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Donald Duck im Spiegel der Kunst

erstellt am 04.05.2004 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 12:27 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Wie kommt eine amerikanische Ente in das Bauerngerätemuseum Hundszell? "Uns interessiert alles, was auf dem Lande gelebt und gearbeitet hat", sagt Max Böhm, verantwortlich für das hiesige Bauerngerätemuseum. Und verweist auf unterschiedliche Theorien zur Herkunft der Duck-Dynastie. Nach der einen (durch akribische Heftanalyse belegt) stammen die Ducks aus dem schottischen Hochmoor, andere Autoren verlegen sie - im Hinblick auf Dagoberts sagenhaften Geiz – ins Schwäbische. Und von dort nach Ingolstadt ist es nur noch ein kleiner Gedankensprung. Denn wo, bitteschön, sind diese beiden Unternehmen angesiedelt, die weltweit die "Geilheit des Geizes" apostrophieren oder die "Mutter aller Schnäppchen" zur Arbeit schicken? Max Böhm bringt es tatsächlich fertig, seine Ausführungen ganz wissenschaftlich klingen zu lassen. Erst jetzt breitet sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus: Wenn er dem Besucher weis machen will, dass die offensive Verwendung der weißblauen Farben im Outfit die Ente eindeutig in Bayern verwurzelt. Und deshalb darf ein sehr entspannt wirkendes Donald-Duck-Modell seine Füße auf echten Hundszeller Kies spreizen und sich in Hundszeller Naturbetrachtungen ergehen.
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Lange schon war eine Donald-Duck-Ausstellung in Ingolstadt geplant. Zum 70. Geburstag der Ente (am 9. Juni 1934 war Carl Barks Geschöpf zum ersten mal in dem Disney-Film "The Wise Little Hen" zu sehen) klappte es endlich. Die Schau ist zweigeteilt, präsentiert im ersten Raum unter dem Titel "Ein Landei macht Karriere" den phänomenalen Aufstieg der kleinen Comic-Ente (das Babyfoto: ein Ei), ihre Familie, Freunde und Gegner aus Entenhausen bis zum heutigen Filmstar. Aus etwa 2000 Exponaten (dazu kommen noch etwa 3500 Hefte) konnten die Ausstellungsmacher auswählen, so groß ist nämlich die "Duckiana"- Sammlung des einzigen Ingolstädter Donalisten der etwa 500 Mitglieder umfassenden Gemeinde ("Sympathisanten gibt es da wesentlich mehr"). Gerhard Severin ist von Beruf Jugendrichter und bringt in seiner 43-Quadratmeter-Wohnung das komplette Duck-Arsenal unter. Ein paar Fotos in der Ausstellung geben den Beweis.

Zum Ortstermin erscheint er natürlich im Donald-Duck-T-Shirt - und bringt den verschollenen dritten Duck-Neffen (Tick? Trick? Track?) mit.

Warum fängt man an, Donald-Duck-Sachen zu sammeln? Gerhard Severin zögert nicht: "Weil er so menschlich ist und man sich gern mit ihm beschäftigt." Etwa 1994 hat er "ernsthaften Kontakt" zu den Donalisten bekommen, hat deren Zeitung gelesen – "wissenschaftliche Beiträge über Entenhausen und was dort alles so vorgeht" –, und war von der Materie sofort fasziniert. Musste aber einsehen, dass ihm das ganze Hintergrundwissen fehlt. Er kaufte die Hefte, suchte Bilder, stöberte durch Flohmärkte und Geschäfte, beauftragte Freunde, nach Donald-Material Ausschau zu halten, und sammelte: Donald-Figuren in unterschiedlichen Materialen und Größen, Spielzeug, Werbeträger (für Kaba, Fanta, Nutella), ein verziertes Kaffeeservice aus Sachsen (das noch zu DDR-Zeiten entstand), Kravatten und Schlafanzug, Nussknacker und Badeutensilien, Seifenschalen, Zahnbürsten, Parfum aus blauen Donald-Flaschen, Serviettenringe und Teekannen, italienische Autos aus den 60er Jahren, diverse Gesellschaftsspiele und Manschettenknöpfe ("meine einzigen").

Im zweiten Raum kommt die Kunst ins Spiel: Der Ingolstädter Kunstpreisträger Matthias Schlüter hat sich schon in den 70er Jahren mit Donald Duck beschäftigt. Ein Foto zeigt ihn sogar als kleinen Buben mit seinem Bruder, die mit der Mutter ein Comic-Heft angucken. 1975 hat er – wohl für eine Ausstellung – sogar ein Titelblatt entworfen "Schlüters Micky Maus". "Schon früh hat Donald Duck meine persönliche Sichtweise in Sachen Kunst beeinflusst", schreibt Schlüter und zeigt knapp 40 Meisterstücke der Entenkunst, indem er die großen Werke der Kunstgeschichte parodiert und imitiert: "Donald trifft . . ." Paul Klee und Fernand Legér, Gabriele Münter und Pablo Picasso, René Magritte und Francis Bacon, Salvador Dalí und Jan Vermeer, Joan Miró und Yves Klein – und ist ganz versessen auf Andy Warhols Dosensuppen, die hier zur "Duck Soup" umfunktioniert wurde.

Also: Unbedingt anschauen. Und ansonsten strikt nach Donalds windigen Weisheiten leben : "Vielleicht, wenn ich mich hier hinsetze und auf die Sumpfhühner starre, die im Sumpf rumsumpfen, vermeide ich allen Ärger." ? Anja Witzke

Bauerngerätemuseum Hundszell: Di bis Fr 9 bis 12 Uhr, So und Fei 14 bis 17 Uhr. In der Schau laufen Donald-Duck-Filme. Am 9. Juni steigt um 15 Uhr eine große Geburtstagparty mit Torte, Musik und einem Flohmarkt.

Donaukurier
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