Sonntag, 21. Oktober 2018
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Von Single-Socken bis Alterssturheit: Roland Hefter begeistert in der Neuen Welt in Ingolstadt

Mitten aus dem Leben

Ingolstadt
erstellt am 04.10.2018 um 19:55 Uhr
aktualisiert am 12.10.2018 um 22:21 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der da gut gelaunt auf der Bühne der ausverkauften Neuen Welt steht und das Publikum nicht nur einmal zum Schmunzeln und zum herzlichen Lachen bringt, ist seit Kurzem auch ein You-Tube- und Facebook-Star.
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Am 26. September ging das Video "Mia ned! " der Initiative "Künstler mit Herz" mit Roland Hefter als Frontman mit Gitarre online. Seitdem wurde der Clip für ein tolerantes Bayern und gegen die AfD allein auf der Facebook-Seite des bayerischen Liedermachers und Kabarettisten fast zwei Millionen Mal geklickt. Und es werden immer mehr. Von diesem Coup erzählt Hefter in Ingolstadt aber erst nach der Pause.

Davor und danach begeistert der 50-Jährige mit seinem entwaffnend offenen, herrlich hintersinnigen und trefflich lebensnahen Beobachtungen. Ein unterhaltsamer Rundumschlag ist das, der von wilden Jugendjahren bis zur Alterssturheit, von Single-Socken bis zu Sex reicht, Hefter weiß von Neid und Niederlagen, von Wünschen und Träumen zu erzählen. Auf jeden Fall: mitten aus dem Leben. Das ist mal derb, mal versöhnlich, mal schonungslos, mal vergnüglich, mal nostalgisch, mal peppig. Stets aber mit bayerischer Lässigkeit und einem Schuss unerschütterlichem Optimismus. "Des werd scho no. Die Hoffnung stirbt zuletzt" heißt denn auch die neue Solo-CD Hefters, den viele auch als Mitglied der Rockband "Isarriders" oder von seinen Auftritten mit der Gruppe "Drei Männer nur mit Gitarre" kennen.
Sympathisch und mitreißend: Der bayerische Liedermacher und Kabarettist Roland Hefter in der Neuen Welt.
Sympathisch und mitreißend: Der bayerische Liedermacher und Kabarettist Roland Hefter in der Neuen Welt.
Fehr
Ingolstadt



An diesem Abend steht der Hüne mit den langen Haaren alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne, erzählt mit sympathischer und lausbübischer Art seine Anekdoten und animiert das Publikum ein und das andere Mal zum fröhlichen Mitklatschen. Wie viele CDs Hefter nach dem Konzert verkauft hat, ist nicht übermittelt. Zwei Euro für jedes Albums gehen auf jeden Fall an den Münchner Verein "Ein Herz für Rentner". Außerdem verkauft der Lebenskünstler Fußmatten. "As Leben ist eh scho schwer, und jetzt kimmst Du daher! ", steht da in schnörkeliger Schrift geschrieben. - Dieser Abend war auf jeden Fall das Gegenteil. Und Hefter kann gerne wieder einmal nach Ingolstadt kommen.
 

Viraler Hit: „Zammrucken statt rechtsrucken!“ 

Es ist so etwas wie der Song zur bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober. Innerhalb weniger Tage hat sich das Video „Mia ned!“ zum viralen Hit entwickelt. Fast  zwei Millionen Mal wurde der  Clip der  „Künstler mit Herz“ schon angeklickt. Einer Initiative – gegründet von der Schauspielerin Johanna Bittenbinder und dem Kabarettisten Harry Helfrich – der sich inzwischen mehr als 120  kunst- kultur- und medienschaffende Menschen angeschlossen haben und  die sich für ein buntes, tolerantes, weltoffenes Bayern einsetzen und gemeinsam ihre Stimme gegen den Rechtsruck in Bayern, Deutschland und Europa erheben wollen. Es geht um „zammrucken statt rechtsrucken!“
 
Dass sich das Video   dermaßen verbreitet hat, habe man nicht erwartet, sagt Roland Hefter in der Pause des Konzerts in der Neuen Welt. Und auch wenn er als Frontmann vorneweg geht und es sein Lied ist,  gibt er sich bescheiden:  „Es ist ein  Gemeinschaftsprojekt. Jeder hat etwas dazu beigetragen.“  Die Story zum  beschwingt fröhlichen  Ohrwurm ist diese:  Roland Hefter, der auf dem Weg durch München das Wahlprogramm der AfD auseinandernimmt – es geht um Gleichberechtigung,  Klimaschutz, Homosexualität, Inklusion,  Kultur, Kirche  und Waffengesetze – schließen sich   viele bekannte Künstler an. Am  Ende  tanzen sie alle ausgelassen  und stimmen in einen  Chor ein: „Wer ah auch bei der AfD mal schnell sei‘ Kreizl macht, der hat, warum auch immer, a bissl wenig nachgedacht. Der soll sich aber bitte ganz genau mal überleg‘n: Wui‘a in a'm Bayern wie‘s die AfD mag, leb‘n? – Mia ned!" 
Mai ned! Künstler mit Herz

Mit dabei in dem großen Reigen sind unter anderem Michaela May, Eisi Gulp und Michi Altinger,  Sepp Schauer,  Tommy Schwimmer und Ferdinand Schmidt-Modrow, die inzwischen ein weiteres  Video online gestellt haben. In „Servus„ schlendern die beiden Schauspieler  durch München und begrüßen ganz selbstverständlich alle, denen sie begegnen. Den Skateboarder und den Asiaten, die Touristen und die Frau mit Kopftuch. „Servus“ an alle.  Es lebe die Vielfalt. So die Botschaft.  
Die Initiative und die Videos erfahren   erwartungsgemäß nicht nur Zuspruch. „Es gibt auch weniger schöne Kommentare“, sagt Roland Hefter. 
 
Eine  Empfehlung, für eine bestimmte andere Partei die Stimme abzugeben, gibt es im Video „Mia ned!“ übrigens nicht. Es sei fast egal, wen man wähle: „Hauptsache eine Partei, die das Land nicht spalten will.“
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Katrin Fehr
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