lena seltsamen Besuch von "Angie". Ist Angie ein Engel? Man spricht, streitet und eifersüchtelt, denn auch "Angie" verliebt sich in den Krankenpfleger Micha. Mit Susanne Engelhardt, Eva Rodekirchen und Aurel Bereuter inszeniert Regisseur Jürg Schlachter das Stück für Zuschauer ab zwölf Jahren. Wie, darauf ist auch Jörg Menke-Peitzmeyer gespannt. Karin Derstroff sprach mit ihm.
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18-25gespenster
Eine Begegnung der ungewöhnlichen Art: Angie (Eva Rodekirchen) sitzt an Lenas (Susanne Engelhardt) Krankenbett. "Du siehst Gespenster" ist ein Stück für Zuschauer ab zwölf Jahren.? Prob - foto: Olma

In Ihrem Stück geht es um ein 15-jähriges Mädchen, das im Sterben liegt. Wieso so ein Thema für ein Jugendtheater

Jörg Menke-Peitzmeyer: Mich hat immer schon interessiert ein Stück zu schreiben im weitesten Sinne über Spiritualität oder Transzendenz. Man ist im Jugendtheater gerade mit Fragen des Sozialen beschäftigt, die Figuren definieren sich über ihre Eltern, ihre soziale Herkunft. Ich wollte aus diesem Schema raus. Und diese Fragen, die aufgeworfen werden, stellen sich meistens kurz vor dem Tod. Das ist deshalb die Grundsituation.

Drei junge Wesen sind die Protagonisten Ihres Stücks: die kranke Lena, der Engel Angie und der quicklebendige Krankenpfleger Micha. Drei Seinszustände des Lebens treffen sich – was für eine Begegnung spielt sich da ab

Menke-Peitzmeyer: Eine reale spielt sich ab zwischen Micha und Lena. Und dieses seltsame Wesen – Engel, Gespenst, das ist ja offen gelassen – was ist das für ein Gegenüber? Vielleicht doch die Ahnung von etwas Spirituellem. Eine spirituelle Begegnung womöglich.

Angie – tatsächlich die span-nendeste Figur. Was war Ihnen wichtig bei der Charakterisierung dieses "Geistes"? Flügel hat Angie jedenfalls nicht.

Menke-Peitzmeyer: Mir ging’s darum: Wenn ich etwas erzähle über einen Engel, dann nur, wenn dieser Engel so irdisch wie möglich ist. So ein bisschen die Identität eines Provinzpunks aus Eckernförde hat, wird ja am Anfang gesagt. Je mehr ein Engel nach Engel aussieht, umso gefährlicher wird es, wenn man so eine Geschichte erzählt. Deshalb dachte ich, man macht sie am besten in ihrer überirdischen Existenz so unkenntlich wie möglich. Und eigentlich ist ja Lena durch ihre Krankenhauskleidung und ihre Krankheit – irgendwann sagt sie "meine Schulterblätter sind so spitz, die können glatt als Flügel durchgehen" – also eigentlich ist sie auf dem Weg in die andere Existenz.

Ihr Stück lebt von Monologen, die durchaus auch witzig sind, gerade weil alle Figuren jung sind. Als 41-Jähriger: Wie bleiben Sie dran an diesem jugendlichen Nerv, an der jugendlichen Sprache

Menke-Peitzmeyer: Ich hab natürlich ein bisschen Umgang mit Jugendlichen, aber nicht mehr als jeder andere Mensch in meinem Alter. Die meisten meiner Protagonisten sind so 15, 16 Jahre alt – das ist eine Zeit, die mir noch sehr vertraut ist, und von der auch jetzt noch was in mir drinsteckt. Das ist ja eine Zeit, in der noch alles offen ist, eine gewisse Radikalität da ist, und die pflegt man auch so. Ich merke das manchmal im Umgang mit Freunden, die ich lange kenne. Da kommt plötzlich ein Jargon auf, den man sich bewahrt hat, und der dann mit Sachen, die bei Jugendlichen gerade in sind, angereichert wird.

Sie selbst sind ausgebildeter Schauspieler und wissen schon beim Schreiben, welche Anforderungen die Rollen an die Darsteller stellen. Was wür- den Sie Eva Rodekirchen und Susanne Engelhardt raten

Menke-Peitzmeyer: Ich hab das Stück ziemlich eruptiv geschrieben, ohne lange vorherige Planung, es ist aus mir herausgebrochen. Und es steckt ja auch eine große Verzweiflung drin. Auch sprachlich gibt’s ein paar gefährliche Vergleiche oder sie schießen über das Ziel hinaus – wenn das drin wäre, wenn es so ein Zucken hätte, das wär mir sehr recht. (Lacht.) Aber das kann ich vor der Premiere schlecht sagen: Ich hab keine Ahnung, wie es wird, weil ich nicht bei der Probe dabei war, und es wäre sicher nervig und verunsichernd für die Schauspieler, wenn ich jetzt Wünsche äußere.

Also kein Mitmischen bei der Uraufführung

Menke-Peitzmeyer: Es gab schon früher interessante Gespräche über den Text mit dem Regisseur Jürg Schlachter und dem Dramaturgen Thomas Schwarzer. Dazu war ich in Ingolstadt, und wir haben uns lange unterhalten. Allerdings nicht in dem Sinn von "Das muss so und so uraufgeführt werden". Wir haben über den Text diskutiert und noch ein bisschen was geändert.

Was wünschen Sie sich persönlich für den Uraufführungsabend

Menke-Peitzmeyer: Eine gute Anreise (lacht). Und das, was ich vorher gesagt habe. Diese Lena ist ja noch sehr lebendig, Sexualität ist ein Thema. Als ich das Stück anfing, hatte ich es als Kinderstück mit einer Zehnjährigen konzipiert, aber dann ist es nach oben gerutscht, und diese Lena, die hat schon so einen Geschmack vom Leben auf dem Mund. Das macht die Sache verzweifelter, und wenn das seinen Ausdruck fände, also das wäre toll.

Premiere ist am 28. September um 18 Uhr im Kleinen Haus.

Donaukurier
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