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Nach kritischem Interview sagt Veranstalter "Salamu" ab - Hellmschrott: Musik gegen Skandalpolitik der CSU

Kein Friedenskonzert im Ingolstädter Münster

Ingolstadt
erstellt am 26.07.2018 um 19:18 Uhr
aktualisiert am 27.07.2018 um 11:34 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Völlig überraschend hat der Verein Freunde der Musik am Ingolstädter Münster ein für diesen Sonntag geplantes Konzert mit einer Aufführung des neuen Werks "Salamu" von Robert Maximilian Helmschrott abgesagt. Der Verzicht auf die Aufführung hat politische Gründe.
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Robert Maximilian Helmschrott
Andrea Hammerl
Ingolstadt
Franz-Josef Paefgen, Vorsitzender des Vereins Freunde der Musik am Münster, fiel gestern aus allen Wolken, als er in unserer Zeitung das Interview mit dem bekannten Komponisten Robert Maximilian Helmschrott las.
 
 
Er wusste natürlich, dass am Sonntag eine Uraufführung des Münchners auf dem Programm stand und dass es dabei um den Dreißigjährigen Krieg gehen würde. Aber dass die Musik, die Helmschrott als "Wutmusik" bezeichnete, so massiv politisch sein würde und die Flüchtlingspolitik der CSU kritisieren würde, war ihm nicht bekannt. Als ihn Münsterpfarrer Bernhard Oswald dann anrief, war er sofort bereit, die Premiere zu stoppen. "Wir mussten etwas tun. Ich habe ihm zugestimmt, dass wir eine solche politische Diskussion in der Kirche nicht haben wollen. Die Pfarrei hat uns schließlich darum gebeten, auf Aufführungen mit politischem Inhalt in der Kirche zu verzichten."
 
Empört über die Entscheidung ist Robert Maximilian Helmschrott (79). Der emeritierte Professor leitete zeitweilig die Münchner Musikhochschule und gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Kirchenkomponisten. Viele seiner Werke wurden in Ingolstadt aufgeführt. In einem Brief an den Münsterpfarrer Oswald, der der Redaktion vorliegt, schrieb er gestern, dass politische Kritik "in Ingolstadt im Moment offensichtlich nicht erwünscht" sei. Verärgert ist er besonders, da mit ihm offiziell überhaupt nicht gesprochen wurde. Die Konzertabsage entnahm er der Homepage des Münsters. Helmschrott wundert sich auch darüber, dass sich der Streit gerade an einem Werk entzündet, in dem es in erster Linie um den Weltfrieden gehe. "Dieses Aufführungsverbot kann nicht ohne Diskussion bleiben, denn es wurde damit eine ,künstlerische Kompetenz' zur freien Rede" verboten.

Über die geplante Rezitation des Gedichts von Friedrich Ani, der besonders als Krimiautor bekannt ist, hätte man mit ihm reden können. Ani kritisiert darin mit scharfen Worten Horste Seehofer (CSU) für seine Flüchtlingspolitik. Er hätte nicht auf die Lesung bestanden, sagte Helmschrott gestern.

In einer Voraufführung zur Uraufführung am vergangenen Wochenende in Herford hätte man mit dem evangelischen Pfarrer dort auch über diese Thematik diskutiert und schießlich davon abgesehen, das Gedicht vorzutragen.

Verärgert sind auch die beteiligten Musiker. Die Geigerin Theona Gubba-Chkheidze hätte sich gewünscht, das Stück aufzuführen. Und der Trompeter und Kabarettist Christoph Well ist allein deswegen schon enttäuscht, weil er sich seit drei Wochen intensiv auf das Konzert vorbereitet habe. "Wer zahlt mir das? ", fragt er. "Die Freiheit der Kunst ist mühsam erkämpft worden. Wenn Helmschrott seine Kritik in Noten fasst, dann ist das Kunst und damit schützenswert. " Gerade die katholische Kirche habe den Künstlern oft in der Geschichte einen großen Freiraum gewährt. Aber er sei sich sicher, dass das Werk noch aufgeführt werde. "Vielleicht bekommen wir in einer Moschee oder bei den Evangelen Kirchenasyl. Asyl für Noten", sagte Well gestern.

 
Jesko Schulze-Reimpell
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