Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Bassist Klaus Voormann gibt seinen Musikpreis zurück - Kritik auch von anderen Musikern

Eklat nach der Echo-Verleihung weitet sich aus

Berlin
erstellt am 17.04.2018 um 15:25 Uhr
aktualisiert am 16.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Berlin (DK) Die diesjährige Echo-Verleihung sorgt noch immer für Gesprächsstoff, denn nach dem Notos Quartett hat nun auch der Musiker Klaus Voormann seinen Echo zurückgegeben. Der Grund dafür ist die Auszeichnung der Rapper Farid Bang und Kollegah, die mit Textzeilen wie "Mein Körper ist definierter als von Ausschwitzinsassen" bereits im Vorfeld der Preisverleihung in der Kritik standen.
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Echo 2018
Klaus Voormann bekam den Echo Lebenswerk bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises überreicht.
Jörg Carstensen (dpa)
Berlin
Es war wohl einer der emotionalsten Momente, als der Bassist Klaus Voormann am Donnerstag den Echo fürs Lebenswerk erhielt. Der Musiker und Grafiker arbeitete bereits mit Legenden wie John Lennon und Manfred Mann zusammen. Mit einem breiten Lächeln nahm der 79-Jährige seinen Preis von Musikerkollege Wolfgang Niedecken entgegen und war sichtlich stolz darauf. 

Am Montag gab er seinen Preis zurück. Mit dieser Entscheidung wolle er "sein Unverständnis ausdrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen", sagte Voormann gegenüber Spiegel Online. Bereits am Wochenende hatte das im vergangenen Jahr mit dem Echo-Klassik-Nachwuchspreis ausgezeichnete Notos Quartett seinen Preis zurückgegeben. 

Echo 2018
Kollegah (rechts) und Farid Bang erhielten den Echo in der Kategorie Album des Jahres.
Jörg Carstensen (dpa)
Berlin

Hintergrund ist der Echo fürs Album "Jung, brutal, gutaussehend" der Rapper Farid Bang und Kollegah. Dabei war bereits die Nominierung umstritten. Mit Textzeilen wie "Mein Körper ist definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow" gab es im Vorfeld Kritik. Doch die Echo-Verantwortlichen strichen die Rapper nicht von der Nominiertenliste. Im Gegenteil: Die Rapper hatten sogar einen Auftritt. Mit vermummten Menschen im Hintergrund rappten sie ihren Song "All Eyez On Us". Im Text finden sich Zeilen wie "Die einzige Frauenbewegung, die ich respektiere, ist Twerken (yeah)".

Frei.Wild von Nominiertenliste gestrichen

Vor ein paar Jahren, 2013, gab es schon einmal Wirbel um die Echo-Verleihung. Damals war die Rockband Frei.Wild sogar von der Nominiertenliste für den Echo gestrichen wurden, nachdem andere Bands protestiert hatten. Jahrelang wurde darüber gestritten, ob und wenn ja wie rechts die Band ist und ob sie den rechten Rand bedient. Drei Jahre später bekam Frei.Wild dann einen Echo. Ein Jahr zuvor hatte sich die Band gegen Fremdenhass positioniert.

Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?

Kritik an den Rappern wurde auch während der Echo-Verleihung laut. Echo-Gewinner und "Toten-Hosen"-Sänger Campino fragte in seiner Rede, wann die moralische Schmerzgrenze erreicht sei und was als Provokation noch erträglich ist und was nicht. Für ihn sei die Grenze der Toleranz überschritten, "wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme, antisemitische Beleidigungen geht und auch die Diskriminierung jeder anderen Religionsform".  

Echo 2018: Campino über provokative Texte

Musiker Peter Maffay äußerte sich nach der Verleihung kritisch und forderte weitere Konsequenzen. 

In einer Presseerklärung äußerte sich auch der Bundesverband Musikindustrie zu den Ereignissen. Man wolle "alle Details analysieren, Konsequenzen ziehen und ein neues, solides Fundament schaffen".

Am Dienstagnachmittag gab auch Marius Müller-Westernhagen bekannt, dass er all seine Echos zurückgeben wolle. 

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Echo 2018 vom Leiter der DONAUKURIER-Kulturredaktion Jesko Schulze-Reimpell.

Christine Henze
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