Mittwoch, 21. November 2018
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In den Blumenbildern explodieren die Farben: Arbeiten von Charlotte Buchheim in Feldafing

erstellt am 09.11.2004 um 19:10 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 13:13 Uhr | x gelesen
Feldafing (wet) Sie kam (als Tochter eines Hotelbesitzers) aus gutem Geraer Hause, war in der Schweiz erzogen worden, sprach Französisch und Englisch, spielte passabel Laute und Klavier. Dass sie zeichnerisch begabt war, wurde nie bezweifelt, doch die Aufnahme in eine Akademie wurde ihr als Frau verwehrt. Da nahm Charlotte Buchheim (1891– 1964) Privatunterricht bei den Dresdner Professoren Ferdinand Dorsch und Johannes Ufer. Sie entwickelte sich glänzend, als Zeichnerin, Aquarellistin und Malerin eigenen Stils – und gewann doch immer nur für kurze Zeit eine soziale und gesellschaftliche Sicherheit: Der Vater der Buben Lothar-Günther und Klaus ließ sie sitzen, ihr Mann, der Chemnitzer Industrielle Heinrichs, ging pleite und verschwand. Doch unverdrossen blieb Charlotte, mittlerweile bei der Zimmer vermietenden Mutter untergekommen, später in Feldafing am Starnberger See, auf ihrem eigenständigen künstlerischen Weg.
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Sie erzog ihre Kinder und machte Lother-Günther sowohl zum Künstler, als auch zum stets rebellierenden Opponenten: Während sie inmitten all der Trümmer ihres Lebens, des steten Auf und Ab ihrer Glückssuche, der zerplatzenden Träume und heftiger Erkrankungen heitere, lichtdurchflutete, fröhliche Bilder malte, während sie im Elend noch die blaue Blume des kleinsten Glücks am Rande entdeckte, brachte ihr Sohn ins selbe Mutter-Sohn-Gemeinschaftsbild dicke Schwärze und pessimistische Grautöne ein.

Charlotte Buchheim sah aber, was aus Buchheim werden würde: Den Zehn- und Zwölfjährigen porträtierte sie in wenigen Strichen und auch in Öl als Zweifler, als Unangepassten, als Realist, der ungeachtet des Verbots der Kinderarbeit minderjährig mit Verkäufen eigener Malerei und spannenden Reportagen zum Familienunterhalt beitrug.

"Auch Mutter war eine echte Renegatin" – mit diesem Satz im Katalog der Ausstellung setzt er seiner bis heute Mama genannten Wegweiserin ein hinreißendes Denkmal. Denn nur Eingeweihte kannten bisher das Werk dieser außergewöhnlichen Frau.

Villa Maffei in Feldafing, bis Ende Januar 2005, Fr bis So, 14 bis 18 Uhr, Fei 10 bis 17 Uhr.

Michael Westerholz
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