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"Zuckersand": Dirk Kummers berührendes Drama über eine Freundschaft in der DDR läuft heute Abend in der ARD

Wie Fred und Jonas sich nach Australien buddeln

Berlin
erstellt am 10.10.2017 um 19:46 Uhr
aktualisiert am 10.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Berlin (DK) "Zuckersand" war der große Gewinner beim diesjährigen Filmfest München, wurde im Wettbewerb um den begehrten Bernd-Burgemeister-Preis als bester deutscher TV-Film 2017 ausgezeichnet. Die Geschichte über eine Jungen-Freundschaft in der DDR Ende der 1970er-Jahre ist ein zauberhaftes Stück mit zwei fabelhaften jungen Hauptdarstellern.
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Berlin: Wie Fred und Jonas sich nach Australien buddeln
Fred und Jonas sind beste Freunde. Doch die politischen Verhältnisse der DDR in den 70er-Jahren stellen ihre Freundschaft auf eine harte Probe. - Foto: Vrabelova/BR
Berlin

Fred und Jonas, beide 10, sind beste Freunde, verbringen jede freie Minute miteinander, teilen alles. Ihre Kindheit ist unbeschwert, sie fühlen sich wohl. Und sie haben einen Traum: einmal nach Australien. Doch Freds Vater ist privilegierter Grenzbeamter, seine Frau linientreu. Als bekannt wird, dass Jonas' Mutter einen Ausreiseantrag in den Westen gestellt hat, begreifen die Buben, dass sie für lange Zeit getrennt sein werden. Sie beschließen, sich an ihrem Sehnsuchtsort wieder zu treffen.

So beginnen sie einen Tunnel in den märkischen "Zuckersand" zu graben. Er soll quer durch den Erdball führen, so hat es ihnen der kauzig-lebenskluge Kaczmareck erklärt und ihnen mit auf den Weg gegeben: "Die meisten Dinge im Leben kann man nicht ändern. Die, die man ändern kann, bei denen muss man es versuchen." Eines Morgens muss Fred feststellen, dass sein Freund über Nacht ausgereist ist. Er ahnt nicht, dass Jonas alles daran gesetzt hat, sein Versprechen zu halten und seiner Mutter beim Grenzübertritt in letzter Sekunde davongelaufen ist.

Dirk Kummer hat dieses kleine Drama vor politischem Hintergrund mit viel Sensibilität und einem schönen Blick für Details inszeniert. Gemeinsam mit Co-Autor Bert Koß hat er die Kinderperspektive gewählt, die konsequent durchgehalten wird. Der Regisseur setzt bei der filmischen Umsetzung auf poetischen Realismus. Milieu und Lebensgefühl wirken sehr authentisch, da kommen den beiden sicher die eigenen Erinnerungen an ihre ostdeutsche Vergangenheit zugute. Die Erwachsenen - gespielt von Katharina Marie Schubert, Christian Friedel, Deborah Kaufmann und Hermann Beyer - beschreiben mit ihren Dialogen und Interaktionen die politische Realität, die Kinder pflegen ihre Freundschaft, kennen keinen Klassenkampf, keine Unterschiede, keine Ost-West-Konfrontation. Für sie gibt es keine Grenzen, keine Ideologien, nur Träume und Abenteuer.

Apropos die Kinder. Tilman Döbler als Fred und Valentin Wessely als Jonas spielen die beiden Jungen mit einer Unbekümmertheit und Natürlichkeit, dass es eine wahre Freude ist. Sie sind die Stars dieses warmherzigen, liebevollen und am Ende auch dramatischen Films, der zudem durch die feine Ausstattung besticht.

"Zuckersand" läuft heute, Mittwoch, um 20.15 Uhr in der ARD.

Von Volker Bergmeister
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